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Kriterien für Dresdner Hochhäuser

Die Stadt verträgt weitere Hochhäuser, meint der Baubürgermeister. Es müsse aber Regeln geben. Und die sollen nun kommen.

Vier von 371: Blick auf die Hochhäuser in der Michelangelostraße. © René Meinig

Dresden verträgt noch einige Hochhäuser und sie werden auch benötigt, um ausreichend Wohnungen in der wachsenden Stadt zu schaffen, ist sich Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) sicher. „Auch Bürohochhäuser für Arbeitsplätze sind weiterhin notwendig.“ Der Baubürgermeister mischt sich jetzt in die Hochhaus-Debatte ein, die in der Stadt entbrannt ist. Über nahezu jedes Gebäude, das zehn Etagen oder mehr haben soll, wird diskutiert. Ob in Johannstadt, wo sich die Nachbarn erfolgreich mit einer Petition gegen den Bau eines Hochhauses gewehrt haben, hinter dem Hauptbahnhof oder beim Turm des neuen Verwaltungszentrums am Ferdinandplatz – überall regt sich Widerstand.

In der gesamten Stadt gibt es bereits 347 Hochhäuser, von insgesamt mehr als 60.000 Gebäuden. „Laut sächsischer Bauordnung gelten Gebäude ab 22 Metern als Hochhäuser“, so Schmidt-Lamontain. Von den 347 Hochhäusern sind 232 Zehngeschosser. Diese sind etwa 26 bis 27 Meter hoch. „Hochpunkte heben sich aber erst ab 30 Metern so ab, dass sie sich auf die Umgebung auswirken“, erklärt der Baubürgermeister. „Zehngeschosser haben also kaum Auswirkungen auf die Blickbeziehungen, Standorte müssen eher kleinräumig untersucht werden.“

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© Grafik: Gernot Grundwald

Deshalb will Schmidt-Lamontain ein Leitbild für diese sogenannten Hochpunkte entwickeln. Dadurch hätten auch Bauherren Planungssicherheit, wenn sie Gebäude in Dresden errichten wollen. „Wir müssen definieren, wo Hochpunkte denkbar sind und wo nicht“, erläutert der Bürgermeister. „Dabei müssen wir auf jeden Fall die Silhouette von Dresden schützen. „Sichtbeziehungen müssen mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen werden“, stellt Schmidt-Lamontain klar. „Der Canalettoblick darf nicht verbaut werden, gegebenenfalls auch der Blick vom Bismarckturm.“ Letzterer könnte vom Turm am Ferdinandplatz möglicherweise gestört werden, beanstanden Kritiker. Aber der Bürgermeister plant diesen bereits flacher als auf den ersten Arbeitsentwürfen. „Der Turm liegt von der Seite vor dem Rathausturm und der Frauenkirche, deshalb wird er flacher“, erläutert der Baubürgermeister. Etwa 40 Meter Höhe seien denkbar, wobei das Hauptgebäude etwa 27 Meter hoch werden könnte. „Wir wollen die Ecke durch den höheren Turm betonen, damit das Gebäude wirkt.“ Ansonsten würde es sich nicht von der Umgebung abheben.

Mit dem Leitbild soll ein Kriterienkatalog festgelegt werden. Denn für den Bürgermeister ist klar: „Wenn ein Hochhaus in der Stadt gebaut wird, muss es auch gut gemacht sein. Denn es prägt und wirkt im Raum.“ Etwa zehn bis zwölf Punkte soll das Leitbild umfassen, es könne auch noch ergänzt werden. In der nächsten Zeit will sich der Baubürgermeister mit Vertretern anderer Städte treffen, die bereits ein ähnliches Leitbild für ihre Stadt haben. Dann folgt am 21. Januar, ab 18 Uhr, eine Podiumsdiskussion im Rathaus. Dort können sich alle Interessierten mit ihren Fragen einbringen. Außerdem berichten Stadtplaner aus Ingolstadt, Köln, Frankfurt am Main und Wien über ihre Erfahrungen.

Derzeit sind rund ein Dutzend Hochhäuser in Dresden geplant. „Aber keines innerhalb des Altstadtkerns“, stellt der Baubürgermeister klar. „Hochpunkte können Impulse geben, das ist immer abhängig von der restlichen Entwicklung.“ Um einen Stadtraum zu betonen, können sie „spannend“ sein. „Im historischen Stadtkern sollten auf keinen Fall Hochhäuser gebaut werden – das ist klar.“

Aber rund um den Wiener Platz hat Schmidt-Lamontain mit den geplanten und viel diskutierten Hochhäusern kein Problem. „Sie liegen außerhalb des 26er-Rings, wie auch die geplanten Gebäude neben dem neuen Busbahnhof oder der Bau der Drewag. 

Am Straßburger Platz entsteht ein Vierzehngeschosser. Er ist umgeben von anderen Wohnhochhäusern, dem Einkaufszentrum SP 1 und der Gäsernen Manufaktur auf der gegenüberliegenden Seite der Stübelallee. © Visualisierung: werkplan

Ebenso könnten einige Stadtteile noch durch Hochhäuser ergänzt werden. Beispielsweise, wenn Investoren hoch bauen, um daneben Grünflächen freizuhalten. Deshalb sei es schade, dass das Hochhaus in Johannstadt verhindert wurde. „Das wäre ein hervorragender Standort gewesen.“ Zumal dort bereits drei Hochhäuser stehen.

Das Leitbild soll zu einem einheitlichen Herangehen führen. „Es ist aber nicht rechtsverbindlich. Jedes geplante Gebäude wird als Einzelfall bewertet“, so Schmidt-Lamontain. „Es ist eine Grundlage, aber es wird weiterhin Konflikte geben.“