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Kritik an Bauplänen fürs Spreequell-Center

Ein Parkhaus in Sichtweite und Verkehrschaos vor der Haustür: Den Anwohnern bereitet die geplante Erweiterung in Neugersdorf große Sorgen.

© Matthias Weber

Von Romy Kühr

Sonnabendvormittag an der Goethestraße in Neugersdorf: Autos parken am rechten Straßenrand. Ihre Fahrer sind einkaufen, im Spreequellcenter. Hier gibt es alles, was man zum täglichen Leben braucht: Lebensmittel, Drogerieartikel, einen Bäcker, Fleischer, Kleidung, Schuhe, Blumen, Zeitschriften. Das Center ist beliebt bei Einwohnern aus dem gesamten Oberland. Deshalb ist der Parkplatz oft so voll, dass Kunden auch außerhalb der Fläche auf den Nebenstraßen parken. Nun soll das Center noch erweitert werden. Als Grund nennen die Eigentümer Karl-Wilhelm Deerberg und Eckhard Unruh den Wunsch von Aldi, der hier eingemietet ist, seine Verkaufsfläche zu vergrößern.

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Das geht im bestehenden Gebäude nicht. Deshalb soll ein Anbau errichtet werden. Die Pläne sehen außerdem einen Neubau vor, in den der Drogeriemarkt Rossmann einziehen will. Dafür wollen Deerberg und Unruh ein Nachbargrundstück kaufen. Der Bebauungsplanentwurf für die Fläche hat öffentlich ausgelegen. Anwohner haben Bedenken gegen das Vorhaben geäußert.

Die wichtigsten Kritikpunkte an den Bauplänen fürs Spreequell-Center

Kritikpunkt 1: Geplantes Parkdeck stört das Straßenbild

Am meisten stört die Anwohner die Parksituation. Mit der Erweiterung auf mehr Verkaufsfläche werden auch mehr Stellflächen für Autos benötigt. Dafür gibt es Richtlinien. Bei der geplanten Größe müssten 259 Parkplätze zur Verfügung stehen. Das gibt die Fläche aber nicht mehr her. Deshalb ist das nur mit einem mehrstöckigen Parkdeck möglich. Dabei soll eine Parketage unterirdisch liegen, die zweite auf dem Straßenniveau. Eventuell soll es darüber noch eine dritte geben, erklärt Architektin Kerstin Hänel, die das Projekt geplant hat. Ob diese dritte Parketage entsteht, hängt von einem anderen Problem ab: 35 der Stellflächen werden von Mitarbeitern genutzt, sagt Eckhard Unruh. Deshalb will er in der Nähe eine Fläche kaufen, um dort Mitarbeiterparkplätze einzurichten. Gelingt das, wäre am Center genügend Platz für Kunden-Autos. Dann würde die dritte Parkebene entfallen. „Diese Variante ist unser Favorit“, sagt Unruh.

Kritikpunkt 2: Ein Verkehrschaos könnte drohen

Mit dem Umbau würde sich auch die Zufahrt zum Gelände ändern. Die Einfahrt auf den Parkplatz würde künftig auf der Höhe sein, wo jetzt der Asia-Imbiss steht. Dieser soll in den Aldi-Neubau integriert werden. Die Zufahrt zum Parkdeck soll an der nördlichen Seite der Fläche von der Goethestraße aus entstehen. Anwohner befürchten ein Verkehrschaos, zum Beispiel durch Rückstaus. Auch sehen manche das Problem, dass sie dann nicht mehr gut in ihre Grundstückseinfahrten kommen.

Kritikpunkt 3: Es gibt nicht genügend Löschwasser

Aus dem Trinkwassernetz steht nicht genügend Löschwasser für den Fall eines Feuers zur Verfügung. Auch ein Teich, der genutzt werden könnte, ist nicht in der Nähe. Deshalb besteht die Forderung seitens der Stadt: Wenn die Erweiterung kommt, muss der Investor eine Zisterne bauen, aus der Wasser entnommen werden kann. Probleme sehen Anwohner auch mit dem Abfluss des Regenwassers. Der vorhandene Kanal könnte das nicht aufnehmen, wenn noch mehr Fläche versiegelt wird.

Kritikpunkt 4: Lärm und andere Probleme bei der Warenanlieferung

Sorgen bereitet es den Anwohnern schon jetzt, wenn die Märkte ihre Waren angeliefert bekommen. Das macht zum einen Lärm. Es sei aber mit den Anbietern vereinbart worden, dass nicht vor 6Uhr und nicht nach 22Uhr angeliefert wird, sagt Unruh. Zum anderen leiden die Nebenstraßen unter dem Gewicht der Laster, mit denen die Waren angeliefert werden. Auch die Tatsache, dass die Straßen eng sind und die Laster kaum Platz haben, bereitet Probleme.

Kritikpunkt 5: Das Center ist zu groß

Das Einkaufszentrum sei in der geplanten Größenordnung völlig überdimensioniert, finden Anwohner. Unruh und Deerberg berufen sich auf den Wunsch von Aldi und Rossmann, größer zu werden. Beide sind Mieter im Center. Die Eigentümer wollen nicht riskieren, dass sie aus dem Einkaufszentrum weggehen, wenn nicht mehr Fläche zur Verfügung gestellt wird. Deshalb haben sie sich zu der Erweiterung entschlossen. „Wir wollen nicht mehr Geschäfte ansiedeln, die vorhandenen wollen sich lediglich vergrößern“, so Eckhard Unruh. Die neuen Konzepte der Discounter sehen unter anderem breitere Gänge und niedrigere Regale vor. Das soll das Einkaufen bequemer machen. Außerdem wird mehr Lagerfläche für die Waren benötigt.

Fazit: Noch viele offene Fragen sind zu klären

Nun werden die Träger öffentlicher Belange zum Vorhaben angehört. Das sind rund 45 Institutionen, die ihre Stellungnahmen abgeben können. Außerdem werden Gutachten erstellt: zum Verkehrsfluss, zum Lärm- und zum Umweltschutz. Zusätzlich muss geprüft werden, wie die Regenwasserproblematik gelöst werden kann. Auch die Kritikpunkte der Anwohner werden bei der Überarbeitung des Plans berücksichtigt. Dann wird der Bebauungsplan erneut öffentlich ausgelegt. Erst, wenn er abschließend genehmigt ist, kann der Bauherr einen Bauantrag stellen. Architektin Kerstin Hänel rechnet deshalb nicht mehr mit einem Baustart in diesem Jahr.

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