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Kritik an Kettensägen auf dem Reinhardsberg

Das Flächennaturdenkmal in Kamenz soll renaturiert werden. Müssen wirklich alle Robinien dafür fallen?, fragen SZ-Leser.

© Manfred Delitzscher

Von Frank Oehl

Kamenz. Der Reinhardsberg überm Kamenzer Herrental verändert gerade sein Gesicht. Nicht nur an seinem Osthang (auf privaten Flächen) kreischen die Kettensägen, auch auf der Kuppe. Letzteres hat SZ-Leser Manfred Delitzscher zur Kamera greifen lassen. „Bereits im Frühjahr 2010 hatte es Bemühungen gegeben, die dort wachsenden Robinien zu fällen – mit der Begründung, dass diese Baumart kein heimisches Gehölz ist.“ Der Anwohner erinnert daran, dass engagierte Bürger dies gerade noch durch ihr Veto verhindert hatten. „Im gleichen Jahr ging der Geschichtsverein Kamenz auf Exkursion nach Leipzig. Und siehe da: Die Messestadt geht offensichtlich mit dem Thema Robinie ganz anders um. Dort war sie 2009 sogar Bestandteil einer Spenden- und Pflanzaktion gewesen.“ Leider habe die zuständige Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen auf dem Reinhardsberg eine andere Auffassung. Hier werde zwar lobenswerterweise die Fläche von den alten Gärten geräumt und die wuchernden Wurzelschösslinge der Robinien gerodet sowie auch Totholz entnommen, allerdings gehe es auch den etwa 80-jährigen Robinien ans Leben. „Nach Aussage der dort Arbeitenden sollen dagegen die Obstbaumruinen, welche sicher auch schon 50 Jahre auf dem Buckel haben, offenbar stehen bleiben.“ Der Leser bittet die SZ, sich des Themas wie schon 2010 anzunehmen und die Komplettentnahme der Robinien doch noch zu verhindern.

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Neue Chance

Nun, das dürfte schon deshalb schwierig sein, weil ja offenbar nicht nur das Landratsamt hinter den Umgestaltungsplänen steht, sondern ausdrücklich auch der Umweltausschuss des Stadtrates – also ein zwar nicht entscheidendes, aber doch entscheidend mitredendes Gremium. Ihm steht mit Jörg Bäuerle immerhin ein Vize-OB vor. „Was jetzt auf dem Reinhardsberg durch die Firma Galand-Gebler realisiert wird, ist vernünftig.“ Allerdings kann der Stadtrat der Freien Wähler „Kamenz und Ortsteile“ nicht verstehen, warum die Bürgerschaft dann durch den Vorhabenträger nicht auch vernünftig informiert wird. „Ich wurde selbst überrascht.“ Gleichwohl gehe an der Renaturierung des „Flächennaturdenkmals“ kein Weg vorbei. Die Unterschutzstellung betreffe einerseits die Natur, andererseits aber auch das dortige Bodendenkmal. Immerhin war auf dem Hügel überm Herrental mal ein bronzezeitlicher Ringwall angelegt gewesen. Dieser sollte um 1935 mit Schutt von der nahen Baustelle der HJ-Schule auf dem Gickelsberg zu einem Sportplatz-Areal aufgefüllt werden, was sogar den Nazibehörden zu weit ging, sodass sie den Unfug untersagten. Später durften Tuchfabriker dort ihre Gärten errichten, die nun endlich verschwinden. Bäuerle: „Damit eröffnet sich die Chance, das völlig verwahrloste Naturdenkmal wieder herzurichten und den Kamenzern für die Naherholung zurückzugeben.“ Allerdings sind Robinien offenbar eben so wenig schutzwürdig, wie die starken Fichten am Reinhardsberg-Osthang. „Robinien verdrängen durch den Wurzelaustrieb heimische Pflanzen und Tiere rigoros.“ Deshalb sei es richtig, das Kleinstreservat im Sinne des Bundesnaturschutzgesetztes jetzt neu zu ordnen – zum Beispiel mit einheimischen Laubbäumen. „Die Stadt unterstützt das kreisliche Vorhaben.“