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Kritik an vereisten Treppen

Die Bastei ist auch im Winter gut besucht – aber schlecht begehbar. Das hat rechtliche Gründe, sagt der Nationalpark.

© dpa

Von Anja Weber

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Dem Frühling entgegenlaufen

Nach dem Motto nicht länger warten, sondern starten - treffen sich am 5. Mai wieder Laufsportfreunde zum Lauf-in-den-Frühling in Freital.

Sächsische Schweiz. Der Ulbersdorfer Roland Döring hatte sich am Donnerstag für einen Besuch auf der Bastei entschieden. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Denn danach war er entsetzt über den Zustand der Treppe zur Basteibrücke. Auf den Stufen hätten sich dicke Eisplatten gebildet. Eine japanische Touristin sei vor ihm gestürzt und habe sich tüchtig wehgetan. Als Beweis hatte er aber nur den Zustand der Treppen fotografiert – und das Foto samt seiner Kritik an die Nationalparkverwaltung geschickt. Die hatte in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass Spaziergänger und Wanderer auf Waldwegen besonders vorsichtig sein sollten. Das betrifft auch das Basteigebiet. Und da gelten versicherungsrechtliche Feinheiten: Bei dem Wegeabschnitt handelt es sich um einen Waldweg ohne Verpflichtung zu Winterdienst, antwortet Nationalparksprecher Hanspeter Mayr. Daraus ergeben sich offenbar rein rechtliche und versicherungstechnische Schlussfolgerungen. Denn, wenn in diesem Bereich dennoch Winterdienst durchgeführt würde, habe das Auswirkungen auf die weiteren 500 Kilometer Waldwege in Zuständigkeit der Nationalparkverwaltung. Menschen, die dort stürzen, könnten dann fragen, warum nicht auch diese 500 Kilometer geräumt würden, so wie die Basteistufen.

Ungeachtet solch versicherungstechnischer Fragen habe die Nationalparkverwaltung am Freitag die Begehbarkeit auf ein Mindestmaß wieder hergestellt, informiert Hanspeter Mayr.

Insgesamt waren 13 Mitarbeiter im Einsatz, davon drei Mitarbeiter der Gemeinde Lohmen und ein Mitarbeiter der Bastei. Nun sei die Treppe begehbar – bis zum nächsten Schnee. Alternativ hätte man die Treppe und damit den Zugang zur Basteibrücke aus Sicherheitsgründen bis zum Tauwetter komplett sperren müssen.

Die Nationalparkverwaltung weiß aber auch einen Ausweg. Das wäre die Widmung durch die Gemeinde Lohmen als öffentlicher Weg. Die müsste dann aber auch die Verkehrssicherungspflicht und winterliche Räumpflicht übernehmen – und die damit entstehenden Kosten.

Das allerdings würde wohl die Finanzen der Gemeinde arg strapazieren. Für Roland Döring bleibt auch die Frage, weshalb die 13 Mitarbeiter nur den Zugang zur Basteibrücke frei geräumt haben, nicht aber die anderen etwa sechs Treppen. „Wahrscheinlich würde man am liebsten den gesamten Basteibereich sperren, um eventuellen Schadensersatzansprüchen zu entgehen“, kritisiert er.

Für ihn sei das Vorgehen ein Abbild deutscher Bürokratie. Man würde im Basteigebiet, in dem sich um ein Vielfaches mehr Menschen bewegen als auf den anderen 500 Kilometer Waldwegen, in Kauf nehmen, dass sich Menschen verletzen können, kritisiert der Ulbersdorfer.