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Geförderter „Würfelhusten“

Buchautor Philipp Maaß fordert mehr Vielfalt und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung der Stadt.

© Wolfgang Wittchen

Der Ruf nach der Rekonstruktion wie am Dresdner Neumarkt ist nur eine Art „Krückstock“, sagt Philipp Maaß. Das Grundübel bestehe darin, dass die Stadtplaner viel zu viele austauschbare Gebäude zulassen. Als Beispiele nennt er die Neubauten am Postplatz sowie die Wohnhäuser an der Tannenstraße. „Letztere werden als Würfelhusten bezeichnet und tragen zur Verarmung der Städte bei“, sagt Maaß.

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Der 35-Jährige hat sich in seiner Dissertation an der TU Dresden mit Fragen des Wiederaufbaus historischer Bauten in den Städten befasst. Jetzt liegt seine Arbeit „Die Moderne Rekonstruktion“ in Buchform vom Verlag Schnell+Steiner vor. Auf 615 Seiten beleuchtet er insbesondere die Innenstädte von Dresden, Potsdam und Frankfurt/Main. Letztlich habe das Wirken der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden zu einem Umdenken auch in anderen Städten beigetragen. Paradoxerweise habe es für den Wiederaufbau des Neumarkts in Dresden plausible Grundsätze gegeben. „Doch plötzlich entstanden Häuser wie der lange Riegel am Postplatz. Das wiederum führte zur Gründung der Gesellschaft Historischer Neumarkt“, sagt er.

Die Stadtplaner lassen Gebäude zu, die Bauträger schnell verkaufen können. Einzeleigentümer würden langfristig denken und Interesse für die Folgekosten zeigen, sagt er. Dass es anders möglich ist, zeigten die Townhäuser in Berlin. Noch härter als die Stadtplaner kritisiert der Buchautor die Architektenschaft. „Da gibt es überhaupt keine Vielfalt mehr, der Bauhausstil wird zum alleinigen Maßstab erklärt. Statt auf eine Blockrandbebauung setzen die Architekten auf Einzelbauten. Das ist auch ökologisch Unsinn“, sagt er. Architekten, die Erdgeschosszonen und Dachfirste planen, hätten kaum eine Chance, ihre Prüfung zu bestehen. Maaß fordert, dass es nicht mehr einseitig ausgerichtete Wettbewerbsjurys geben sollte, sondern den Bürgern mehrere Varianten zur Abstimmung gestellt werden sollten. Er ist sicher, dass so auch Modernes möglich ist. (SZ/kle)