Merken

Kritik nach dem Schützenfest

Deutschlands 10:0-Sieg befeuert die Debatte über den neuen Modus bei der Frauen-WM.

Teilen
Folgen

Von Jana Lange

Mit der Kapuze auf dem Kopf sah Celia Sasic aus wie ein grimmiger Boxer. Auch Simone Laudehr blickte unter ihrer schwarzen Mütze ernst drein, als sie aus der Kabine schlurfte. Von Herzen freuen konnten sich die deutschen Fußballerinnen über das 10:0 zum WM-Auftakt gegen die überforderten Neulinge aus der Elfenbeinküste nicht – und die erste Endrunde mit 24 Teams hat nach nur zwei Spieltagen die befürchtete Qualitätsdebatte.

Selbst Bundestrainerin Silvia Neid wunderte sich über den fußballerisch wie taktisch desolaten Auftritt: „Wir hatten sie besser eingeschätzt als sie gespielt haben. Ich hätte vorher nie gedacht, dass wir 10:0 gewinnen.“ Anja Mittag, die als „Spielerin der Partie“ wie Sasic einen Dreierpack geschnürt hatte, war nach der harten Gangart des hilflosen Gegners (29 Fouls, sechs gelbe Karten) einfach nur „froh, dass wir noch so gut davongekommen sind“.

Die Schambeinprellung von Melanie Leupolz, zahlreiche blaue Flecken und Risswunden waren für die Deutschen spürbare Andenken an den zweithöchsten WM-Sieg der Geschichte. Das tat ZDF-Expertin Kim Kulig selbst beim Zuschauen weh. „Von solchen Ergebnissen will man eigentlich wegkommen“, äußerte die verletzte Nationalspielerin: „Klar ist es schön, wenn die Kleinen mitspielen dürfen, aber die Attraktivität leidet schon.“

Dass solche Ergebnisse bei der Erweiterung des WM-Feldes um acht Mannschaften auftreten würden, nahm der Weltverband Fifa mit der Entscheidung vor sechs Jahren in Kauf. „Wir haben gegen das beste Team der Welt gespielt. Wettkämpfe auf diesem hohen Niveau sind für unsere Spielerinnen der beste Weg, zu lernen“, sagte die ivorische Nationaltrainerin Clementine Touré. Dagegen war Neid „stolz und froh“, dass ihr Team Selbstvertrauen für die ungleich schwerere Aufgabe am Donnerstag gegen Norwegen gewonnen hat. (sid)