Teilen:

Kritische Auseinandersetzung mit Islam gefordert

© SZ-Archiv/dpa

Rechts von der CDU soll es nach Willen der Werteunion nichts geben. Im Goldenen Anker hat sie ihr „konservatives Manifest“vor gestellt.

Von Nina Schirmer

Radebeul. Die Wärme des Tages drückt noch an den Scheiben vom Saal im Goldenen Anker in Kötzschenbroda. Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) hat das Sakko am Donnerstagabend lieber gleich weggelassen. Die kurzärmeligen Gäste sind mit kühlen Getränken ausgestattet. Sie wollen an diesem Abend über Werte diskutieren. Über Heimat, Leitkultur und Patriotismus.

Eingeladen hat die Werteunion, ein Zusammenschluss von CDU-Mitgliedern des rechten Parteiflügels, der nach eigener Aussage das konservative und wirtschaftsliberale Profil der Partei stärken will.

Von der anderen Seite aus der Gaststätte ist Gelächter zu hören. Im Saal geht es nüchterner zu. Dort stimmt der Radebeuler CDU-Stadtrat Sven Eppinger die Leute auf den Abend ein. „Nur gemeinsam können wir es schaffen, für unsere sächsische Heimat und unser deutsches Vaterland einzutreten“, sagt er. Die Partei sei von Berlin aus stark auf links getrimmt worden. Deshalb hätten viele Leute das Vertrauen in die Union verloren.

Ein erstes zustimmendes Klopfen auf dem Tisch ist zu hören. Um die 40 Leute haben Platz genommen. Jedoch, junge Menschen scheint es an diesem Abend nicht zu interessieren, was die Werteunion zu sagen hat. Unter 40 ist niemand im Saal, ein kleiner Teil nur unter 50.

Auf den Tischen liegt Papier, doppelseitig in kleiner Schrift bedruckt. „Konservatives Manifest der Werteunion Deutschland“ steht oben. Darin wird unter anderem eine konsequente Abschiebung illegaler Einwanderer gefordert. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam, eine verbesserte Einsatzfähigkeit der Bundeswehr und das Leitbild von „Vater, Mutter, Kindern“ als Familie sind weitere Punkte.

Als Nächster darf Matthias Rößler sprechen. Er huldigt die Heimat als den Ort, wo man verwurzelt ist und sozialisiert wurde. „Wer bei uns sein möchte, der muss unsere Leitkultur annehmen und akzeptieren“, sagt er. Die Liebe zum Vaterland sei in anderen Staaten wie Polen und Ungarn selbstverständlich. Rößler spricht von der 1 000-jährigen deutschen Geschichte, in der es neben Negativen wie dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus auch sehr viel Positives gegeben habe, etwa die Zeit der deutschen Klassik.

Etwas Neues habe er nicht gesagt, lässt einer der Anwesenden den Landtagspräsidenten nach seiner Rede wissen. „Was ist schon neu?“, erwidert Rößler. Von einem anderen Tisch bekommt der CDU-Mann prompt ein Angebot von einem „AfD-Freund“, wie sie an diesem Abend öfter genannt werden. „Ich würde Ihnen am liebsten einen Parteiantrag hinlegen. Wir passen perfekt zusammen“, sagt der Mann.

Ob es denn schon Überlegungen für eine Zusammenarbeit von CDU und AfD für die Landtagswahl gibt, will einer der Anwesenden wissen. Daran denke er jetzt nicht, weicht Rößler aus. Die sächsische CDU müsse ihre Sache erst einmal selbst in die Hand nehmen. Wie sich Werteunion und AfD überhaupt unterscheiden, hängt als unausgesprochene Frage im Raum. „Das, was die AfD jetzt sagt, war in der CDU unter Kohl Konsens “, sagt Stadtrat Eppinger.

Sein Fraktionschef Ulrich Reusch bringt den entscheidenden Einwurf. „Aber Kohl hat nie von einem Fliegenschiss gesprochen“, ruft er in die Runde. Mit dieser heftig umstrittenen Äußerung zur Bedeutung des Nationalsozialismus in der deutschen Geschichte hatte AfD-Vorsitzender Alexander Gauland kürzlich provoziert. Die Werteunion möchte keinen Platz lassen für Parteien rechts von der CDU. Aber sich anders artikulieren als die AfD, erklärt Eppinger.

Fast zum Abschluss ergreift Werner Glowka, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, das Wort. Er ist kein Mitglied in der Werteunion, engagiert sich beim Bündnis Buntes Radebeul. Ziel von konservativen Kräften müsse es auch sein, so Glowka, Leute, die in Deutschland vorübergehenden Schutz genießen, ins Alltagsleben einzubeziehen. „Dass die Leute persönlich erfahren, wie wir hier leben.“ Die Asylberechtigten müssten beispielsweise in Jobs gebracht und in Fußballvereinen aufgenommen werden, damit keine Parallelgesellschaften entstehen.