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Dresden

Krumme Geschäfte im ehemaligen TJG

Zwei Männer sollen es sich in den alten Gebäuden des Theaters bequem gemacht und Buntmetall gestohlen haben. 

Blick auf das ehemalige TJG an der Meißner Landstraße
Blick auf das ehemalige TJG an der Meißner Landstraße © Archivbild: Steffen Unger

Es ist ein kurioser Fall: Enrico S. (47) und Jan D. (39) haben sich offenbar in den ehemaligen Gebäuden des Theaters Junge Generation (TJG) an der Meißner Landstraße häuslich eingerichtet. In ihrem Refugium gab es eine Kochgelegenheit, es wurde geheizt, Wände waren eingerissen, Fenster verdunkelt und sogar ein Türschloss ausgetauscht worden. Die Männer sollen dort sogar eine Werkstatt betrieben haben.

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Seit Dienstag stehen die beiden polizeibekannten Deutschen vor dem Amtsgericht Dresden. Laut Anklage sollen sie Ende 2017 und im März 2018 gezielt Buntmetall in den TJG-Gebäuden gestohlen haben. Dazu hätten sie Kupferkabel, Heizungsrohre und andere verwertbare Teile aus den Wänden gerissen, in ihrer „Werkstatt“ abisoliert und transportfähig zerkleinert. Weiter soll S. einen Motorroller gestohlen und gestohlene Auto-Kennzeichen besessen haben. Eines habe er an einem entwendeten Daewoo angebracht. Sein Komplize D. soll monatelang illegal und unbemerkt Strom bei seinem Nachbarn abgezapft haben.

Grundstücksverwalter sprechen von erheblichen Schäden in dem denkmalgeschützten früheren TJG-Ensemble, die wohl von den Angeklagten verursacht worden seien. Der Wertstoff-Klau sei erstmals aufgeflogen, weil auch intakte Telefonleitungen beschädigt worden waren.

Kurios ist auch, was sich der Strafrichter von Enrico S. anhören musste. Er behauptete etwa, er habe einem unbekannten Rollerfahrer zugesagt, für ihn das defekte Zweirad zu reparieren. Doch der Mann habe es nicht abgeholt – dafür aber die Polizei. Warum die Beamten die Roller-Papiere in den Privatunterlagen des Angeklagten entdeckten? Das sei normal, sagte Enrico S., er gehe sorgsam mit Dokumenten um. Im Daewoo-Fall war genau das aber offenbar anders. Er habe ein Auto von einem Unbekannten gekauft und sofort wieder an einen anderen Mann, den er nicht mehr kenne, verkauft – dann sei wieder die Polizei gekommen, habe das Auto mitgenommen, in dem alle Verträge lagen. Nun seien die Dokumente weg.

Das Gericht hat schon mehr als ein Dutzend Zeugen befragt, braucht aber noch weitere. Der Prozess wird fortgesetzt.