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Feuilleton

Kuba ya my Lord

Das sozialistische Kleinod ist Schwerpunkt des 31. Filmfestes. Die Besorgung der Filme glich einer Agentenmission. Der zweite Teil des Filmfest-Tagebuchs.

Unser Autor Maximilian Helm ist auf dem Filmfest Dresden unterwegs. © imago

Eines hat bei allen (Kurz)Filmfestivals der Welt Bestand: Das Kinderprogramm wird unterschätzt. Und so kommt es, dass beim ersten Teil der Kinderkurzfilme im Thalia-Kino der Saal nur halb gefüllt ist. Vielleicht ist es auch ganz gut so. Denn der aus zwanzig Kinderkehlen geschmetterte Hinweis „Film ab“ an den angeblich schwerhörigen Filmvorführer bringt schon so die Wände zum Wackeln. 

Und schon bewegt es sich hinten am Projektor und über die Leinwand flimmert eine ulkige Geschichte über einen Kater, der ungestört am See entspannen will, aber von einer Entenfamilie an den Rande des Nervenzusammenbruchs getrieben wird. Die Kinder, im Alter von vier bis acht, sind ein dankbares Publikum und brechen scharenweise in Gelächter aus. Am Ende des ersten Filmes fragt ein Junge etwas traurig: „Und das soll es gewesen sein?“ Auch an das Konzept Kurzfilme muss man sich erst gewöhnen.

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Dass sich die Geschmäcker von Groß und Klein stark unterscheiden, ist bekannt. Und so sind die Jüngeren von Film Nummer drei eher gelangweilt, während die Erwachsenen völlig verblüfft auf die Leinwand starren. Dort läuft eine eher harmlose Geschichte über eine Gruppe von Tieren, in deren Nachbarschaft eine Blume wächst. Die Freunde beschließen, sich darauf häuslich einzurichten und haben großen Spaß, bis die Blume schließlich wieder verwelkt. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch „Du Iz Tak?“ von Carson Ellis. Eine bekannte Metapher, die aber durch einen sehr feinen Animationsstil und wirklich herausragende Musik zu Tränen rührt. Die Filme wurden von Mitgliedern des jungen Kuratoriums ausgewählt. Kinder stellen Filme für Kinder zusammen, das funktioniert offensichtlich sehr gut. Die anwesenden Jüngsten sind glücklich und so sind es auch die meisten Eltern.

Glücklich ist man auch im Organisationsteam des Filmfestes, dass ihr gewählter Schwerpunkt Kuba so gut funktioniert. Selbstverständlich war das nicht, die letzten Flugtickets für kubanische Filmemacher wurden erst am Freitag vor dem Filmfest gebucht.

Auch die Filme erst einmal nach Deutschland zu bringen, stellte eine echte Herausforderung dar. Als echter Glücksfall für die Dresdner erwies sich Anne Thieme. Die deutsche Filmermacherin, die auch perfekt spanisch spricht, war ohnehin für ein Projekt auf dem Weg nach Kuba. Und erklärte sich bereit, Kurzfilme für das Dresdner Festival zu sammeln und nach Deutschland zu bringen. Denn das ist gar nicht so leicht. „Das Internet auf der Insel ist derzeit noch so schlecht, dass es unmöglich ist, Filme digital zu versenden.“, sagt Thieme. Für Flugtickets fehle meist das Geld oder wegen des US-Embargos der Zugang zu einer Kreditkarte oder einem Paypal Konto. Die Filmförderung in Kuba sei ebenfalls so spärlich,dass Anmeldungen bei internationalen Festivals so gut wie nie stattfänden.

Und so verbrachte Anne Thieme Stunden und Tage des vergangenen Dezembers in Wohnzimmern von meist jungen Filmemachern und kopierte die Werke auf eine Festplatte, um sie schließlich mit nach Deutschland zu nehmen. Sie selbst schickt auch einen Film ins Rennen. Darin geht es um die Ankunft des mobilen Internets in Kuba. Die Zuschauer begleiten eine Frau bei ihren ersten Schritten im Neuland. Als sie daran scheitert, ein Internetradio einzurichten, lacht sie sehr herzlich über sich selbst. Im nächsten Moment sieht sie über Videotelefonie das erste mal ihren neugeborenen Enkel und bricht in Freudentränen aus. Gefilmt ist das alles, fast amateurhaft, mit einer Handykamera. Nur der gute Schnitt und die gekonnte Dramaturgie, lassen auf eine studierte Filmemacherin schließen.

Der Rest der Filme des Kuba-Programms ist eher speziell und sehr künstlerisch. „Wenn der nächste auch so schlecht ist, gehe ich“, meckert eine ältere Dame in der letzten Reihe. Damit wird sie den Werken nicht gerecht. Doch die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ hat die Dame offensichtlich bereits beantwortet. Nur wahr gemacht hat sie ihre Drohung dann leider doch nicht.

Der SZ-Kurzfilm

Tierra Roja/Red Land ist die Geschichte einer Mutter, die außerhalb von Kuba ihr Glück sucht. Dafür musste sie ihre Familie zurücklassen - ein Preis an dem sie fast zerbricht.

Die Sächsische Zeitung verlost zwei Karten für das Filmfest. Wenn Sie an dem Gewinnspiel teilnehmen wollen, senden Sie bitte eine Mail an: [email protected]ächsische.de

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