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Kühlergrill aus dem Hühnerstall

Karl Kipping hat einen Lkw W 50 originalgetreu wieder aufgebaut. So manches Ersatzteil hat eine kuriose Geschichte.

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© Dietmar Thomas

Von Frank Korn

Hartha. Bei diesem Fahrzeug bekommt der Betrachter glänzende Augen. Fahrerhaus und Auflieger sind rot lackiert, auch die blaue Plane auf dem Auflieger glänzt. „Darauf bin ich stolz wie Oskar“, sagt Karl Kipping. Der 47-Jährige hat einen W 50 originalgetreu wieder aufgebaut. Diese Lastkraftwagen wurde zwischen 1965 und 1990 in der damaligen DDR gebaut.

Der Kühlergrill diente zwischenzeitlich als Absperrung in einem Hühnerstall.
Der Kühlergrill diente zwischenzeitlich als Absperrung in einem Hühnerstall. © Dietmar Thomas
Das Modell hatte schon Nebelscheinwerfer, im Bild links.
Das Modell hatte schon Nebelscheinwerfer, im Bild links. © Dietmar Thomas

Fast ein Jahr haben Kipping und seine Mitstreiter Frank Taubmann und Uwe Reichelt vor allem an den Wochenenden an dem Lkw geschraubt. „Wir haben praktisch alles selbst gemacht. Nur die Lackierung haben wir von einem Fachmann machen lassen“, sagt Karl Kipping, der gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Liddy Massow und Karin Pönitz die Spedition Kipping führt.

Früher ist Kipping selbst W 50 gefahren, hat Lkw-Schlosser gelernt. Eigentlich wollte er einen W 50 mit Hänger haben, doch so etwas konnte er nicht auftreiben. So nahm er erst einmal eine Zugmaschine Baujahr 1983. Die kaufte er im Oktober 2014 einem Privatmann in der Nähe von Zwickau ab. Der hatte sie wiederum vom ehemaligen Kraftverkehr Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).

„Zunächst sah alles nicht so schlimm aus, aber dann war es doch sehr arbeitsintensiv“, so Kipping. Am schwierigsten sei die Stoßstange zu beschaffen gewesen. „Schließlich sind wir in einem Dorf in der Nähe von Aue fündig geworden. Das Teil war verrostet, aber wir haben es wieder aufgearbeitet.“

Den Kühlergrill hat Karl Kipping bei einem seiner Fahrer entdeckt, der ihn als Absperrung im Hühnerstall genutzt hatte. Klar, dass der Chef die „Herausgabe“ des Teils forderte. Das IFA-Schild, welches auf dem Kühlergrill prangt, hatte Kipping einmal beim Aufräumen gefunden und aufgehoben.

Dekra verlangt bessere Bremsen

Ähnlich kurios ist die Geschichte des Sattelaufliegers. Der stand 28 Jahre in der Nähe von Halle auf einer Weise. „Das Baujahr des Aufliegers konnte ich nicht ermitteln. Eigentlich war es nur ein Haufen Schrott, aber die Lampen funktionierten alle noch“, erinnert sich Karl Kipping.

Wie viele Stunden er und seine Mitstreiter in den Wiederaufbau von Lkw und Auflieger investiert haben, vermag Karl Kipping nicht zu sagen. Sogar die Weihnachtsfeiertage 2014 haben sie genutzt, sehr zum Leidwesen der Familien. „Die Kenntnisse, die ich mir während der Ausbildung angeeignet hatte, waren beim Schrauben sofort wieder da“, sagt Kipping. Das Fahrzeug und der Hänger entsprechen dem Original aus DDR-Zeiten.

Nur die Bremsanlage musste umgebaut werden. „Es war eine Auflage der Dekra, dass wir eine Zwei-Kreis-Bremsanlage einbauen“, so Kipping. Außerdem musste der Seitenunterfahrschutz nach heutigen Standards ausgeführt werden.

Im Vergleich zu heutigen Lkw nehmen sich 125 PS und elf Tonnen Nutzlast bescheiden aus. Doch Lasten will Karl Kipping mit dem W 50 nicht mehr bewegen. „Wir werden höchstens mal zum W 50-Treffen damit fahren. Im vergangenen Jahr hat das noch nicht geklappt, vielleicht gibt es aber in diesem Jahr eine Möglichkeit.“