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Kümmerer gesucht

Andernorts hält die Verwaltung engen Kontakt zu Eigentümern von Immobilien, um sie zu entwickeln – nicht so in Meißen.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Es habe im Frühjahr 2015 einen Aufruf im Amtsblatt der Stadt gegeben, als Bürger Ideen einzureichen, wie Fördermittel aus EU-Programmen sinnvoll eingesetzt werden könnten, sagt Frank Buchholz. Er habe seinen Vorschlag unter dem Titel „InMoAktiv – Eigentümermobilisierung leer stehender Immobilien in Meißen“ eingereicht und auch eine dankende Eingangsbestätigung erhalten. Und das war´s.

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Dabei hat Buchholz, der studierter Stadtplaner ist und heute beim Windparkentwickler UKA als Projektleiter arbeitet und sich in der Initiative „Bürger für Meißen – Meißen kann mehr“ engagiert, etwas Interessantes angeregt. Zunächst skizziert er die Ausgangslage, dass nämlich der Immobilienmarkt in Meißen „infolge der Abwanderung in den 1990er und 2000er Jahren, der Ausweisung neuer Wohngebiete auf der grünen Wiese, aber auch einer Betroffenheit bestimmter Lagen durch Naturkatastrophen – Elbeflut 2002, 2013, Schlammlawine 2014 – verschiedene Eigentümer nur bedingt gewillt sind, in Altbaubestandsimmobilien zu investieren“. Inzwischen hat sich die Situation zwar insofern geändert, als das etwa das Interesse an Wohnimmobilien in Meißen gestiegen ist, weil in der Landeshauptstadt Dresden die Nachfrage nicht mehr ausreichend befriedigt werden kann. Aber das hat am Investitionswillen der Eigentümer in Meißen nur bedingt etwas geändert. Stattdessen warten sie auf weiter steigende Preise, um Immobilien zu verkaufen – siehe alte Bienenwirtschaft. Buchholz argumentiert in seinem Vorschlag: „Die Einbindung der Immobilieneigentümer als zentrale Akteure der Stadtentwicklung, ist jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil jedweder planerischer Entwicklungsbestrebungen. Die Stadtplanung muss sich demzufolge von einer rein rahmensetzenden Rolle hin zu einer kümmernden Rolle weiterentwickeln und kooperativ mit Eigentümern nach Lösungen suchen.“

Für dieses Herangehen gebe es Beispiele in anderen Städten, so in Bremerhaven, Chemnitz, Halle, Leipzig, Neustadt a. d. Weinstraße oder Viersen. Hier seien durchweg gute Erfahrungen mit einer moderierenden Eigentümermobilisierung gemacht worden. Sie würden dazu „Kümmerer“ zur Revitalisierung innerstädtischer Quartiere und leer stehender Immobilien – angedockt bei der Wirtschaftsförderung, dem Liegenschafts- oder Stadtplanungsamt – einsetzen. Für die Jahre 2015 bis 2018 gibt Buchholz eine grobe Schätzung an, was eine solcherart aktive Stadtplanung in der Altstadt, der Triebischvorstadt und im Stadtteil Triebischtal kosten würde und kommt auf eine Gesamtsumme von 190 000 Euro. Das Geld sollte aus Förderprogrammen wie dem Europäischen Sozialfonds, von den Immobilieneigentümern und der Stadt kommen.

Als Projektträger kann sich Buchholz die Stadt Meißen, die Hornsche Stiftung oder den Kulturverein Meißen vorstellen, als Kooperationspartner die privaten Immobilieneigentümer, die Seeg und den Gewerbeverein.

Buchholz gibt sich keinen Illusionen hin: „Meines Erachtens ist der Entwurf für die Projektskizze in den Schubladen der Stadtverwaltung verschwunden.“