merken

Kümmern Sie sich endlich um die medizinische Versorgung!

Die SZ hat verschiedene Menschen um Beiträge gebeten, was sich ändern muss. Heute: Bernd Müller aus Hirschfelde.

© SZ-Archiv

Von Bernd Müller

Anzeige
Liebevoll für die Großen und Kleinen

In dieser Klinik gehört die Angst vorm Krankenhausaufenthalt der Vergangenheit an. Besonders bei den Allerkleinsten.

Hirschfelde. Der am häufigsten geäußerte Wunsch zu Beginn des neuen Jahres war wohl der für Gesundheit. Gesundheit als ein kostbares Gut, welches nicht, wie viele andere Sachen, käuflich erworben werden kann. Wenn sie Schaden genommen hat, wenden wir uns vertrauensvoll an unsere Mediziner. Können wir das aber immer rechtzeitig und an jedem Ort? Da kommen bei mir Zweifel auf. Wir haben in unserem Land laut statistischer Erhebungen ein ordentliches Gesundheitssystem aufgebaut. In der gesamtstatistischen Erfassung mag das auch seine Richtigkeit haben, im Detail ergeben sich aber beträchtliche Unterschiede in der Wahrnehmung durch den einzelnen Bürger, Unterschiede nicht nur zwischen Stadt und Land, sondern auch in der Dichte unserer medizinischen Versorgung.

„In einer Minute ist die Mindestbehandlungszeit erreicht, dann kann ich spritzen und die Behandlung abrechnen...“ hieß es in der Mittwoch-Ausgabe. Nun schildert Hirschfeldes Ortsbürgermeister, wie es den Menschen mit dem Arztproblem geht.
„In einer Minute ist die Mindestbehandlungszeit erreicht, dann kann ich spritzen und die Behandlung abrechnen...“ hieß es in der Mittwoch-Ausgabe. Nun schildert Hirschfeldes Ortsbürgermeister, wie es den Menschen mit dem Arztproblem geht. © Karikatur: Frank Richter

Seit Jahren sehen wir dabei Probleme auf uns zukommen, die große Herausforderungen mit sich bringen, da die zurzeit tätigen Hausärzte infolge der demografischen Entwicklung auch an die Altersgrenze gelangen und Praxen schließen müssen beziehungsweise schon geschlossen haben. Hier stellt sich die Frage: Ist eine Statistik nur dazu da, auf Probleme hinzuweisen oder sollte man nicht daraus auch rechtzeitig Maßnahmen einleiten, die die Probleme lösen? Unsere Ortschaft hatte bis 2009 drei niedergelassene Ärzte, die Patienten nicht nur in Hirschfelde, sondern auch in den umliegenden Ortschaften betreuten. Sie versorgten auch Patienten in Pflegeheimen der Stadt Zittau oder Ostritz. Im Laufe der letzten Jahre reduzierte sich die Anzahl, altersmäßig bedingt, auf nur noch einen Arzt, der Patienten aber nur unwesentlich. Also galt es für zahlreiche Patienten, sich einen neuen Hausarzt zu suchen. Das war und ist leichter gesagt als getan, denn auch eine große Anzahl von Ärzten im Versorgungsbereich arbeitet an der Schmerzgrenze. Ein weiteres Problem tritt besonders in ländlichen Regionen auf: Es fehlt die regelmäßige Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel.

Wie also zu einer bestimmten Zeit zu einem auswärtigen Arzt kommen? Man nehme sich ein Taxi oder vertraue auf gute Bekannte oder Verwandte. Beides ist machbar, aber keine Lösung auf Dauer. Also fragt sich manch einer der Betroffenen: Haben wir eine Zweiklassengesellschaft? Warum gelingt es uns nicht, freie Stellen in ländlichen Regionen, aber auch in manchen Städten unseres Landkreises mit neuen Ärzten zu besetzen? Für mich spielen dabei zwei Faktoren eine Rolle: Die aufwendige Bürokratie, die die Behandlungszeiten der Ärzte wesentlich einschränkt und erheblichen Aufwand bedeutet. Und, dass das „Landleben“ kein „Stadtleben“ ist. Der eine oder andere möchte nicht auf Annehmlichkeiten verzichten, die es auf dem Land eben so nicht gibt. Außerdem gibt es gerade auch in letzter Zeit immer wieder Diskussionen um die Budgetierung, die mir trotz aller Sparzwänge unangebracht erscheint. Der Mensch ist keine Maschine, dem ich ein Teil reparieren oder ersetzen kann, wenn gerade Mittel frei sind.

Hier muss nach ethischen und notwendigen Grundsätzen entschieden werden, da kann ich nicht argumentieren, mein Budget ist überzogen, der Eingriff oder die Behandlung kann erst später erfolgen. Diese finanziellen Rahmen erschweren die Tätigkeit eines Mediziners. Und manch einer möchte diesen Druck auch nicht auf sich nehmen. Nächstes Problem: Hausärzte übernehmen Hausbesuche. Diese Zeit geht natürlich von der normalen Sprechstunde ab. Dazu kommt, dass manche Ortschaften sehr weit auseinander liegen, also auch die Anfahrtswege lang sein können. Fazit: zusätzliche Arbeitsstunden, die kompensiert werden müssen. Bei den „Begleiterscheinungen“ überlegt sich natürlich ein Neueinsteiger, ob es für ihn nicht annehmbarere Arbeitsstellen gibt. Auch die finanzielle Unterstützung bei Neugründung oder Übernahme einer Praxis hat bisher nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Es ist dringend geboten, dass sich unsere Politiker Gedanken um neue Wege machen. Nach der Feststellung, es fehlen Lehrer, Polizisten und Pfleger, wissen wir längst, dass der Ärztemangel ein Problem ist. Auch hier gilt wie für so vieles für Politiker und Verantwortliche in entsprechenden Gremien: Kümmern Sie sich endlich!