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Küsse, Brüste und wie die Menschel-Limo nach Berlin kam

Sänger Elias will in Zittau ein Gedenkkonzert für den verstorbenen Barden Gunter Gabriel geben. Der Hainewalder hat eine ganz besondere Beziehung zu ihm.

© dpa

Von Nicole Thuss

Mit Liedern wie „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“, „Komm unter meine Decke“ und „Er ist ein Kerl“ hat der Sänger Gunter Gabriel große Hits gelandet. Sein Musikerkollege Daniel „Elias“ Böhm („Schöne Grüße aus Zittau“) hat den kürzlich Verstorbenen persönlich gekannt. In einem kleinen Unplugged-Konzert am 19. August will Elias deswegen seine Hits spielen. Denn dann findet in der Bowling-Bar Zittau das jährliche Sommerfest statt. Böhms Vater ist der Betreiber dieser Bowlingbahn.

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Kennengelernt haben sich Elias und Gabriel am 15. April bei einem Wohnzimmerkonzert. Am frühen Abend in Hainewalde tummeln sich damals rund 30 Gäste im Haus der Familie Böhm. Sohn Daniel Elias mittendrin. Um ihn geht es ja schließlich – es ist sein Geburtstag, der 30. Die Stimmung ist ausgelassen. Plötzlich klingelt es an der Tür. „Kommt da noch jemand?“, fragt Daniel. „Na los, mach auf“, feuern seine Freunde ihn an. Alle Gäste sind gespannt. Schließlich haben sie eine besondere Überraschung für ihn. Etwas misstrauisch blickt Daniel in die Runde, geht zur Tür und öffnet sie.

Da steht er. Groß, breitschultrig, im schwarz-roten Westernhemd – Gunter Gabriel. „Bin ich hier bei Trump, Putin oder Böhm?“, fragt er und grinst. Gabriel betritt das Haus und zur Begrüßung gibt es einen langen, ausgiebigen Bruderkuss. Danach wird „Happy Birthday“ angestimmt. Alle lachen und klatschen. „Ja, dann komm doch rein“, sagt der Hainewalder verblüfft. Das heimische Wohnzimmer hat sich in eine kleine Bühne, mit Mikrofon, Gitarre und Verstärker, verwandelt. Die Gäste setzen sich auf Bierbänke. Daniel Elias nimmt ganz vorn auf dem Sofa Platz. Zwei Stunden gibt Gabriel seine Lieder zum Besten. Als Gunter erfährt, dass Daniel auch Musiker ist, drückt er ihm seine Gitarre in die Hand und beide musizieren zusammen.

Auch Lieder von Johnny Cash dürfen an diesem Abend nicht fehlen. Gabriel, der eine enge Beziehung zu dem amerikanischen Countrysänger pflegte, heizt mit seiner deutschen Version von „Ring of Fire“ die Stimmung an. Mit Anekdoten und Geschichten erzählt der Sänger aus seinem Leben. So berichtet er von einem Brustvergleich mit Ina Müller, welchen er zwei Tage zuvor anzettelte. Plötzlich steht er mit nacktem Oberkörper im Wohnzimmer und fordert Böhm zu einem ebensolchen heraus. „Gunter ist schon ein ganz besonderer Typ“, sagt Daniel und grinst.

Als der letzte Ton verstummt, wird, bei einem Glas Wein, über Musik und das Leben philosophiert. Daniel Elias berichtet von seinem ersten eigenen Album „Momente“. Gabriel ist sofort begeistert und fordert eine CD. „Die hör ich mir zu Hause an“, sagt er und betrachtet das Titelbild. Ein aufregender Abend neigt sich dem Ende. Zum Abschied gibt es eine Umarmung. Bevor Gabriel in seinen Wagen steigt, lädt er zu „Hello, I´m Johnny Cash“ nach Berlin ein. In diesem Musical tritt der Sänger als Cash auf und interpretiert dessen Songs auf Deutsch. „Eine sehr authentische und rührende Vorstellung“, sagt Böhm später darüber. Nach dem Konzert überreicht Daniel, als kleines Geschenk für die Einladung, eine Menschel-Limo. Ein Mitbringsel aus der Heimat, wie er sagt, das unbedingt probiert werden muss. „Durch diese Limo bin ich vom Alkohol weggekommen“, scherzt Gunter und trinkt die Limo sofort aus. An diesem Abend verstärkt sich die Bindung der beiden Sänger. Regelmäßig erkundigt sich Gabriel nach musikalischen Fortschritten des „alten Sacks“, wie er Daniel Elias freundschaftlich nennt. Sogar von einem gemeinsamen Lied ist die Rede. Der junge Künstler nimmt sein selbst geschriebenes Lied in einem Tonstudio auf. „Immer auf Tour“, so der Titel, erzählt von Gabriel, der sein Wissen und seine Erfahrungen an einen jungen Musiker weitergibt. Schließlich wird die fertige Liedversion verschickt und Daniel wartet aufgeregt auf eine Antwort. „Er hat das Lied angehört und fand es super. Später wollte er mehr dazu sagen, aber leider kam es nicht mehr dazu“, berichtet Daniel jetzt traurig.

Am 22. Juni erlag der Sänger seinen Verletzungen, die er bei einem Treppensturz erlitten hatte. Böhm hat den Song umgeschrieben und möchte ihn trotzdem veröffentlichen. „Gunter mein Freund, viel zu früh bist du von uns gegangen“, heißt es in der ersten Zeile. „Sein Tod hat mich getroffen. Ich bin dankbar, dass ich Gunter noch erleben durfte und das Wohnzimmerkonzert werde ich immer in Erinnerung behalten. Ein toller Mensch und Musiker.“

Infos zum Sommerfest: www.bowlingbarzittau.de