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Kugelbombe bei Polizei?

Dieser Knaller war kein Spaß: Der Vorfall in der Löbauer Polizeiwache am Silvesterabend war größer als erst bekannt. Das Geschoss ist in Deutschland verboten.

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© Malte Christians/dpa

Von Gabriel Wandt

Die Explosion im Löbauer Polizeistandort in der Silvesternacht hat ganz offenbar deutlich größere Ausmaße gehabt als bislang öffentlich bekannt war. Denn nach SZ-Informationen hat der pyrotechnische Gegenstand, von dem die Polizei offiziell spricht, durchaus eine gewisse Sprengkraft gehabt: Denn es ist offenbar eine Kugelbombe gewesen, die in den letzten Minuten des Jahres 2013 ein Unbekannter zum Polizeigebäude gebracht hat. Dort hat er geklingelt, um Einlass gebeten und diesen auch erhalten. Die äußere Tür ist zu diesem Zeitpunkt verschlossen gewesen, teilt Polizeisprecher Thomas Knaup auf SZ-Nachfrage mit. Ein Beamter öffnete die Tür und ließ den Mann in den Vorraum. Dort hat der Besucher nach Polizeiangaben den Gegenstand gezündet. Dass es sich dabei um eine Kugelbombe gehandelt hat, wurde vom Polizeisprecher weder bestätigt noch dementiert.

Eine gewisse Wucht muss der Sprengkörper auf alle Fälle gehabt haben. Denn entgegen ersten Auskünften seitens der Polizei bestätigt der Sprecher jetzt, dass bei dem Vorfall ein Beamter verletzt und „gesundheitliche Beeinträchtigungen“ davongetragen habe. Durch die Explosion hat offenbar sein Gehör gelitten. Ein Arzt habe ihn für einige Tage arbeitsunfähig geschrieben. Mittlerweile sei der Mann aber wieder genesen.

Weitere Details zudem Vorfall gibt die Polizei nicht preis. Welche dramatischen Folgen Kugelbomben für Menschen haben können, zeigt aber ein Fall, der sich ebenfalls in der jüngsten Silvesternacht ereignet hat – nicht in der Oberlausitz, aber im Schwarzwaldstädtchen Nagold, das südwestlich von Stuttgart liegt. Dort ist ein 31 Jahre alter Mann bei der Explosion einer Kugelbombe ums Leben gekommen, wie der „Schwarzwälder Bote“ berichtete. Laut dem Bericht hatte der Mann die Kugelbombe mit zu einer privaten Silvesterfeier gebracht. Als er sie zünden wollte und noch an dem Feuerwerkskörper hantierte, explodierte die Kugelbombe. Der Mann starb noch am Unfallort.

In Löbau scheint die Sache einigermaßen glimpflich ausgegangen zu sein, dennoch wirft die Angelegenheit so einige Fragen auf. Natürlich die Fragen nach dem Motiv, nach dem Täter, danach, ob die Polizei in der Löbauer Wache sich selbst besser schützen muss. Auch Auskünfte zu Konsequenzen aus diesem Vorfall gibt der Polizeisprecher nicht, sondern verweist bei Details auf die laufenden Ermittlungen.

Kugelbomben haben diesen Namen nach ihrer Form erhalten. Sie sind kugelrunde Geschosse aus Pappe oder Plastik, die meist aus Asien kommen und in Deutschland nicht ohne Weiteres verwendet werden dürfen. Sie sind wegen ihrer Sprengkraft als besonders gefährliche Pyrotechnik eingestuft, dürfen nur im Freien und nur von Profis verwendet werden. Die Geschosse sind üblicherweise mit Schwarzpulver gefüllt und werden von professionellen Feuerwerkern für besonders starke Effekte verwendet. In Deutschland tauchen sie meist in Größen zwischen 6 und 30 Zentimetern Durchmesser auf – und verursachen durch falsche Verwendung immer wieder schwerwiegende Unfälle.