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Kulissen-Rekord auf Hoflößnitz

Für das dritte SZ-Märchenfest wurden Tonnen an Requisiten bewegt. Die Verwandlung erfolgte aufwendiger denn je.

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© André Wirsig

Von Ulrike Keller

Radebeul. Das Pressenhaus der Hoflößnitz kann auch Märchen. Das steht am Sonnabend schon kurz nach Eröffnung des dritten SZ-Märchenfestes fest. Erstmals dient das frisch sanierte Gebäude als einer von acht Schauplätzen während der zweitägigen Veranstaltung. Konkret wird der Winzersaal im Dachgeschoss bespielt. Hier lässt die Meißner Theatergruppe „Die Wandelbaren“ Schlaraffenland, Märchenschloss, Zauberwald und Hexenküche einziehen. Alles in einem Stück: „Der Zauberspiegel“.

Möglich macht es eine Rekord-Kulisse der Marke Eigenbau. Den acht Meter breiten Rahmen steckt eine Holzkonstruktion ab. An dieser ist ein Vorhang befestigt, der jeweils eines der dahinter vorbereiteten Bühnenbilder enthüllen kann, und ein anderes verhüllen.

Das Rekordverdächtige sind jedoch nicht die acht Meter, sondern die Ausstattung dieser. Was für die Inszenierung des „Zauberspiegels“ zum einen und der „Bremer Stadtmusikanten“ zum anderen angekarrt und in den Winzersaal hinaufgeschleppt wurde, vergleicht Cheforganisatorin und SZ-Verlagsleiterin im Elbland, Petra Gürtler, mit dem Umzug aus einer Dreiraumwohnung. Neben Möbeln sind es schwergewichtige Requisiten wie echte Baumstümpfe und Strohballen. „Wir brauchen das alles“, beteuern Matthias Hauser und Tobias Dietze, die „Die Wandelbaren“ gegründet haben und zum Teil mit selbst geschriebenen Stücken versorgen.

Zum dritten Mal gehört ihre Theatergruppe bereits zu den Programmbestreitern. Sie zählt – neben wechselnden Künstlern – zu dem festen Kern, der von Anfang an dabei ist. Und Jahr für Jahr wird der Aufwand größer. Ihrer und auch der, den das Organisationsteam für das Fest betreibt.

Denn mit jeder Ausgabe fertigen eine Reihe von professionellen Bühnen- und Kostümbildnern sowie Kreativwerkstätten aus der Region weitere Puppen, Figuren, Kostüme und Requisiten zur märchenhaften Verwandlung der Hoflößnitz an, einschließlich aller Festmitarbeiter. Viele Kostüme, die zu sehen sind, hat Andrea Wiener von der Dresdner Kostümwelt „Maßnahme“ erschaffen. In den vergangenen zwei Jahren stellte sie unter anderem auch einen meterlangen Rapunzelzopf am Lust- und Berghaus her sowie eine lebensgroße Puppe des tapferen Schneiderleins. Neu hat sie nun beispielsweise ein überdimensionales Frau-Holle-Kissen genäht, das das Kavaliershaus schmückt.

Weitere Kostümhingucker tragen Mitglieder des Meißner Carnevalsvereins Missnia zur Schau, die vor Ort mit unterstützen.

Auch die Hoflößnitz ist mehr als nur Veranstaltungsort des Festes. Dieses Jahr hat die Stiftung den Märchenrätselgarten mit einem prächtigen Eingang versehen. „Ein großes Tor mit zwei Türmchen“, erklärt Geschäftsführer Jörg Hahn, der sich als Märchenfan outet. „Wir wollten dem Märchengarten auf der Terrasse des Lust- und Berghauses ein passendes Entree verschaffen, um die Kinder eindrucksvoll an die Märchenwelt heranzuführen.“

Dort sind zahlreiche gute Bekannte aus den Geschichten der Grimm-Brüder aufgestellt. Doch alle enthalten markante Fehler. Welche, gilt es in einem Quiz ausfindig zu machen. Genau darin versucht sich der sechsjährige Linus Windsheimer aus Dresden. „Wie heißen die?“, fragt seine Oma vor einer Figur mit übereinander stehenden Tieren. Ihr Tipp: „Die machen Musik!“ Der kleine Mann überlegt. „Das Schwein gehört da nicht hin, sondern eine ...“ Linus hats: die Bremer Stadtmusikanten. Und Oma und Mama bekennen: „Oh weia, wir müssen mal wieder Märchen vorlesen.“

Bastelstrecke, Trickfilmkeller, Hüpfburg, Spielebereich – überall herrscht reger Andrang, ohne dass es zur Drängelei kommt. Klein-Marlene aus Dresden sitzt selig beim Kinderschminken und verfolgt gebannt ihre Verwandlung zur Glitzerfee.

Mutti Andrea ist angetan vom gesamten Drumherum. Den Kostümen, der Deko, der Örtlichkeit. „Ich mag Massenveranstaltungen gar nicht“, verrät sie. „Aber hier ist es nicht zu groß, und alles passt so schön zusammen.“ Besonders überrascht sie das breite Angebot und Programm: „Sonst ist doch heute die Kombination von Hüpfburg und Essensständen Standard.“