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AC/DC: Die alten Säfte fließen noch

AC/DC-Frontmann Angus Young über das Älterwerden und Lebendigbleiben als Rock ‘n‘ Roller von Weltrang.

Haben sich für „Power Up!“ noch einmal aufgerafft und zusammengerauft: AC/DC um Angus Young (m.).
Haben sich für „Power Up!“ noch einmal aufgerafft und zusammengerauft: AC/DC um Angus Young (m.). © Sony Music

Klein beigeben und sich schleichen? Andere vielleicht, aber AC/DC haben noch Bock auf ihren Job. „Power Up“ heißt das neue Album der womöglich beliebtesten Rockband der Welt. Es macht deutlich: Die Säfte fließen noch. Im Vergleich zum blueslastigen Vorgänger „Rock or Bust“ von 2014 wirkt die Band deutlich frischer, klarer, knackiger. Wir sprachen mit Gitarrist Angus Young (65) im fernen Sydney am Telefon über seine glückliche Jugend, die Lebendigkeit seines toten Bruders Malcolm und seinen WIllen, immer noch das machen zu können, was er am meisten liebt.

Angus, wollt ihr auf eure alten Tage noch mal zeigen, wo der Rock’n’Roll-Hammer hängt?

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Ich unterschreibe das. Das war immer das Ziel von AC/DC. Seit jeher wollen wir Musik machen, die eine Menge Energie und eine Menge Leidenschaft verspritzt. Wir haben uns immer bemüht, dieses besondere AC/DC-Feeling einzufangen.

Du gibst bei AC/ DC den zeitlosen, in der Realität inzwischen 65-jährigen Rocker in Schuluniform. Wie stehst du dem Älterwerden gegenüber?

Gleichgültig. Ich denke über Alter nicht nach. Das äußere Erscheinungsbild von uns Menschen verändert sich jeden Tag ein kleines bisschen. Aber das Innere altert nicht mit. Das Innere ist fest und beständig. Ich sehe das an mir selbst: Ich habe immer noch größtenteils dieselben Gedanken und Vorlieben wie zu der Zeit, als ich jung war. Ich frage mich auch nie: Wie alt bist du denn eigentlich? Wenn, dann erinnern mich andere Menschen an mein Alter.

Taugt „Power Up“ vielleicht auch als Wundermittel gegen Wehwehchen?

Voll und ganz. Ich denke, Musik tut immer gut. Ich erinnere mich, als ich jünger war und etwa im Auto saß und dort zum ersten Mal einen Song hörte, den ich mochte. Das war immer ein sehr glücklicher Augenblick. Dieses Gefühl, diese selige Stimmung wollen wir auch mit unserer Musik bei den Menschen auslösen. Die sollen einen AC/DC-Song hören und sich dabei eine kleine Flucht von der Welt erlauben.

Mit AC/DC hast du eine ganze Menge von Menschen davor bewahrt, allzu erwachsen zu werden. Wollt ihr den Teenager in allen von uns konservieren?

Wenn ich mit AC/DC spiele, spüre ich immer noch den kleinen Jungen in mir. Mein Bruder Malcolm hat immer gesagt, man entdeckt als Kind, was einen glücklich macht, und wenn es optimal läuft, kann man dieser Leidenschaft sein ganzes Leben lang treu bleiben. So empfinde ich das mit AC/DC. Ich liebe immer noch dieselbe Musik wie als Teenager, ich finde es nach wie vor herrlich, meine eigene Musik zu spielen, mit der Band da oben zu stehen.

Warst du ein glücklicher Jugendlicher?

Ich habe meine Jugend geliebt. Ich war 13, als mein Vater zu mir sagte „Junge, genieße diese Zeit, denn sie ist die beste deines Lebens“. Ich wusste das damals nicht, aber so im Rückblick hatte er schon recht. Zu der Zeit hattest du keine Verantwortung, keine Sorgen, du wusstest noch nicht, welchen Kummer das Leben auch für dich reserviert hat. Du lebst einfach. Ohne viel zu denken. Wunderbar war das.

Malcolm Young, mit dem du in der Band jahrzehntelang zusammengespielt hast, ist vor drei Jahren gestorben. Wie viel von deinem älteren Bruder steckt in „Power Up“?

Malcolm ist mit vielen seiner Ideen vertreten. Wir haben immer gemeinsam an Gitarrenriffs und Songideen gearbeitet, und viele unserer Entwürfe lagen noch ungenutzt herum. An diese Fragmente habe ich mich erinnert, als ich mit der Arbeit an dem Album begann. Ich dachte, unsere Ideen sind einfach zu gut, um sie nicht zu veröffentlichten. Wir konnten zwar nicht mehr zusammen daran arbeiten, aber ich bin sehr respektvoll und behutsam mit ihnen umgegangen und habe sehr darauf geachtet, dass sie Malcolm gerecht werden.

Trügt das Gefühl, Malcolm sei noch da, wenn man die neuen Lieder hört?

Er wird immer ein Teil von AC/DC sein. Ganz besonders für mich ist er immer noch sehr präsent. Alles, was ich in Sachen AC/DC je gemacht habe, machte ich mit ihm zusammen. Ich weiß genau, was er mag und wie er es mag. Ich habe ihm immer vertraut, genauso, wie er mir vertraut hat. Wir haben uns blind verstanden. Ich bin mir ganz sicher, Malcolm würde unser neues Album mögen.

Um AC/ DC sah es vor einigen Jahren bedrohlich aus. Ihr hattet Schlagzeuger Phil Rudd wegen Drogeneskapaden rausgeworfen, Sänger Brian Johnson konnte nicht mehr hören und musste 2016 durch Axl Rose ersetzt werden, Bassist Cliff Williams verkündete nach der Tournee seinen Rücktritt. Wann habt ihr eigentlich beschlossen, ein weiteres Album zu machen?

Nach Malcolms Tod im November 2017. Ich versuchte, mich mit Arbeit von meiner Trauer abzulenken. Ich musste irgendwas zu tun haben, egal was. So wandte ich mich der Musik und der Ausarbeitung unserer alten Ideen zu. Als ich genug Material gesammelt und gesichtet hatte, ging es darum, die anderen zu kontaktieren. Ich wollte erst mal hören, ob sie sich vorstellen konnten, ein weiteres Album zu machen.

"Wenn ich mit AC/DC spiele, spüre ich immer noch den kleinen Jungen in mir": AC/DC-Leadgitarrist Angus Young
"Wenn ich mit AC/DC spiele, spüre ich immer noch den kleinen Jungen in mir": AC/DC-Leadgitarrist Angus Young © Jan Woitas/dpa

Offensichtlich war das der Fall.

Ja. Allen geht es besser. Cliff ist wieder motiviert, Brians Gehör hat bei der Arbeit im Studio in Vancouver gut gehalten, Phil hat es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen. Die Jungs fanden, es sei eine gute Idee, wieder loszulegen. Und so entschied ich: Packen wir’s an.

War es unkompliziert, die anderen wieder ins Boot zu holen? Brian und Phil hatten gesundheitliche Probleme, Cliff wollte in Rente. Haben die Jungs ihre ganzen Unpässlichkeiten der vergangenen Jahre hinter sich lassen können?

Für Brian kann ich nur bedingt sprechen. Wie es seinem Gehör genau geht, muss er selbst beantworten. Ich denke, für ihn stellte sich schon die Frage, ob er es immer noch draufhat und weitermachen kann. Die Arbeit im Studio hat gut funktioniert. Vielleicht kann er jetzt auch besser einschätzen, wo er steht mit seiner Gesundheit. Cliff machte auf mich von Anfang an einen voll motivierten Eindruck, er war richtig elektrisiert. Und mein Neffe Stevie, der schon seit einigen Jahren Malcolms Part an der Rhythmusgitarre übernommen hat, war sowieso Feuer und Flamme.

Würdest du gerne eine weitere Welttournee auf dich nehmen?

Klar, es würde schon Sinn ergeben, und wahrscheinlich müssten wir schon auch wieder was machen, in verschiedenen Ländern, in aller Welt. Voraussetzung ist, dass unser aller Gesundheit und dieses elende Virus mitspielen.

Wird es noch mehr AC/DC-Alben geben? Oder wäre „Power Up“ nicht ein würdiger Abschluss eurer Band-Reise?

Solange ich kann, will ich auch weitermachen. Das ist aber nur mein ganz persönlicher Wunsch. Malcolm hat uns immer mit der Band auf der Titanic verglichen. Er sagte gern: Die Band muss weiterspielen – und irgendwann mit dem Schiff untergehen.

Das Gespräch führte Steffen Rüth

Das Album: Power Up (Sony Music)

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