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Angestimmt seit über 200 Jahren

Das Weihnachtslied von der stillen, heiligen Nacht kennt weltweit keine Grenzen. Es war auch für den Film ein Thema.

Titelblatt des Filmprogramms zu „Das unsterbliche Lied“ (1934)
Titelblatt des Filmprogramms zu „Das unsterbliche Lied“ (1934) © Archiv/Fiedler

Es gibt Lieder, die begleiten einen ein Leben lang. In diesem Beitrag geht es um eine Weise, die seit nunmehr 202 Jahren auf das Engste mit dem Weihnachtsfest verbunden ist. Am 24. Dezember 1818 erklang das Lied von der stillen, heiligen Nacht zum allerersten Mal. Eine Premiere ohne Orgelbegleitung. Die Vortragenden: Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787 – 1863), ein Mann, der sich auf einprägsame Melodien verstand, sowie Hilfspfarrer und Texter Joseph Mohr (1792 – 1848). Die beiden Freunde präsentierten sich in der Christmesse der Kirche zu Oberndorf bei Salzburg als Gesangsduo und begleiteten sich mit der Gitarre. Die Resonanz war überwältigend.

Es ging den beiden, die in bescheidenen Verhältnissen lebten, nicht um materielle Dinge. Sie wollten vielmehr das weihnachtliche Brauchtum im deutschen Sprachraum um einen würdigen Beitrag bereichern. Das dürfte den Herren Gruber und Mohr ohne Abstriche gelungen sein. Bis in unsere Tage wurde der deutsche Liedtext weltweit in 320 Sprachen und Dialekten übersetzt und gesungen.

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Es sind vor allem fahrende Händlerfamilien aus Tirol, die das Lied bei ihren Reisen in den vorweihnachtlichen Wochen nach halb Europa stets im Gepäck mit sich führen. Oft gastierten sie in Leipzig, wo sie von Presse und Publikum enthusiastisch gefeiert wurden. Der Auftritt der Tiroler war immer Gesprächsstoff für die ganze Stadt. Den Erstdruck des Liedes in Flugblattformat besorgte 1833 die Dresdner Druckerei Frese. Auch hohe Herren wie Papst Franziskus, der österreichische Kaiser Franz Joseph und der russische Zar Alexander zollten den Laiensängern aus dem Zillertal und der stillen Nacht Beifall. Zum Heiligabend 1941 sangen USA-Präsident Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill mit einer stattlichen Menschenmenge im Garten des Weißen Hauses das Lied von der stillen Nacht.

Mal Herz-Schmerz, mal Realität

Es konnte wohl nicht ausbleiben, dass sich wahre und erfundene Geschichten um das in Oberndorf aus der Taufe gehobene Lied rankten. Nicht zuletzt war das Geschehen auch für den Film ein Thema. Die Münchner Bavaria bereitete im Zusammenwirken mit Schweizer Produzenten im Frühjahr 1934 die Verfilmung vor. Regisseur Hans Mar, seinerzeit ein bewährter Mime, inszeniert das Ganze als dörfliche Liebesgeschichte. Die weitgefächerte Handlung verläuft eher in herkömmlichen Bahnen. Etwas Herz/Schmerz, etwas Dramatik, eine heimliche Trauung und als Hintergrund die gigantische Bergwelt. Die Hauptrolle wird dem schon prominenten Paul Richter anvertraut, der später bei keiner Ganghofer Verfilmung fehlen durfte. Am 1. Dezember 1934 hat die Produktion mit dem Titel „Das unsterbliche Lied“ im Berliner Mozartsaal seine Uraufführung.

Der 1997 aufgeführte Spielfilm „Das ewige Lied“ (Deutschland/Österreich) versteht sich als ein moderner Heimatfilm, der auch soziale Konflikte ins Bild bringt. Als Hauptdarsteller fungiert Tobias Moretti als Mohr und Heio von Stetten als Gruber – beiden gelingt eine glaubwürdige Darstellung der Liedschöpfer. 2012 steuert Hollywood einen Film bei, gewissermaßen ein Familienfilm zum Fest von damals. Im Ursprungsland selbst werden das Lied und seine Entstehung auch für touristische Zwecke genutzt. Es gibt neuerdings sogar ein „Stille Nacht“-Museum.

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