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Banda Comunale feiert Jubiläum

Die Dresdner Banda Comunale ist seit 20 Jahren ein deutschlandweit bekanntes Symbol gegen Rassismus: jetzt mit neuer CD und großem Konzert.

Banda Comunale bei einem Auftritt.
Banda Comunale bei einem Auftritt. © Sven Ellger

Von Hanna Küppers

Klein ist die Welt! Eine unerwartete und ungeplante Begegnung mit einem Freund am anderen Ende der Welt. „Klein ist die Welt“ heißt auch das neue Album der Banda Comunale, das sie an diesem Samstagabend im Alaunpark präsentiert. Es ist in der Zeit der Pandemie entstanden, mit 40 Gästen von vier verschiedenen Kontinenten. Die Band war in den letzten Jahren viel unterwegs, hat in Burkina Faso den Bau einer Schule unterstützt oder in Berlin zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am Brandenburger Tor gespielt. An vielen Orten haben sie Kontakte geknüpft, die sie jetzt in der Zeit der Pandemie aufleben lassen konnten, um den „Zustand des Eingeschlossenseins“ gut zu nutzen, wie Michal Tomaszewski sagt, Mitgründer und Sprecher der Band.

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Viele Musiker waren schnell von der Idee eines internationalen Albums begeistert. Die Banda hat weltweit Schriftsteller, Komiker, Philosophinnen Opernsängerinnen mobilisiert. Das Ergebnis nennt sie „ein Bekenntnis zu einer toleranten, Grenzen überwindenden Gesellschaft“. In der Dresdner Neustadt hängt jetzt an vielen Stellen das Plakat mit dem bunten Albumcover; es lädt zum Konzert in den Alaunpark am Samstagabend ein, draußen und umsonst.

Sorgen für Stimmung: Musiker der Band.
Sorgen für Stimmung: Musiker der Band. © SZ-Archiv/Claudia Hübschmann

„Das Konzert ist ein Dankeschön an die Neustadt“, sagt Tomaszewski. Ein „Veddel“, das sich ganz im Sinne der Banda entwickelt habe: bunt und divers. Deshalb kann die Neustadt seiner Meinung nach ein Schutzraum sein für Menschen, die sich in manchen anderen Teilen der Stadt nicht gut aufgehoben fühlen. Ein Wunsch der Banda war es auch, vor allem junge Menschen kostenlos zu dem Konzert einladen zu können. Das ist gelungen durch eine Förderung vom Amt für Kultur und Denkmalschutz und dem Stadtbezirksamt Dresden Neustadt.

Dass die in Dresden gegründete Banda Comunale selbst bunt und divers ist und sich klar gegen Rechtsradikalismus und für Willkommenskultur positioniert, macht sie immer wieder deutlich. Aber am Samstagabend vor der Bundestagswahl wollen sich die Musiker nicht politisch einmischen und für Parteien werben oder andere verbal angreifen. Das sei sogar mit den Veranstaltern so vereinbart.

Aber ein Statement setzen die Musiker allein mit ihrer internationalen Besetzung und den vielfältigen Kulturen und Gästen, die das neue Album beeinflusst haben. Büchner-Preisträger Marcel Beyer eröffnet das Album mit einem Gedicht, die Philosophin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke interpretiert für einen Song Artikel 2 des deutschen Grundgesetzes, der deutsch-nigerianische Bandleader und Aktivist Adé Bantu singt über das Leid afrikanischer Migranten auf ihrer Flucht nach Europa.

Höhepunkt des Albums ist ein sieben Minuten langer arabischer Klassiker, gesungen von Dima Orsho, die am Konservatorium in Damaskus Sopranistin wurde, vor dem Bürgerkrieg in Syrien flüchtete und heute in Chicago lebt. Ein bunter Stilmix erwartet die Hörerinnen und Hörer: orientalisch, jiddisch, brasilianisch. „Keiner Kultur bricht ein Zacken aus der Krone, wenn sie sich mit einer anderen vermischt“, erklärt Michal Tomaszewski die bewusste Durchmischung der Musikstile. Es ist für ihn der Kontrapunkt zu dem „Gefasel über Leitkulturen“, das ihm auf die Nerven geht.

Jubiläumsalbum "Klein ist die Welt"

Das fünfte Album der Band heißt „Klein ist die Welt“ und ist auch ein Jubiläumsalbum, denn vor genau 20 Jahren hat der Klarinettist mit anderen Blasmusikern die Band gegründet. Damals vor allem, um bei Nazi-Aufmärschen für gute Musik und gute Laune zu sorgen. Die Ziele der Band seien immer noch die gleichen, die Ängste der Menschen auch, sagt Tomaszewski. Es gebe inzwischen leider Entwicklungen wie Pegida und die AfD, aber eben auch das: „Gruppen, die sich zusammenschließen und gegen diesen Rechtsruck sind. Es gibt einen Konsens, dass das nicht okay ist“, findet er. Viele der Bandmitglieder sehen sich jetzt in einer noch wichtigeren Verantwortung als vor 20 Jahren, auch weil sie Eltern geworden sind und für die nächste Generation sorgen möchten. „Wir haben keine Lust, dass diese Dumpfbacken die Zukunft unserer Kinder beeinflussen“, sagt der Musiker. Ihre Vision: dass es die Band in 100 Jahren immer noch gibt und sie Rechtsradikalen ein unbequemes Gefühl bereitet.

Nach zwei Jahrzehnten heißt die Band nun auch wieder „Banda Comunale“, wie schon ganz am Anfang. Denn die zwischenzeitliche Umbenennung zu „Banda Internationale“ sollte vor allem ein demonstratives Zeichen sein, dass sich die Band für andere kulturelle Einflüsse öffnet.

Im September 2015, nach tagelangen fremdenfeindlichen Protesten vor einer Asylunterkunft in Freital, erweiterten sie ihre Besetzung um einige geflüchtete Musiker. Inzwischen sind die in Deutschland eingebürgert, haben hier studiert und dürfen hier leben. „Das Projekt ist Realität geworden“, sagt Tomaszewski, „Mission accomplished“.

  • Konzerttipp: 25. 9., 18 Uhr, Alaunpark DD, ohne Eintritt
  • CD-Tipp: „Klein ist die Welt“ (Trikont)

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