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Bond kämpft gegen Schurken und innere Dämonen

Der 25. Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ soll nicht nur spektakulär einschlagen, sondern gleich die Kinobranche retten.

Sieht wieder etwas geschunden aus: Mr. Bond (Daniel Craig).
Sieht wieder etwas geschunden aus: Mr. Bond (Daniel Craig). © Universal Pictures

Von Martin Schwickert

Schon allein der Titel des neuen James Bond „Keine Zeit zu sterben“ entwickelte als Durchhalteparole in pandemischen Zeiten nahezu prophetische Qualitäten. Der Film gehörte zu den ersten Blockbustern, die schon Anfang letzten Jahres, als das Coronavirus noch vorwiegend in China wütete, ihren globalen Kinostart aussetzten. Viermal wurde der Termin seitdem immer weiter verschoben. Achtzehn Monate mussten die Fans auf das neue Abenteuer des bekanntesten Spions der Welt warten. Während andere Produktionen ihr Heil in den Streaming-Diensten suchten, hielten die Bond-Produzenten mit eiserner Geduld an einer weltweiten Präsentation auf der großen Leinwand fest.

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Geheimagent wird freier Mitarbeiter

So ist „Keine Zeit zu sterben“ auch ein Bekenntnis zum Kino, das als kollektiver Kulturerlebnisraum durch die Pandemie in seinen Grundfesten erschüttert wurde – und der wichtigste Hoffnungsträger einer stark gebeutelten Branche. Dieser Bond soll nicht nur wie jeder Bond die Welt retten, sondern auch die Lichtspielhäuser, die nach den Lockdowns keine großen Zuschauerströme verbuchen konnten. Aber sind die Schultern des Geheimagenten Ihrer Majestät wirklich breit genug, um diese Erwartungslast zu tragen? Darüber wird letztlich an der Kinokasse entschieden.

Zielt genau und ein letztes Mal.
Zielt genau und ein letztes Mal. © Danjaq, LLC/MGM/PA Wire

Aber die Chancen stehen gut. Denn das, was in „Keine Zeit zu sterben“ auf der Leinwand zu sehen ist, gibt dem Kino jenen Ereignischarakter zurück, nach dem wir uns im monatelangen Home-Entertainment-Modus gesehnt haben: spektakuläre Locations, atemberaubende Actionszenen, visueller Stilwillen, und ein sorgfältig gedrechselter Plot, in dem der Held gegen schaurige Schurken und eigene Dämonen ins Feld zieht – und dabei um eine große Liebe kämpft. Und so fängt dieser Bond auch nicht mit einem wahllosen Einsatz des Geheimagenten an, sondern mit einer Kindheitserinnerung seiner Geliebten Madeleine (Léa Seydoux), die in jungen Jahren mit ansehen muss, wie ihre Mutter von einem maskierten Eindringling ermordet wird. Mit Madeleine genießt James den geheimdienstlichen Vorruhestand, in den er sich am Ende von „Spectre“ begeben hat. Aber nicht nur von der beruflichen Vergangenheit will sich der Spion lösen, der immer noch über die Schulter schaut.

Daniel Craig als James Bond und Ana de Armas als Paloma im neuen Film.
Daniel Craig als James Bond und Ana de Armas als Paloma im neuen Film. © Universal Pictures

Auch die traumatische Erfahrung von Liebe und Verrat mit Vesper Lynd aus „Casino Royale“ (2006) will er hinter sich lassen. „Vergib mir“ schreibt er auf einen Zettel an ihrem Grab, als eine massive Explosion ihn zu Boden wirft. Der Chef der Terrororganisation Spectre, Blofeld (Christoph Waltz), den Bond im letzten Film hinter Gitter gebracht hat, scheint dem Berufsaussteiger nicht verziehen zu haben. Es folgt eine kraftvoll choreografierte Verfolgungsjagd durch die Gassen des italienischen Bergstädtchens Matera, in der Bond nicht nur vor den Finsterlingen flüchten muss, sondern auch die Liebe zu Madeleine aufkündigt, die ihn an Spectre verraten haben soll.

Fünf Jahre später lebt er allein und zurückgezogen auf Jamaika, wo ihn sein früherer CIA-Kollege Felix Leiter (Jeffrey Wright) für einen letzten Job anwirbt. Ein Wissenschaftler hat die Daten eines geheimen MI6-Projektes gestohlen und an Spectre verkauft. Die tödlichen Nanorobots, auf eine spezifische DNA codiert, ermöglichen gezielte Attentate genauso wie groß angelegte Völkermorde. Als freier Mitarbeiter kehrt Bond zurück nach London, auch wenn man seine Dienstnummer 007 schon längst an die ambitionierte Kollegin Nomi (Lashana Lynch) vergeben hat. „Ist nur eine Nummer“, sagt James achselzuckend und fängt an, die Welt zu retten.

Mit der Amtsübernahme Daniel Craigs in „Casino Royale“ wurden vor fünfzehn Jahren nicht nur veraltete Männer- und Frauenstereotype überarbeitet, sondern auch über mehrere Folgen hinweg das Seelenleben des Meisterspions weiterentwickelt. Craigs Bond war nun mehr als ein harter Kerl mit verdammt coolen Sprüchen und durfte als melancholischste unter den Bond-Inkarnationen auch echte Gefühle zeigen. Gerade auf dieser Ebene hält „Keine Zeit zu sterben“ noch einige überraschende Wendungen bereit, die durchaus kunstvoll in den klassischen Weltretter-Plot hineingeflochten werden. Craig meistert es hier besser denn je, die Risse in der harten Schale und das pochende Herz, das sich dahinter verbirgt, sichtbar zu machen.

Dieser 25. Bond-Film ist der letzte mit Daniel Craig und auf verschiedenen Ebenen auch ein riesengroßes Abschiedsgeschenk an seine Figur. Sogar waschechtes Pathos wird in der Schlusssequenz für den scheidenden Spion freigesetzt. Mit 163 Minuten ist dies auch der längste Bond-Film, in dem US-Regisseur Cary Joji Fukunaga sich für die elegant orchestrierten Stunt-Sequenzen genauso viel Zeit lässt wie für die emotionalen Ver- und Entwicklungen.

007 ist nun eine Frau

Fukunaga, der nach künstlerischen Differenzen das Regiezepter von Danny Boyle übernommen hat, gelingt es, Neues in Vertrautes nahtlos einzubinden. Eingefleischte Bond-Fans werden in diesem Film erneut ihren Spaß an dem breiten Geflecht aus Insider-Witzen und Querverweisen haben. Freude bereiten hier auch wieder die punktgenau besetzten Neuzugänge: Rami Malek („Bohemian Rhapsody“) verbreitet als Überbösewicht Lyutsifer Safin eine überzeugend ungemütliche Aura. Lashana Lynch erstrahlt als 007-Nachfolgerin in stilsicherer Coolness, und Ana de Armas („Knifes Out“) stiehlt in einem effizienten Kurzauftritt mal dem Titelhelden die Show.

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  • Der Film startet in Dresden: PK Ost, Schauburg, Ufa, Rundkino, Cinemaxx, UCI sowie in Bautzen, Döbeln, Görlitz, Hoyerswerda und Zittau.

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