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Bonnie Tyler: im Lockdown unter Palmen

Die Sängerin wird bald 70 und bringt jetzt ein neues Album heraus. Im Interview spricht sie über ihren Umgang mit dem Alter und ihren umtriebigen Gatten.

Kaum zu glauben: Pop-Sängerin Bonnie Tyler wird bald 70.
Kaum zu glauben: Pop-Sängerin Bonnie Tyler wird bald 70. © Tina Korhonen/Ear Music

Selbst nach 50 Jahren im Showgeschäft denkt Gaynor Hopkins alias Bonnie Tyler nicht ans Aufhören: Im Corona-Exil bereitet sich die Waliserin auf das nächste Kapitel ihrer Karriere vor. Ein Telefongespräch über das Seuchenjahr 2020, ihre neue CD „The Best Is Yet To Come“, ihren Umgang mit dem Alter, ihren umtriebigen Gatten und ihren runden Geburtstag.

Frau Tyler, wo erreichen wir Sie?

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In Portugal, in unserem Haus am Strand. Es ist ein wunderbarer Tag mit viel Sonne. Da ist nicht eine Wolke am Himmel, das Meer ist blau. Ich kann mich also nicht beklagen.

Haben Sie den gesamten Lockdown in Portugal verbracht?

Ich hatte einfach Glück. Die letzte Show, die ich 2020 gespielt habe, war in der O2-Arena in London. Danach bin ich nach Portugal geflogen, um auszuruhen. Das war am 15. März – seitdem bin ich hier. Klar gibt es auch in Portugal Corona, aber es ist nicht so schlimm wie in Großbritannien, wo so viele Menschen infiziert sind. Übrigens habe ich den Lockdown genutzt, um endlich schwimmen zu lernen.

Wie bitte?

Das ist etwas, das mich Zeit Lebens belastet hat: Es war mir oft unangenehm, da passen zu müssen, wenn sich Freunde im Wasser vergnügt haben. Das wollte ich immer ändern, aber es hat bis letztes Jahr gedauert. Jetzt kann ich nicht oft genug schwimmen gehen, bin eine Wasserrate geworden.

Seit wann haben Sie ein Feriendomizil an der Algarve?

Seit den späten 80ern. Mein Mann und ich haben eine Villa in der Nähe von Albufeira, wo wir gewöhnlich den Herbst und Winter verbringen – den Rest des Jahres sind wir in unserem Haus an der walisischen Küste. Wir sind also immer da, wo das Wetter angenehm ist.

Bonnie Tyler will bereits im Juni in Sachsen auftreten.
Bonnie Tyler will bereits im Juni in Sachsen auftreten. © CTK

Wobei das nicht Ihre einzigen Immobilien sind. Sie leiten ein Imperium aus Hotels, Häusern, Farmen und sogar einem Steinbruch – stimmt das?

Wir haben tatsächlich einen Steinbruch. Aber das sind die Geschäfte meines Mannes. Als Bauunternehmer hat er über die Jahre viele Projekte realisiert – wie Hotels, Stallungen für Rennpferde und eine riesige Farm in Neuseeland. Außerdem haben wir eine Yacht und einen Steinbruch. Da schickt er mich immer hin, wenn wir uns streiten – oder ich schick ihn hin.

Ihr neues Album trägt den programmatischen Titel „The Best Is Yet To Come“ und erinnert an Ihre Arbeit mit Bombast-Produzent Jim Steinman. Eine bewusste Rückkehr zum Sound der 80er?

Ja, und ich denke, Jim würde dieses Album lieben, weil ihm die Produktion, also dieser majestätische Rocksound, sehr nahekommt. In erster Linie ist „The Best Is Yet To Come“ aber ein positives, lebensbejahendes Album. Und ich denke, das kann momentan jeder gebrauchen.

Dabei drehen sich die meisten der neuen Songs um Liebe und Herzschmerz. Ihre favorisierte Spielwiese?

Liebe ist immer ein gutes Thema, weil sie die Welt am Laufen hält. Außerdem habe ich zwei Klassiker am Start, die ich gecovert habe. Zum einen „Catch The Wind“ von Donovan und „I’m Not In Love“, diesen wunderbaren Song von 10CC. Ich singe sie nicht karaokemäßig – ich mache daraus etwas Eigenständiges. Ansonsten handelt es sich ausschließlich um neue Stücke, die viel Tempo haben und Spaß machen.

Hand aufs Herz: Ist 70 das neue 40?

Es hat etwas davon! Ich fühle mich definitiv nicht wie 70 – zumal ich das auch erst im Juni werde. Und ich empfinde es nicht als Belastung. Im Sinne von: Es gibt nichts, was mir Sorgen bereitet. Ich genieße das Leben – so gut das möglich ist.

Wie planen Sie für ihren 70.?

Ich bezweifle, dass es etwas Großes wird. Ich meine, ich arbeite die Tage davor und danach. Von daher wird es eher etwas Ruhiges – also nur mein Mann und ich. Aber ich fürchte, dass der Corona-Spuk bis dahin auch nicht vorbei ist. Nur: Vielleicht bin ich mit 70 endlich impfberechtigt.

Ihr erfolgreichster Song ist sicher „Total Eclipse Of The Heart“. Erachten Sie ihn als Segen oder als Fluch, der Ihre Karriere regelrecht überschattet?

Er ist ein Klassiker der Popgeschichte. Deshalb kommt er bei den ganzen Talentshows zum Einsatz. Und er ist der Grund, warum so viele große Stars mit mir gearbeitet haben – weil ich durch ihn genauso bekannt geworden bin wie sie.

Laut einer Umfrage ist es der Song, den die Menschen am häufigsten unter der Dusche singen. Sie auch?

Ich käme nie auf die Idee, ihn unter der Dusche zu singen. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass es der Song ist, der am häufigsten bei Karaoke-Veranstaltungen zum Einsatz kommt. Was auch nicht schlecht ist.

Was erwartet die Fans auf Ihrer nächsten Tournee, die Sie vielleicht noch im Juni nach Sachsen führen wird?

Es wird genau das, was die Menschen gerade brauchen: Eine Gelegenheit, endlich wieder zu singen, zu tanzen und Spaß zu haben. Ich werde einige neue Songs bringen, aber auch Klassiker wie „Total Eclipse Of Heart“, „Holding Out For A Hero“ und „It’s A Heartache“. Alle Stücke, die die Leute hören wollen. Denn da bin ich wie sie: Wenn ich mir ein Konzert anhöre, bin ich wahnsinnig enttäuscht, wenn der betreffende Künstler die großen Hits auslässt.

Was denken Sie, warum sind Sie gerade in Deutschland so beliebt?

Ich weiß es nicht – aber es ist toll. Insofern werde ich das nicht hinterfragen. Ich genieße es einfach. Und ich liebe es, in Deutschland zu sein, auch wenn ich die Sprache nicht beherrsche. Das Einzige, was ich hinkriege, ist: „Guten Abend, Freunde. Ich freue mich, heute hier zu sein.“ Und natürlich kann ich Getränke und Essen bestellen. Dafür reichts. Leider sage ich zu oft „Scheiße“, was ich von einer alten Freundin übernommen habe. Das werde ich nicht mehr los.

Das Interview führte Marcel Anders.

Die CD: Bonnie Tyler, The Best Is Yet To Come. Ear Music

Die Konzerte in Sachsen: 4.6.2021, Görlitz, Kulturbrauerei; 21.2.2022, Dresden, Kulturpalast; 22.2.2022, Chemnitz, Stadthalle; 10.6.2022 Leipzig, Parkbühne

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