merken
PLUS Feuilleton

Bringt "Fundsachen" in die Schulen

21 Fragen an das Jahr 2021 - heute beantwortet von der sächsischen Lyrikerin Jane-Ann Igel.

Ein Ritual will Jane-Ann Igel auch 2021 nicht ändern: die morgendliche Fahrradrunde am Stadtrand, vor Frühstück und Schreibtisch.
Ein Ritual will Jane-Ann Igel auch 2021 nicht ändern: die morgendliche Fahrradrunde am Stadtrand, vor Frühstück und Schreibtisch. © Foto: Raja Lentzsch

Mit Begriffen wie Hortgruppe, Fahrradschuppen und Stampfkartoffeln beschreibt Jayne-Ann Igel in ihrem jüngsten Lyrikband ihre Herkunft. Die 66-Jährige stammt aus Leipzig und lebt in Dresden. Sie ist Mitherausgeberin der Reihe Neue Lyrik, die in Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates im Leipziger Verlag Poetenladen erscheint. Im Februar 2020 wurde sie zur Vorstandschefin des Sächsischen Literaturrats gewählt, Dachverband der literarischen Vereine, Verbände, Institutionen und Gesellschaften.

1. Mit wem würden Sie gern mal für ein Jahr tauschen?

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Fragen Sie mich lieber nicht, ich weiß es nicht – vielleicht mit einer Frau des 21. Jahrhunderts? Ich bin noch zu sehr 20., schau nur ein wenig übern Rand …

2. Welches Kulturereignis in Sachsen ist jetzt schon rot in Ihrem Kalender markiert?

Ich bin gespannt auf das „Geometrische Ballett“ der Künstlerinnen Ursula Sax und Katja Erfurth, das Anfang April 2021 im Festspielhaus Hellerau neu inszeniert wird.

3. Welches Wort wollen Sie 2021 nicht mehr hören und lesen?

„Herdenimmunität“ – das ist ein Begriff, der mich im angezeigten Zusammenhang befremdet. Forschung und Medizin, die sich um Menschen drehen, sollten das auch sprachlich sichtbar machen.

4. Welche Schlagzeile würden Sie gern über Sachsen lesen?

„Sachsens Verkehrsverbünde einig: Bus und Bahn für Kinder und Jugendliche in Schule, Ausbildung, Studium künftig kostenfrei“. Das wäre auch ein kleiner Beitrag zur Verkehrswende, Stichworte Sicherheit auf Schulwegen und „Elterntaxis“.

5. Was wünschen Sie sich von der Sächsischen Zeitung?

Für eine Zeitung, die im ganzen Land und vielleicht darüber hinaus gelesen wird, fände ich ein stärker ausgebautes Feuilleton wunderbar, in dem neben überregional bedeutsamen Ereignissen auch das kulturelle Leben vor Ort mehr Widerhall findet.

6. Welches Schulfach sollte es bald geben?

Ein Fach, das interdisziplinäres Denken und Arbeiten geradezu herausfordert. Nennen wir es „Fundsache“ (kann sich auch um etwas Immaterielles handeln).

7. Wofür wollen Sie sich 2021 engagieren?

Als Vorstandsfrau im Sächsischen Literaturrat, einem der Landeskulturverbände im Freistaat, möchte ich mich dafür einsetzen, dass Arbeits- und Lebensbedingungen für die Freischaffenden aller Kunstsparten sich verbessern, die vielen kulturellen Institutionen und Initiativen sowie Kulturmittlerinnen und -mittler auch unter erschwerten Bedingungen weiterarbeiten und sich entwickeln können, die kulturelle Vielfalt erhalten bleibt.

8. Auf welche Begegnung sind Sie besonders neugierig?

Auf Annett Gröschner, Berliner Schriftstellerin. Namentlich kennen wir uns schon länger.

9. Wovon wollen Sie sich ganz dringend trennen?

Vom Prokrastinieren!

10. Welches Ritual werden Sie auch 2021 nicht ändern?

Die morgendliche Radrunde am Stadtrand, vor Frühstück und Schreibtisch.

11. Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsschnappschuss des Jahres?

Es ist ein Foto, das ich im November aufgenommen habe – den Ort verrate ich nicht, die eine oder der andere wird es sicher herausfinden.

Das ist Jane-Ann Igels Lieblingsschnappschuss. Wo er aufgenommen wurde, wollte sie uns leider nicht verraten. Wir tippen mal auf die Lausitz ...
Das ist Jane-Ann Igels Lieblingsschnappschuss. Wo er aufgenommen wurde, wollte sie uns leider nicht verraten. Wir tippen mal auf die Lausitz ... © Foto: privat

12. Welche zwei Streithähne würden Sie gern zusammen an einen Tisch setzen?

Etwa Markus Söder (CSU) und Jan Korte (Die Linke), beide in innenpolitischen Fragen sehr involviert, auch wenn es um Zivilgesellschaft geht.

13. Welche Sportart möchten Sie gern mal selbst ausprobieren?

Snooker, das ist ein feines strategisches, aber auch meditatives Spiel.

14. Was wollten Sie Christian Drosten schon immer mal sagen?

Er versucht, über Gefahren und Möglichkeiten in der derzeitigen Situation aufzuklären, seine Arbeit zu leisten. Da bleibt höchstens der Wunsch an Christian Drosten, diesen Prozess jederzeit reflektiert und selbstkritisch zu begleiten.

15. Welchen Slogan wünschen Sie sich für den Bundestagswahlkampf?

Unser Land: Sozial gerecht, ökologisch und solidarisch handelnd!

16. Welches Ministerium würden Sie neu einführen?

Ein Ministerium für offene Fragen, das ressortübergreifend arbeitet, über die Grenzen der Fachministerin hinwegsieht und andere Blickwinkel zu eröffnen vermag. Wir haben so viele Themen, die zu bearbeiten sind, Stichwort „klimaneutral“ und die Erhaltung unseres Planeten als Lebensort. Da sind Mensch und Gesellschaft gehalten, Antworten zu finden, wie Leben, Arbeit und Wirtschaft künftig vonstattengehen sollen, sozial gerecht, und ob die kapitalistisch verfasste „Geschäftsordnung“ da noch die richtige ist, um diese Aufgaben zu lösen.

17. Welches Buch wollen Sie in diesem Jahr endlich lesen?

„Ulysses“ von James Joyce, das liegt schon sehr lange neben dem Nachttisch.

18. Welches Gericht werden Sie kochen lernen?

Lasagne mit Spinat.

19. Wofür wollen Sie 2021 Geld spenden?

Wieder für eine NGO, die sich für Menschen in Notsituationen engagiert.

20. In welches Land wollen Sie reisen?

Frankreich, in die Provence, nach knapp zwanzig Jahren wieder einmal.

21. Wen würden Sie spontan umarmen wollen?

Da fallen mir so viele ein, aus Nachbarschaft, Familie, Freundeskreis, Kolleginnen und Kollegen … Ich hoffe, das geht dann irgendwann wieder.

Buchtipp: Jane-Ann-Igel, „alles lichter winter“, Gutleut Verlag, 84 Seiten, 22 Euro​

Mehr zum Thema Feuilleton