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Staatsoperetten-Chefin offenbart neue Seiten

Dresdens Haus der heiteren Muse spielt wieder – ein Broadway-Stück und mit Abstand.

Kathrin Kondaurow im Foyer der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte.
Kathrin Kondaurow im Foyer der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Endlich! „Die Freude ist riesengroß! Endlich können wir wieder live fürs Publikum spielen“, sagt Kathrin Kondaurow, Intendantin der Staatsoperette Dresden. Wohl hat auch ihr Haus digitale Angebote gemacht und macht sie weiterhin. Und doch sagt sie: „Wir alle spüren doch eine gewisse Müdigkeit vom Digitalen.“ Ab 5. Juni bis Ende Juli kommen nun Broadway-Konzerte, ein Musical und eine Operettenrevue neu heraus, und es wird Wiederaufnahmen von Erfolgsstücken wie „Zauberflöte“ geben. „Wir sind startklar und neugierig, wie das Publikum reagiert, ob es kommt oder noch zurückhaltend ist.“

Die Chance der kleinen Stücke

Kondaurow ist seit Mitte 2019 die Chefin von Dresdens Haus der heiteren Muse. Ein knappes halbes Jahr Normalität war ihr gegönnt – dann begann die Corona-Zeit: Das bedeutete Schließzeiten, Hygieneauflagen und stetige Umplanungen. Um überhaupt spielen zu können, mussten und müssen Stücke etwa den Abstandsregeln angepasst werden. Welche Besetzungen auf der Bühne und welche im Graben sind möglich? Fertiggeprobte Inszenierungen wie das Musical „Cinderella“ werden in die nächsten Spielzeiten geschoben.

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Dafür kommen jetzt Produktionen heraus, die gar nicht geplant waren, die aber die aktuellen Vorschriften erfüllen. Schwer genug für das Ensemble, das mit einem „regelrechten Energiestau“ zu kämpfen hat. Ob Sänger, Musiker oder Tänzer – alle wollen wieder vor Publikum auftreten. „Künstler brauchen diese Spannung im Zuschauerraum, ohne diese Rückkopplung der Zuschauer sind sie nur halb so gut.“

Auch eine Lösung, mit Abstand coronagerecht zu inszenieren: Szene aus der Dresdner Neuproduktion „Fantasticks“.
Auch eine Lösung, mit Abstand coronagerecht zu inszenieren: Szene aus der Dresdner Neuproduktion „Fantasticks“. © Pawel Sosnowski/Staatsoperette

Mit besonderer Aufmerksamkeit wird der Abend am 10. Juni erwartet. Denn da hat das Off-Broadway-Musical „Die Fantasticks“ Premiere. Das kennt kaum jemand hier, weil es mit sieben Darstellern und fünf Musikern sehr klein besetzt ist. „Doch genau das war jetzt die Chance, es auf die Bühne zu bringen. Alle Abstandsregeln können eingehalten werden.“ Und wenn nicht, hilft ein großartiges flexibles Bühnenbild mit wandelbaren Spielkästen, Plexiglasscheiben und Videoeffekten. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt die Intendantin und setzte sich selbst keine.

Erstmals stellt sich die 38-Jährige in Dresden als Regisseurin vor. „Ich wollte nach der vielen pandemiebedingten zusätzlichen Verwaltungsarbeit wieder selbst künstlerisch tätig werden.“ Das Stück habe sie gereizt, weil es alles hat, was Theater ausmache. Es geht um Liebe und Hass, um Illusion und Desillusion, der Stoff sei poetisch, sei bewegend. „Es ist eine spielerische Liebeserklärung an den Zauber des Theaters!“ Die Sächsische Zeitung wird von der Premiere berichten.42 Jahre lief die Originalproduktion nach der Uraufführung 1960 – unglaubliche 17.162 Aufführungen gab es. Der Stoff zieht. Und das Musical bietet Hits wie „Soon It’s Gonna Rain“ und „Try to Remember“, die durch Interpreten wie Barbra Streisand zu Ohrwürmern wurden. Auch auf Deutsch können sie mitreißen. Hörproben der Inszenierung gibt es auf der Seite der Staatsoperette. Manches klingt sogar noch besser als im Original, weil der musicalerfahrene Dirigent der Produktion Peter Christian Feigel die Musiker-Besetzung erweitert hat. Das kommt den Balladen, den jazzigen und Flamenco-Nummern zugute.

Die Sommerpause wird kurz

Der Vorteil der Produktion ist, dass alle Bereiche des Hauses, die sonst bis zu zwei Jahre im Voraus mit den Inszenierungen und Ausstattungen der Gastregisseure und Gastausstatter beschäftigt gewesen wären, jetzt die Zeit für die „Fantasticks“ hatten. „Engmaschig, sehr intensiv und effizient“ sei die Zusammenarbeit gewesen. „Hauspolitisch genau die richtige Entscheidung in dieser Zeit“, so die Intendantin, die ihr „fantastisches Haus wieder neu kennengelernt hat“. Sie habe auf andere Weise Kontakt mit allen Bereichen gehabt.

Und, hat sie jetzt Lust bekommen auf mehr Regiearbeiten? „Ja, aber jetzt steht erst einmal wieder die Intendantin im Fokus.“ Verschiebe-Bahnhof ist das Motto: „Cinderella“ kommt im Herbst, anderes ist erst in der Saison 2022/23 möglich. Sechs Premieren plant die Chefin für die nächste Spielzeit, mehr als sonst. Neuproduktionen werden so angelegt, dass sie auch alle Corona-Auflagen erfüllen, ohne dabei künstlerische Abstriche zuzulassen. „Derzeit planen wir bis Frühjahr 2022 mit den entsprechenden Abständen der Künstler.“ Vielleicht ist Letzteres gar nicht mehr nötig. „Ich kann niemanden zur Impfung zwingen, aber die Sänger und Tänzer sind dafür bereit. Sie wissen, das wird zukünftig Auftritte erleichtern.“ Interessant: Obwohl der künstlerische Betrieb weiterlief, um quasi im Training zu bleiben, gab es die ganze Zeit keinen einzigen Corona-Fall bei den Künstlern. „Alle sind gesund geblieben – ein Riesengeschenk.“

Nun also geht es wieder los. Bis Ende Juli wird gespielt und ab September wieder. Warum nicht den ganzen Sommer? „Mitarbeiter haben Kinder und den Urlaub verdient. Aber es wird kleinere Konzerte geben und unsere durchaus aufwendig produzierten Streams.“ Positiv an der Corona-Situation sei: „Wir sind noch breiter aufgestellt, weil wir nicht nur die großen Inszenierungen können, sondern Sonder- und Zusatzformate erfunden haben wie unsere kleinen, digitalen oder Live-Konzerte.“

„Come fly with Me – Frank-Sinatra-Hommage“ ab 5. Juni, „Die Fantasticks“ ab 10. Juni, Revue „So verliebt in die Liebe“ ab 18. Juni; Kartentel. 0351 32042222 Besucherservice: dienstags bis freitags, 12 bis 18 Uhr.

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