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Das plant das Staatsschauspiel ab Herbst

Vieles wird nachgeholt, einiges ist neu – und Frank Castorf inszeniert bald in Dresden.

UA Die rechtschaffenen Mörder, Staatsschauspiel Dresden. Premiere am 22.10.2021
Foto: Sebastian Hoppe
UA Die rechtschaffenen Mörder, Staatsschauspiel Dresden. Premiere am 22.10.2021 Foto: Sebastian Hoppe © Sebastian Hoppe

Falls Sie heute Abend ins Theater gehen sollten: Wissen Sie, ob Sie am Platz eine Maske tragen müssen? Unbedingt, nicht sicher, auf keinen Fall? Sollten Sie jetzt keine Antwort wissen, geht es Ihnen wie den meisten. Niemandem sind die aktuellen Regeln so wirklich klar. Kein Wunder, sie unterscheiden sich von Landkreis zu Landkreis, manchmal von Bühne zu Bühne in der gleichen Stadt. Und man kann auch nicht voraussagen, ob es besser wird oder – vierte Welle halt – vielleicht sogar wieder schlimmer. Der Zustand des Nicht-Wissens ist zur Normalität geworden in unserem Leben. In der Kultur sowieso. Man konzentriert sich darauf, flexibel auf alles zu reagieren.

Nicht mal bei Liebesszenen nahekommen

Der Unsicherheit zum Trotz verkündete das Staatsschauspiel Dresden darum nun einen prall gefüllten Plan für die kommende Spielzeit ab Herbst. Dieser klingt, als gäbe es keine Pandemie: Es gibt so gut wie keine Vorstellungen unter freiem Himmel oder gar im digitalen Raum. Dafür ein sattes Programm aus Klassikern, Uraufführungen und experimentellen Formaten in Schauspielhaus und Kleinem Haus. Sogar das Kleine Haus 3, das wegen seiner Enge seit vielen Monaten nicht bespielt wird, ist mit dabei.

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Staatsschauspiel-Intendant Joachim Klement plant die Spielzeit, als wäre keine Pandemie.
Staatsschauspiel-Intendant Joachim Klement plant die Spielzeit, als wäre keine Pandemie. © Ronald Bonß

Theaterchef Joachim Klement und sein Team haben in diesen anderthalb Jahren offenbar gelernt, dass sie sich sowieso auf nichts verlassen können. Derzeit werden alle Inszenierungen unter strengeren Vorkehrungen geprobt als sie in jedem Großraumbüro gelten: Es dürfen nie mehr als 20 Personen auf der Bühne sein, alle müssen Maske tragen, selbst in einer Liebesszene dürfen sich die Schauspieler auf der Bühne nicht nahe kommen, Requisiten dürfen theoretisch nicht von zwei Personen nacheinander berührt werden – und so weiter. Bei den allermeisten Inszenierungen fallen diese schwierigen Produktionsbedingungen nicht auf. Es bleibt zu hoffen, dass das auch für den Moment gilt, wenn sich am 17. September im Kleinen Haus Leonce und Lena verlieben. Das Drama nach Georg Büchner ist die erste Premiere von insgesamt 27. Inszeniert wird es von Joanna Praml, einer der vielen jungen Frauen, die diese Spielzeit prägen.

Regisseurin Mina Salehpour zeigt "Alice".
Regisseurin Mina Salehpour zeigt "Alice". © Matthias Rietschel

Den Auftakt im Schauspielhaus macht Lily Sykes Interpretation von Shakespeares „König Lear“, in dem sie die Perspektive der Töchter betont. Die renommierte Regisseurin Claudia Bauer hatte eigentlich schon fertig geprobt, aber dann kam der zweite Lockdown. Darum wird „Die rechtschaffenen Mörder“ nach dem in Dresden spielenden Roman von Ingo Schulze erst in diesem Oktober zur Premiere kommen. Weitere junge Theatermacherinnen bespielen die große Bühne: Eine der vielversprechendsten jungen Regie-Hoffnungen, Laura Linnenbaum, inszeniert „Ein Volksfeind“. Die in Dresden schon gut bekannte Mina Salehpour nimmt sich „Alice“ vor, Christina Rast bearbeitet als Weihnachtsstück „Der Zauberer von Oz“ und Hausregisseurin Daniela Löffner wird in „Lulu“ der Frage nachgehen, wie es sich aufhalten lässt, dass weibliche Rollenbilder immer weiter fortgeschrieben werden – auch diese Arbeit war schon für die aktuelle Spielzeit geplant.

Ohne ein paar Stars geht es nicht

Doch natürlich geht es nicht ohne ein paar Regie-Stars. Volker Lösch kommt wieder ans Staatsschauspiel, auch Sebastian Hartmann wird sich an einem noch unbekannten Stoff ordentlich austoben. Der aufregendste Name ist aber Frank Castorf: Der ehemalige Intendant der Volksbühne führt seit 1989 erstmals wieder Regie an einem ostdeutschen Theater außerhalb Berlins. Er bearbeitet Schillers „Wallenstein“, Premiere ist aber erst im nächsten April.

Frank Castorf wird in Dresden "Wallenstein" inszenieren.
Frank Castorf wird in Dresden "Wallenstein" inszenieren. © dpa

Im Kleinen Haus sind nicht nur wie bewährt Uraufführungen und das Festival Fast Forward zu sehen, es geht auch wieder richtig los mit der Bürgerbühne. Deren Leiter Tobias Rausch hat sich einige spannende Formate überlegt: „Asphalt“ etwa ist eine Theateraufführung, die man im Auto erleben kann, mitten auf dem Neumarkt. Für „Frei.Drehen“ wird die Choreografin Birgit Freitag mit Laien ein Tanzstück erarbeiten.

Leider ereilt das Staatsschauspiel Dresden ein altbekanntes Schicksal: Hier zur Höchstform aufspielende junge Spielerinnen und Spieler werden abgeworben oder gehen zum Film über: Ab September ist die hochbegabte Luise Aschenbrenner nur noch Gast am Haus. Aber wie war das noch mit der Flexibilität? Ein paar Neuzugänge bringen dafür Farbe ins Ensemble.

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