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Die Leipziger Buchmesse macht Hoffnung

Mit einem kleinen, aber feinen Ersatzprogramm trotzt das Lesefest der Pandemie. Ein Kommentar.

Bei "Leipzig liest extra" stehen bis Sonntag etwa 400 Veranstaltungen auf dem Programm.
Bei "Leipzig liest extra" stehen bis Sonntag etwa 400 Veranstaltungen auf dem Programm. © dpa

Wo Fitzek draufsteht, ist Fitzek drin. Der Thriller-Autor liefert mit jedem Buch genau so viel Gewaltfantasie, wie seine Leser mögen. Das ist überraschungsfrei. Dafür braucht man keine Buchmesse. Man braucht sie für den schönen Zufall. Für die Entdeckung am Rand. Für die unverhoffte Begegnung jenseits des Computerbildschirms mit Zimmerpalme im Hintergrund.

Selbst wenn im Gedränge in den Übergängen zwischen den Leipziger Messehallen manchmal die Luft arg knapp wird und man manchen Menschen näherkommt, als einem lieb ist: Es geht doch nichts übers Leibhaftige. Man findet, wonach man nie gesucht hätte.

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Deshalb trauern Buchmenschen schon im zweiten Jahr der ausgefallenen Messe nach. Und deshalb freuen sie sich umso mehr, dass diesmal ein Stückchen gerettet wird. Von 400 Veranstaltungen finden etwa 100 mit Publikum statt. Bis Sonntag öffnen Leipziger Hinterhöfe, Parkbühnen und Gärten, 32 Orte insgesamt. Gut, das ist kaum ein Zehntel von dem, was sonst stattfindet. Aber hier geht es nicht um Zahlen, selbst wenn Wirtschaftlichkeit und Umsatz durchaus wünschenswerte Effekte sind. Wo kämen wir denn sonst hin?!

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Hier geht es um Zeichen. Die Leipziger Buchmesse setzt ein Zeichen für Hoffnung, Normalität und Unverdrossenheit, für Leselust, Geistesblitze und alles Wahre und Schöne. Da darf man gern mal pathetisch werden. Denn nicht nur wir Leser schätzen die Begegnung in Lebensgröße und Echtzeit. Autoren, Verleger, Buchhändler sind darauf angewiesen. Sie wollen zeigen, woran sie monatelang und länger gearbeitet haben. Sichtbarkeit heißt das Zauberwort.

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