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„Die Parodie auf ‚Alice‘ war nicht wirklich cool“

Der britische Songwriter und Ex-Smokie-Sänger Chris Norman wird am Sonntag 70. Im Interview spricht er über die 70er-Jahre und Musik in Corona-Zeiten.

Der britische Sänger Chris Normen - hier vor gut zwei Jahren bei einem Open-Air-Konzert in der Dresdner "Jungen Garde" - wird am Sonntag 70 Jahre alt.
Der britische Sänger Chris Normen - hier vor gut zwei Jahren bei einem Open-Air-Konzert in der Dresdner "Jungen Garde" - wird am Sonntag 70 Jahre alt. © Andreas Weihs (Archiv)

Mit dem Song „Living Next Door To Alice“ über die unerwiderte Liebe eines Mannes zu seiner Nachbarin bleibt der Name von Chris Norman wohl für immer verbunden. Am 25. Oktober wird der britische Sänger, Songschreiber und Ex-Frontmann von Smokie 70. Im Interview spricht der Mann mit der rauen Stimme über seine musikalischen Pläne und darüber, warum er mit dem Musikproduzenten Dieter Bohlen nur kurz zusammengearbeitet hat.

Ihre Deutschland-Konzerte wurden wegen der Corona-Krise auf April und Mai 2021 verschoben, was macht die Arbeit an einem neuen Album?

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Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Das neue Album „Just A Man“ ist schon fertig, wird aber wegen der Pandemie leider erst im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden. Sieben der Songs habe ich selbst geschrieben. Bei vier Titeln habe ich wieder mit dem Produzenten Mike Chapman zusammengearbeitet, der Hits nicht nur für Smokie, sondern auch für Tina Turner und Rod Stewart geschrieben hat.

Der Song „Living Next Door To Alice“ war 1976 der größte Hit Ihrer Band Smokie. Wie hat Ihnen die Parodie „Who The Fuck is Alice“ von 1995 gefallen, durch die eine jüngere Generation auf Sie aufmerksam wurde?

Die Parodie der niederländischen Band Gompie war nicht wirklich cool. Überhaupt nicht gut fand ich aber, als die neu formierten Smokie dann ihre Version herausbrachten. Aber dennoch: „Alice“ war ein weltweiter Hit und hat meiner Karriere geholfen.

Der von Dieter Bohlen produzierte „Tatort“-Song „Midnight Lady“ war 1986 Ihr erster und größer Solohit in Deutschland. Arbeiten Sie immer noch mit ihm zusammen?

Ich habe Dieter Bohlen seit Jahren nicht gesehen. Bohlen war ein großer Smokie-Fan und kam über meinen Musikverlag auf mich zu. Doch es stellte sich bald heraus, dass unser Musikgeschmack doch sehr unterschiedlich ist. Dieter bevorzugte „synthetische Musik“ – ich bin aber ein Rocker. Er produzierte 1986 mein zweites Soloalbum „Some Hearts Are Diamonds“. Doch dann merkte ich, dass er nicht der Richtige für eine weitere Zusammenarbeit ist.

Ganz oben in den deutschen Charts stand 1978 auch ihr Duett „Stumblin‘ In“ mit der Rocksängerin Suzie Quatro, die im Juni 70 geworden ist. Gibt es noch Kontakt?

Wir stehen noch immer in Kontakt, laufen uns manchmal bei Festivals über den Weg. Aber jeder macht sein eigenes Ding. Die Idee, ein gemeinsames Lied aufzunehmen, entstand übrigens auf einer Aftershow-Party. Auch wenn ich es damals nicht im Blick hatte: „Stumblin‘ In“ war der erste Schritt in Richtung meiner Solokarriere.

Und wie stehen die Chancen für eine Wiedervereinigung von Smokie?

Es gibt dafür wirklich keine Pläne oder ein großes Interesse daran, aber auch hier gilt: Sag niemals nie. Wir wohnen an unterschiedlichen Orten, engagieren uns in verschiedenen Projekten, aber wir telefonieren manchmal miteinander. Nicht jedes ehemalige Smokie-Mitglied mag das harte Tourleben. Vielleicht gibt es einmal nur einen gemeinsamen Auftritt oder Aufnahmen im Studio.

Was machen Sie, um Ihre raue Stimme in Schuss zu halten?

Gelegentlich einen Whisky nehmen. Vor allem als „Energieschub“, bevor es auf die Bühne geht. Aber ich trinke schon lange nicht mehr so viel wie früher. Meine Stimme war ursprünglich sehr klar, dann sang ich in meinen frühen Bands Rock ’n’ Roll-Songs etwa von Little Richard. Dadurch hat sie sich allmählich so verändert.

Welche Pläne haben Sie musikalisch und privat für die Zukunft?

Corona hat dazu geführt, dass alles in der Warteschleife ist. Musik und meine Familie sind mein Leben, Hobbys habe ich keine. Ich hoffe, bald weitermachen zu können.

Sie sind ehrenamtlicher Botschafter für das Kinderhospiz Mitteldeutschland im thüringischen Nordhausen. Unterstützen Sie diese Einrichtung weiter?

Ich habe für sie bisher zwei, drei Konzerte gespielt. Das würde ich wieder machen, wenn ich angefragt würde. Absolut!

Das Interview führte Alexander Lang (epd).

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