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Die Wahrheit lügt in der Mitte

Gut informierte Greise erzählen, wie es wirklich war - ein satirischer Nachschlag von Kabarettist Wolfgang Schaller.

Unser Kolumnist Wolfgang Schaller ist Kabarettist und Autor.
Unser Kolumnist Wolfgang Schaller ist Kabarettist und Autor. © Sebastian Kahnert/dpa

Von Wolfgang Schaller

Natürlich waren es die Russen. Und das kam so: Der Trump mag die Nordpipeline nicht. Er mag auch Frau Merkel nicht. Denn Frau Merkel will die Nordpipeline. Aber Herr Trump kann Frau Merkel nicht vernichten. Deshalb hat er drei seiner Senatoren beauftragt zu drohen, die Hafenstadt Sassnitz zu vernichten, wenn die Pipeline weitergebaut wird.

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Frau Merkel sagte, eine deutsche Stadt dem Erdboden gleichzumachen entspräche nicht der unverbrüchlichen Freundschaft der USA mit uns, sonst müsse Deutschland seine Freiheit im Weißen Haus verteidigen. Da rief der Trump aus dem Weißen Haus seinen Freund Putin im Kreml an und sagte: Sorry, alter Sheriff, hilf mir mal. Hast du nicht eine Idee, wie man diese Miss Marpel in Berlin zwingen könnte, Nordstream zwei nicht weiterzubauen? Da sagte Putin: Charascho, Towarisch Donald, ich versuche wieder mal, einen meiner Gegner zu vergiften. Da muss die Olga in Berlin Nordstream stoppen! Da bin ich meinen politischen Gegner los und du die Pipeline. Das ist eine Win-Win-Situation. Da kannst du dein Fracking-Gas nach Nemezki schiffen und ich kann weiterregieren.

Das Maas war voll

Am nächsten Tag holte Putin ein kleines Päckchen aus seinem Giftschrank, schickte einen seiner besten Fotografen auf Reisen, um für die Welt als Beweis festzuhalten, wie der Gegner den vergifteten Tee trank. Als Norbert Röttgen das Foto sah, schrie er sofort: Die Russen warns! Die Russen warns! Und er forderte, was er schon immer gefordert hatte: Pipeline stopp! Der Herr Röttgen war so froh, dass er nun ein Argument hatte, dass man denken konnte: Wo hat der Norbert das Nowitschok her?

Und der Außenminister fiel aus seinem Maasanzug und rief auch: Stopp! Mit einem Diktator Putin könne man keinen Handel treiben. Lieber verkaufe man wieder Waffen an die demokratische Republik Saudi-Arabien. Der sozialdemokratische Minister dachte an Willy Brandt und dessen Annäherungspolitik an die Sowjetunion und rief, um auch wie Brandt mit dessen „Mehr Demokratie wagen“ geliebt zu werden: „Mehr Sanktionen wagen!“ Denn das Maas war voll.

Trump dagegen hüpfte freudig im Kreis und sang: Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Die Kanzlerin grübelte noch ein bisschen und dachte einen Augenblick darüber nach, ob sie Trump erinnern solle, dass die Geheimdienste seines Landes x mal ganze Regierungen weggeputscht haben, wenn sie der USA nicht passten: Lumumba in Afrika, Allende in Chile. Und alleine auf Fidel Castro über 600 Attentatsversuche.

Wieder mal zum Vergiften zu blöd

Aber weil alle in der EU und in der Nato riefen: Auf nach Russland!, wagte sie keinen Widerspruch. Denn das hätte bedeutet, mit Spatzen auf Kanonen zu schießen. Um die Situation zu retten, versprach Bundesfinanzminister Scholz seinen amerikanischen Freunden, zwei Milliarden zum Bau von Spezialhäfen in Brunsbüttel und Wilhelmshaven zwecks Import von US-Flüssiggas zu schenken. Indes schloss sich Putin aus Verärgerung in die Besenkammer des Kreml ein, weil sein Geheimdienst wieder mal zum Vergiften zu blöd gewesen war. Denn er hatte nun seinen Gegner nicht los, dafür aber die Pipeline. Und die ganze Welt zeigte mit dem Finger auf ihn: Der wars!

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Liebe Leserinnen und Leser: Ob es so gewesen ist, weiß ich nicht. Mein Verstand sagt mir, dass das eigentlich unmöglich ist. Das Dumme ist nur: Ich halte alles für möglich. Das ist das Gefährliche: Dass wir alles für möglich halten. Wer es war, wird wohl nie heraukommen, obwohl das ein öffentliches Bedürfnis ist. Aber die Geheimdienste heißen ja Geheimdienste und nicht öffentliche Bedürfnisanstalten.

Übrigens: Die Russen sind schuld. Da nehm ich Gift drauf.

Unser Kolumnist ist Kabarettist und Autor.

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