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Dresdens Musikfestspiele starten erstmals zweite Runde

Und Intendant Jan Vogler wurde vorab im Schloss Bellevue gefeiert. Er will dem „Publikum eine noch stärkere Stimme“ geben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zum Tag der Deutschen Einheit an Jan Vogler aus Dresden.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zum Tag der Deutschen Einheit an Jan Vogler aus Dresden. © dpa/Wolfgang Kumm

Große Ehre für Jan Vogler. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Cellisten und Intendanten der Dresdner Musikfestspiele mit dem Bundesverdienstkreuz im Berliner Schloss Bellevue ausgezeichnet. Ein Grund: „Seit Beginn der Pandemie hat er sich als Musiker und Festivalleiter auf vielfältige Weise dafür eingesetzt, die Kultur auch in Zeiten geschlossener Häuser als wichtigen Teil der Gesellschaft sichtbar zu machen.“

Er initiierte beispielsweise das 24-stündige Livestream-Format „Music Never Sleeps“ mit, das virtuelle Auftritte auch von über 80 Künstlern der Festspiele ermöglichte. In diesem Frühjahr sorgte er dafür, dass sein Festival als eines der ersten deutschlandweit den Spielbetrieb kurzfristig aufnahm.

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Ausgewählte Konzerte aus dem Mai-Programm werden nun als Herbst-Festival ab 7. November nachgeholt. So gastiert die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter im Kulturpalast, Schauspieler Tom Schilling jazzt im Kino Schauburg, das Hagen-Quartett interpretiert in der Annenkirche Schostakowitsch. Und Sopranistin Mojca Erdmann, Cellist Jan Vogler, Klarinettist Jörg Widmann und Pianist Denis Kozhukhin bieten in der Annenkirche Kammer-Preziosen von Schubert bis Schumann. Noch gibt es für einige Veranstaltungen Karten zu moderaten Preisen.

Jan Vogler ist Manager und Cellist von Gnaden zugleich. Demnächst auch als Musiker bei romantischer Musik zu erleben.
Jan Vogler ist Manager und Cellist von Gnaden zugleich. Demnächst auch als Musiker bei romantischer Musik zu erleben. © Moritzburgfestival PR

Nur, wie kam Vogler darauf, die Festspiele zu splitten? Im vergangenen März sei die Aussicht auf ein Stattfinden der Musikfestspiele 2021 denkbar düster, sagt er. „Doch wir waren wild entschlossen, sie nicht ins Wasser fallen zu lassen.

Um nicht alles auf eine Karte zu setzen, teilte er die Festspiele auf: einige Konzerte als Stream, dann einige Live-Konzerte im Juni und das Sommerkonzert mit Pape Diouf und eine Sequenz im November. Bisher ging die Idee zu einhundert Prozent auf. Nun freuen sich Vogler und sein Team sowohl auf Weltstars wie Anne-Sophie Mutter, „aber auch viele wunderbare junge Künstler“.

Was lehrte den seit 2009 amtierenden Festivalchef die fast zweijährige Pandemie für die künftige Programmplanung? „Ich habe gelernt, flexibel zu bleiben!“ Es sei sogar ab und zu erfrischend, etwas kurzfristiger zu planen. Das ermögliche, genau zu schauen, welche Konzerte gerade jetzt besonders relevant sind. Außerdem: „Das Publikum bekommt eine noch stärkere Stimme“, weil die Menschen zu jenen Veranstaltungen strömen, die sie nicht verpassen möchten. „Gleichzeitig sind sie auch etwas wählerischer geworden bei Konzerten, die austauschbar sind“, so Vogler. Kreativität bei der Programmplanung und ein persönlicher Draht zum Publikum seien wichtiger denn je zuvor!

Eröffnet am 7. November die erstmals zweigeteilt stattfindenden Dresdner Musikfestspiele: Geigerin Anne-Sophie Mutter.
Eröffnet am 7. November die erstmals zweigeteilt stattfindenden Dresdner Musikfestspiele: Geigerin Anne-Sophie Mutter. © dpa

Nur sind Kammerkonzerte gut und schön. Sie ersetzen keine Orchestergastspiele. Der 57-jährige Cellist und Manager sieht das zweigeteilt. „Für die großen Orchester ist es jetzt im November noch etwas zu früh.“ Beschränkungen beim Besetzen der Säle und den internationalen Reisen würden die Tourneen erschweren. Aber es sei jetzt die Stunde der intimen musikalischen Momente. „Vielleicht brauchen wir nach einem Jahr Isolation genau das: sehr persönliche musikalische Erlebnisse, ruhig auch mal im kleineren Rahmen. Große Orchester und grandiose Klangerlebnisse wird unser Publikum ganz sicher bei den Festspielen 2022 wieder haben!“

  • Infos/Karten im Besucherservice/Kulturpalast, tel. 0351 65606700

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