merken
PLUS Feuilleton

Dresdner Picknickkonzerte gestartet

Das erste Open-Air-Konzert mit 1.000 Zuschauern: Beim Techno-Blasorchester Meute kamen verschollen geglaubte Gefühle ehemaliger Sommerfestivals auf.

Innovativer Start in die Festivalsaison: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute verbindet Blasmusik mit elektronischen Beats.
Innovativer Start in die Festivalsaison: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute verbindet Blasmusik mit elektronischen Beats. © Arvid Müller

Dresden. Einige prüfen noch etwas ungelenk die rhythmischen Reflexe ihres Körpers, andere tanzen sich von null auf 100 in den Discokugel-Modus. Am Freitagabend gab es zum ersten Picknickkonzert im Dresdner Ostragehege im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich mitreißen und holt sich seinen tanzbaren Körper zurück. Oder man verfällt in großes Staunen und noch größere Freude darüber, wie viel Enthusiasmus an gemeinsamer Bewegung nach so langer Zeit überhaupt noch vorhanden ist. Von einer so großen Menschenansammlung mal abgesehen.

Vor dem ausverkauften Konzert des Hamburger Techno-Blasorchesters Meute aber erst einmal die Huldigung an die neue Livemusik-Ära: „Das ist heute das erste Festival mit 1.000 Leuten in Deutschland“, sagt die Moderatorin. Neben ihr haben sich aufgereiht: Martin Vejmelka, Ideengeber der Picknickkonzerte, Barbara Klepsch, Sachsens Kulturministerin, und Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

„Das ist Auftakt für fast 150 Konzerte im Bundesgebiet“, sagt Vejmelka von der Agentur Landstreicher und lobt die Dresdner Verwaltung, die „keinerlei Hasenfüßigkeit“ bei der Organisation des Festivals an den Tag gelegt hätte, sowie Sachsens kulturfreundliche Corona-Schutzverordnung. Dirk Hilbert lädt zum städtischen „Kultursommer 21“.

"Man ist zurzeit Bescheiden"

Und Barbara Klepsch wagt einen zaghaften Gefühlsvorstoß: „Wenn ich so in die Runde schaue, dann bekomme ich Gänsehaut. Wir brauchen aber noch etwas Durchhaltevermögen.“ Gemeint sind natürlich echte Sommerfestivals aus der gefühlten Live-Steinzeit, mit Massen von Menschen, die sich völlig losgelöst vom Virus begegnen, sich ausschließlich von der Musik anstecken lassen.

Der Raum dafür ist, wie schon im letzten Jahr an gleicher Stelle, seit Corona auf Picknickdeckengröße geschrumpft. „Man ist ja zurzeit bescheiden“, so der Tenor aus den Reihen. Dann geht es endlich los mit den wummernden Beats der Techno-Blaskapelle Meute. Prompt wähnt man sich in einem riesigen Freiluft-Klub oder einer kleinen Loveparade. Jedenfalls tanzen die meisten der 1.000 Besucher sofort wie angeknipst los, pfeifen und lassen sichtlich glücklich ihren motorischen Fähigkeiten freien Lauf.

Besonders wenn die Band Meute ihre Präzisions-Beats und sensibel abgestimmten Blasmusik-Klänge stufenweise steigert, dann jubelt die ganze Wiese. Nach gut einer Stunde Musik-Work-out gibt es auch noch ein, zwei Stücke mit Gesang, Techno-typisch mit vielfach wiederholten Zeilen.

Weiterführende Artikel

Diese Corona-Regeln gelten in Sachsen

Diese Corona-Regeln gelten in Sachsen

Keine Kontaktbeschränkungen, eingeschränkte Masken- und Testpflicht: Die aktuellen Corona-Regeln in Sachsen bleiben zunächst bestehen. Der Überblick.

Paul von Dyk liefert perfekten Soundtrack zum EM-Sieg

Paul von Dyk liefert perfekten Soundtrack zum EM-Sieg

DJ Paul van Dyk spielt sich bei den Picknick-Konzerten in Dresden wie die deutschen Fußballhelden in Trance – nur ohne Halbzeit und doppelt so lange.

Campino in Dresden über Fußball und sein Leben

Campino in Dresden über Fußball und sein Leben

Er ist Kultsänger der Toten Hosen, Fan des Liverpool FC und ein unterhaltsamer Geschichtenerzähler, wie er beim vergnüglichen "Picknick-Konzert" beweist.

Deichkind-Konzert am Elbufer erst 2022

Deichkind-Konzert am Elbufer erst 2022

Das Konzert von Deichkind in Dresden wird um ein Jahr verschoben. Dafür soll es "mit allem Pipapo" stattfinden. Das ist der neue Termin.

Die Meute auf der Bühne und Wiese steigert sich in eine Art Trance-Zustand. Der Wirkungsgrad der Musik steigt mit abnehmendem Licht und man wird sogar Zeuge einer Sache, die man früher mal Polonaise nannte. Einer schlägt vor Begeisterung ein unrundes Rad. Die Picknickkonzerte sind, wie die EM, endlich ins Rollen gekommen.

Mehr zum Thema Feuilleton