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Ein West-Paket für Tharandt

Drei Künstler aus der Partnerstadt Blaubeuren stellen in der Kuppelhalle aus. Anlass ist ein Jubiläum. Wie aus Trennung Zusammengehörigkeit wird.

Die drei Künstler aus Tharandts Partnerstadt Blaubeuren Michael C. Thumm (links), Monika Walzer und Dieter Gassebner stellen in der Kuppelhalle aus.
Die drei Künstler aus Tharandts Partnerstadt Blaubeuren Michael C. Thumm (links), Monika Walzer und Dieter Gassebner stellen in der Kuppelhalle aus. © Daniel Schäfer

Klein, aber sehr fein. Drei Künstler aus Blaubeuren stellen einige ihrer Werke in Tharandt in der Kuppelhalle aus. Den weiten Weg aus Baden-Württemberg haben sie sich nicht ohne Grund gemacht. Die Ausstellung hat einen schönen Anlass: Seit 30 Jahren sind die Städte Partner. Bis 1989 bekanntermaßen getrennt durch eine der am besten gesicherten Grenzen der Welt sind es zwar heute immer noch 500 Kilometer zwischen Blaubeuren und Tharandt, aber egal in welche Richtung und mit welchem Verkehrsmittel - man fährt einfach durch.

Dieter Gassebner, Monika Walzer und Michael C. Thumm haben sich mit dem Auto auf den Weg gemacht. Schließlich hatten sie einiges zu transportieren. Großformatige Fotografien, Grafiken, Radierungen und einige kleinere Skulpturen aus Bewehrungsstahl. "Die großen aus Beton musste ich zu Hause lassen", sagt Dieter Gassebner. Der Malermeister im Ruhestand ist mit seiner Kunst seit 1984 auf Ausstellungen unterwegs. 

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Zu Hause in Blaubeuren hat er sein Atelier im Steinbruch. Dort kann er die für ihn typischen gewundenen Betonskulpturen erarbeiten. In der Kuppelhalle Tharandt zeigt er kleinere Werke. Es sind aus Bewehrungsstahl geschnittene Stücke, die er neu verschweißt und mit einem Farbverlauf lackiert. 

Dieter Gassebner mit einer seiner Skulpturen aus Baustahl.
Dieter Gassebner mit einer seiner Skulpturen aus Baustahl. © Daniel Schäfer

Sie stapeln sich mit Leichtigkeit zu fantasievollen Formationen. "Ästhetik steht bei mir im Vordergrund", sagt Gassebner. "Meine Arbeiten haben keinen Titel, sie sollen nichts erklären, erfordern keine Interpretation gleich welcher Art." So ist es auch mit seinen Tuschezeichnungen, die er Strich für Strich mit der Hand fertigt. In der Ausstellung ergeben sich im Zusammenspiel mit den Skulpturen sichtbare Parallelen - durchaus gewollt. 

In Tharandt stellt der ehemalige Blaubeurener Stadtrat Dieter Gassebner schon zum dritten Mal aus. Schon Mitte der Neunziger zur Eröffnung der Galerie in der Kuppelhalle war er dabei und auch 2003, als die Räume nach dem Jahrhunderthochwasser saniert worden waren.

Für Monika Walzer hingegen ist es die erste Begegnung zwischen ihrer Kunst und der Stadt Tharandt. Auch sie lässt, so wie Gassebner, ihre Grafiken für sich sprechen. "Titel beeinflussen die Betrachter nur", sagt sie. Ihre Arbeiten entstehen aus Fotos, die sie als Grundlage verwendet. In manchen Grafiken ist das noch zu sehen, andere sind so weit verändert, dass sie völlig abstrakt daher kommen und viel Raum für Interpretation lassen. 

Monika Walzer zeigt ihre Radierungen, die auf Aluminiumplatten entstehen.
Monika Walzer zeigt ihre Radierungen, die auf Aluminiumplatten entstehen. © Daniel Schäfer

Die gelernte Schaufenster-Dekorateurin hat später noch einen Abschluss zur Diplom-Gestalterin gemacht und ihr Wissen und Können an der Bildungsakademie der Handwerkskammer weitergegeben. Jetzt, da sie im Ruhestand ist, kann sie sich verstärkt ihrer eigenen Kunst widmen. In Tharandt zeigt sie Radierungen, die auf Aluminiumplatten entstanden sind.

Im Gegensatz zu Monika Walzer möchte der Fotograf Michael C. Thumm seine Werke ganz genau so zeigen, wie sie ihm das Leben bietet. Seit 2000 ist der gelernte Drucker selbstständig in der Bildbearbeitung tätig. Seiner Kunst, der Fotografie, geht er im Alltag permanent nach. So engagiert er sich im Naturschutz, fotografiert bei Wanderungen auf der Schwäbischen Alb Schmetterlinge. "Man kann nur schützen, was man kennt", ist dabei sein Motto. Entstanden sind beeindruckende Nahaufnahmen in fast unglaublicher Klarheit.

Michael C. Thumm steht vor seiner Fotografie, die in einer alten Mühle entstanden ist.
Michael C. Thumm steht vor seiner Fotografie, die in einer alten Mühle entstanden ist. © Daniel Schäfer

Genauso wie in der Natur geht er auch den Spuren der Menschen nach. Seine Fotos aus alten Industriebrachen wie Getreide- und Wassermühlen zeigen die Dinge ebenso in brillanter Detailtreue bis zum einzelnen Stäubchen auf den alten Maschinen. 

Eintritt frei

Zu sehen sein wird all dies ab Donnerstagabend in der Kuppelhalle in Tharandt. "Zur Vernissage dürfen wir leider nur 35 Personen einladen", sagt Milena Müller, die als Ortschaftsrätin maßgeblich an der Organisation beteiligt ist. "Danach aber steht die Ausstellung allen offen." Am Donnerstagabend sind neben den Künstlern auch die Bürgermeister beider Städte dabei. 

Doch Milena Müller betont, dass sie sich eine lebendige Partnerschaft der Bürger wünscht, die von ganz normalen Menschen lebt. Diese, so hofft sie, werden es vor allem sein, die die Ausstellung besuchen.

Die Städtepartnerschaft zwischen Tharandt und Blaubeuren wird zu ihrem 30-jährigen Bestehen im Anschluss an die Vernissage dann am Donnerstag um 19 Uhr in der Kuppelhalle mit einer offiziellen Feier gewürdigt.

Die Galerie in der Kuppelhalle ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr geöffnet, freitags von 8-14 Uhr. An Wochenenden auf Anfrage. Der Eintritt ist frei.

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