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Filmstadt Bautzen

So bekannt wie Görliwood ist Bautzen als Drehort zwar nicht. Aber auch hier entstanden etliche Filme, der erste schon 1914. Einer läuft jetzt wieder im Fernsehen.

Dieser Schnappschuss mit Gila von Weitershausen und Karl Fischer entstand 2005 auf dem Bautzener Hauptmarkt während der Dreharbeiten zu dem Spielfilm "Eine Liebe im September". Am Sonntag läuft der Film wieder im Fernsehen.
Dieser Schnappschuss mit Gila von Weitershausen und Karl Fischer entstand 2005 auf dem Bautzener Hauptmarkt während der Dreharbeiten zu dem Spielfilm "Eine Liebe im September". Am Sonntag läuft der Film wieder im Fernsehen. © ARD Degeto

Bautzen. Bautzen kommt - wieder einmal - im Fernsehen, diesmal zur besten Sendezeit am Sonntagnachmittag. Dann zeigt Das Erste ab 15.30 Uhr den Streifen "Eine Liebe im September" nach einem Buch von Utta Danella. In den Hauptrollen brillieren Uschi Glas, Gila von Weitershausen und Karl Fischer. Gedreht wurde der Film vor mittlerweile 16 Jahren - nicht nur, aber zum großen Teil in der Spreestadt. Auch einige Bautzener Schauspieler – darunter Rainer Gruß – wirkten in der Produktion mit.

"Fabian" soll im Sommer in die Kinos kommen

Bautzen ist in dieser Hinsicht zwar nicht so bekannt wie Görliwood, aber auch hier entstehen immer wieder - ganz oder teilweise - Filme. Das jüngste Beispiel heißt "Fabian". Wenn alles gut geht, kommt der gleichnamige Streifen im Sommer in die Kinos. Vor anderthalb Jahren gaben sich Schauspieler, Kameraleute und Techniker in Kleinwelka die Klinke in die Hand, um eine Romanvorlage von Erich Kästner in Szene zu setzen. Für wenige Tage verwandelten sie das jüngste Gebäude der Kleinwelkaer Schwesternhäuser und sein Umfeld ins Berlin der frühen 1930er-Jahre. Einige Spuren des Filmteams sind dort immer noch zu sehen.

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Niemand hat genau gezählt, wie viele Spielfilme vor "Fabian" schon in und um Bautzen entstanden. Aber es kommen einige zusammen. So war die Stadt zu DDR-Zeiten mehrfach Drehort für Filme der Reihen Polizeiruf 110 und Der Staatsanwalt hat das Wort.

Den ersten Filmkuss gab's in Bautzen

Aber meist waren es nur einige Szenen, für die Schauspieler und Drehteams nach Bautzen kamen. Eine Ausnahme machte 1989 "Das Wunschkind" aus der Staatsanwalt-Reihe, entstanden nach einem wahren Gerichtsfall. Dieser Film spielt von Anfang bis Ende in Bautzen.

Gleich in der Eingangsszene dreht die Kamera über die Altstadtsilhouette zur Friedensbrücke, auf der eine junge Frau gelaufen kommt - die Verkäuferin Regina. Die 18-Jährige lernt in einer Bar einen deutlich älteren Dienstreisenden kennen, gespielt von Justus Fritzsche (1941-2003). Beide landen im Bett. Als Regina erfährt, dass ihre große Liebe in Berlin schon eine Familie hat, versucht sie den Mann mit einem Kind an sich zu binden. Da sie aber gar kein Baby hat, stiehlt sie auf der Karl-Marx-Straße einen Kinderwagen - die letzte Szene des Films. Danach verkündet der Staatsanwalt: Regina muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die heute in Dresden lebende Schauspielerin Kati Grasse spielte 1989 die Hauptrolle im Film "Das Wunschkind" aus der Reihe Der Staatsanwalt hat das Wort. Alle Außenaufnahmen zu dem Streifen wurden in Bautzen gedreht.
Die heute in Dresden lebende Schauspielerin Kati Grasse spielte 1989 die Hauptrolle im Film "Das Wunschkind" aus der Reihe Der Staatsanwalt hat das Wort. Alle Außenaufnahmen zu dem Streifen wurden in Bautzen gedreht. © ronaldbonss.com

In die Rolle der Regina schlüpfte damals eine Schauspielerin, die selbst kaum älter war: Kati Grasse aus Frankfurt (Oder). Es war ihre erste Filmrolle überhaupt. Und: "Ich bekam meinen ersten Filmkuss" - von Justus Fritzsche. Außer an den Kuss erinnert sie sich auch noch an das Winterwetter während der Dreharbeiten, als wären diese erst jetzt gewesen. "Es war furchtbar kalt." Als wäre das nicht genug, musste sie auch noch Eiswürfel in den Mund nehmen - damit beim Ausatmen vor der Kamera keine Nebelschwaden aufsteigen.

Von Bautzen selbst hat Kati Grasse damals nicht viel gesehen außer den Drehorten zwischen Friedensbrücke, Ortenburg und Karl-Marx-Straße. "Für DDR-Verhältnisse haben wir in einem Wahnsinnstempo gedreht." Alle Außenaufnahmen seien in Bautzen entstanden, nur die Szenen in geschlossenen Räumen im Studio in Berlin. "Das Ganze war schon aufregend für mich, ich war ja noch Studentin."

Kati Grasse spielte seitdem in zahlreichen Filmen mit, so 2003 in "Wer küsst schon einen Leguan" und 2009 in "Katharina von Bora". Außerdem spielt sie Theater in Dresden, wo sie seit Anfang der 1990er-Jahre lebt. Nach Bautzen kam die freischaffende Schauspielerin seit dem "Wunschkind" immer mal wieder privat. "Dresden - Bautzen ist ja keine Entfernung. Die Stadt hat sich mächtig verändert seit damals."

Sorben nähten Kostüme für Brezan-Film

Sticht das "Wunschkind" wegen seines konsequenten Bautzen-Bezugs aus den hier gedrehten Filmen heraus, tut das "52 Wochen sind ein Jahr" aus einem anderen Grund: Nie vorher hatte sich ein Film inhaltlich so intensiv den Sorben gewidmet. Zudem umrahmte das damalige Staatliche Ensemble für Sorbische Volkskunst die Handlung mit Tanz und Gesang.

Der 1955 in sorbischen Dörfern bei Bautzen gedrehte Streifen entstand nach einer Romanvorlage von Jurij Brezan (1916-2006). Im Kern ging es um einen sorbischen Bauern, der nach anfänglichem Zögern doch in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) eintrat. Für den Dreh kamen DDR-Größen wie Lotte Loebinger (1905-1999) und Fred Delmare (1922-2009) in die Oberlausitz. Ältere Einwohner sorbischer Dörfer erinnern sich noch, wie sie seinerzeit für diesen Film Kostüme nähten.

Schon 1914 wurde in Bautzen ein Film gedreht

Als erster in Bautzen gedrehter Film gilt "Der Golem" von Paul Wegener (1874-1948) aus dem Jahr 1914. Der Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent fand dabei offenbar Gefallen an der Oberlausitz, denn er drehte hier noch mehrere Filme. 1917 schrieb Paul Wegener das Drehbuch, führte Regie und spielte selbst die Hauptrolle im Stummfilm „Hans Trutz im Schlaraffenland“. Ein Jahr später übernahm er die gleichen drei Aufgaben auch für "Die Rattenfänger".

Auch seine letzte große Theaterrolle stammte aus der Oberlausitz: Am 7. September 1945 eröffnete Paul Wegener das Deutsche Theater in Berlin und spielte dabei die Hauptrolle in "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing, der bekanntlich aus Kamenz stammt.

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