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Vorwürfe gegen Til Schweiger: „Machtmissbrauch in der Branche“

Filmproduzentin Nina Maag arbeitete mit Schweiger zusammen, dem Fehlverhalten am Set vorgeworfen wird. Ihrer Meinung nach sind die Vorwürfe gegen den Star nur die Spitze des Eisbergs.

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Til Schweiger muss sich den Vorwürfen der Gewalt, Beschimpfungen und Trunkenheit am Set stellen.
Til Schweiger muss sich den Vorwürfen der Gewalt, Beschimpfungen und Trunkenheit am Set stellen. © dpa

Von Tobias Mayer

Auch fünf Tage nach dem Spiegel-Artikel, in dem Til Schweiger Gewalt, Beschimpfungen und Trunkenheit vorgeworfen wird, hat sich der deutsche Schauspiel- und Regie-Star hinter Kinohits wie „Honig im Kopf“ und aktuell „Manta Manta 2“ nicht selbst zu den Vorwürfen geäußert. Dafür tun es andere. Schauspielerin Nora Tschirner, welche die sehr erfolgreichen Komödien „Keinohrhasen“ (2007) und „Zweiohrküken“ (2009) mit Schweiger drehte, nannte es auf Instagram ein offenes Geheimnis, dass die beim Spiegel beschriebenen Zustände an Sets in Deutschland herrschten.

Filmproduzentin Nina Maag spricht nun in der Süddeutschen Zeitung davon, dass Schweiger nur „die Spitze des Eisbergs eines toxischen Systems“ sei. Gemeint ist die deutsche Filmindustrie, in der Schweiger seit mehr als 30 Jahren arbeitet – seit 1990 als Schauspieler, seit 1997 als Produzent und seit 1998 auch als Regisseur.

Laut Maag geht es zuallererst ums Geldverdienen

Maag arbeitet heute für die Produktionsfirma Bavaria Fiction, von 2012 bis 2013 leitete sie die Niederlassung von Barefoot Films in München, bevor sie die Firma im Streit mit Firmenchef Schweiger verließ. Den Regisseur sieht sie als Teil einer Industrie, die Machtmissbrauch dulde – einfach nur, weil es zuallererst ums Geldverdienen gehe.

Maag gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Es geht in dieser Branche um Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch. Und es kann nicht sein, dass Mitarbeiter, die die Schwachstellen des Systems im Sinne einer Verbesserung aufzeigen wollen, ganz offensichtlich mundtot gemacht werden.“

Schweiger wurde im „Spiegel“ vorgeworfen, sich an mehreren Filmsets aggressiv und beleidigend verhalten zu haben. Es wird außerdem ein Fall beschrieben, wo er einem Mitarbeiter des aktuellen Kinohits „Manta Manta 2“ ins Gesicht geschlagen haben soll, Schweiger sei dabei betrunken gewesen.

Diskriminierung ist beim deutschen Film offenbar normal

2017 wurden Vorwürfe gegen eine andere Größe des deutschen Films bekannt, den 2022 verstorbenen Regisseur Dieter Wedel, der seine Schauspieler an Sets mit seinem Verhalten tyrannisiert haben soll. Hinzu kamen Vorwürfe sexueller Übergriffe.

Nach dem Harvey-Weinstein-Skandal 2017 wurde in der deutschen Filmindustrie mit der Einrichtung einer Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt reagiert, sie heißt Themis. In einer Studie gab die Hälfte der 3200 befragten Filmschaffenden zu, bei der Arbeit schon einmal Diskriminierung erfahren zu haben. 57 Prozent der Betroffenen behielten dieses Erlebnis aber für sich. Auch dieses Ergebnis spricht dafür, dass die Probleme in der Branche weit über den Fall Schweiger hinausreichen.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat von der Kultur- und Medienbranche unterdessen mehr Maßnahmen zum Schutz vor sexueller Diskriminierung und Gewalt eingefordert. Mit Blick auf die aktuelle Berichterstattung über Vorwürfe am Film-Set des Schauspielers und Regisseurs Til Schweiger sagte Roth am Dienstag in Berlin, auch künstlerische Genies – oder angeblich künstlerische Genies – stünden nicht über Recht und Gesetz.

Schweigers berufliche Zukunft

Nach Angaben Roths soll sich die Kulturbranche unter Federführung des Deutschen Kulturrats nun einen Verhaltenskodex geben. In einem ersten Schritt gehe es um eine verbindliche Selbstverpflichtung der Branche, so die Kulturstaatsministerin. Wenn das nicht ausreiche, wolle der Bund den nächsten Schritt gehen und bestimmte Richtlinien für eine Förderung verbindlich machen.

Wie geht es für Til Schweiger beruflich weiter? Nachdem es angesichts der beiden Kassenflops „Lieber Kurt“ und „Die Rettung der uns bekannten Welt“ zunächst so aussah, als habe Schweiger den Draht zum deutschen Kinopublikum verloren, brachte „Manta Manta 2“ die Wende. Für den 7. Dezember 2023 steht der Start der Tragikomödie „Das Beste kommt noch!“ in den Kalendern, Schweigers bereits abgedrehte neue Regiearbeit, die wie der Hit „Manta Manta 2“ von Constantin Film in die Kinos gebracht wird.

Ob der Spiegel-Artikel für Schweiger berufliche Konsequenzen hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.