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Ein bisschen Hape Kerkeling beim Moritzburg Festival

Zum Start des Moritzburg Festivals gab es entrückte und tänzerische Musik. Zudem mischte sich Atonales mit knarrenden Kirchenbänken.

Das Auftaktkonzert des Moritzburg Festivals erklang am Sonnabend in der Kirche in Moritzburg.
Das Auftaktkonzert des Moritzburg Festivals erklang am Sonnabend in der Kirche in Moritzburg. © Oliver Killig

Fast 29 Jahren existiert das Moritzburg Festival. Es gab Jahrgänge mit unerträglicher Hitze im augusteischen Schloss, mit Fluten ringsum und nunmehr mit einer Pandemie. Trotzdem erklang hier jeden Sommer Kammermusik. Sie lenkte ab, fokussierte auf geniale musikalische Miniaturen und brachte stets die Pracht von Architektur und Natur des kurfürstlich-königlichen Anwesens zur Geltung.

Seit zwei Jahren nun regnet es zum Start des Festivals, das wegen Corona auf der Nordterrasse des Schlosses stattfindet. Gut, wenn das Festival-Team einen Plan B hat. Der sah am Sonnabend zum ersten diesjährigen Konzert die Kirche als Reservekonzertort vor. Das Gotteshaus hat eine gute Akustik und wie die meisten Kirchen unerträglich harte Bänke. Das wiederum hat den Vorteil, dass das Publikum stets hellwach ist. Das war gut so, denn es gab einiges zu entdecken.

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Festivalchef Jan Vogler, ehemals Cellist der Sächsischen Staatskapelle, feierte zunächst den Semperoper-Gott Richard Strauss mit dessen Sextett aus der Oper "Capriccio". Das ist ein scheinbar einfaches Stück, das im Detail von der großen Instrumentierungskunst des Komponisten zeugt. Ein feiner, unspektakulärer Einstieg. Vogler beherrscht es, Programme zu bauen, die sich steigern. Gern paart er Populäres mit selten Gehörtem und packt am Ende einen Gassenhauer dazu. Auch so diesmal.

Ein angespannter Pianist

Am Ende nahmen die Musiker das Publikum bei Dvoraks so vielfarbig wie tänzerisch Streichquintett gefangen. Musik für Herz und Hirn. So schön, so entspannend kann Kammermusik sein. Auch die Musiker lächelten, spornten sich gegenseitig an. Allein das zu erleben dank der räumlichen Nähe zu den Künstlern ist immer wieder ein Vorteil von Moritzburg.

Und zwischendurch kam Hape Kerkeling kurz vorbei. Zumindest drängte sich die Erinnerung an dessen Klassik-Sketch "Hurz" auf. Ein grandios engagiertes Fünferensemble um den Pianisten Sergio Tiempo interpretierte Alfred Schnittkes Klavierquintett von 1976. Wenig Noten, sparsamst instrumentiert, stets Atonales mit Tonalem im Gleichgewicht: Dauerpling vom Klavier und Bienensummen von den Streichern, zwischendurch ein knalliger Akkord.

Schnittke selbst sprach von "Schattenreste einer bereits entschwundenen tragischen Empfindung". Wer sich nicht auf die knarrenden Kirchenbänke unter genervten Besuchern konzentrierte, sondern auf den angespannten Pianisten und seine intensive Zwiesprache mit Vogler am Cello, der konnte einen durchaus meditativen Sound hören. Geschafft freuten sich nach gut 20 Minuten die Künstler und das fleißig applaudierende Publikum. Man wusste ja, danach kommt der mitreißende Dvorak.

Bis 22. August gibt es nahezu täglich in Moritzburg Konzerte und einmal große Sinfonik im Kulturpalast. Es lohnt, das Festivalprogramm zu studieren. Zudem werden vom 14. bis 25. August auf dem Portal Dreamstage die Konzerte gestreamt.

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