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Solange es Spaß macht, darf’s ruhig stinken

Die Band Hasenscheisse aus Potsdam hat außer ihrem skurrilen Namen etwas Prominenz und vor allem ein famoses neues Album zu bieten.

Schauspieler Christian Näthe (M.) ist Sänger, André Giese (r.) Bassist bei der Potsdamer Folk-Pop-Swing-Band Hasenscheisse.
Schauspieler Christian Näthe (M.) ist Sänger, André Giese (r.) Bassist bei der Potsdamer Folk-Pop-Swing-Band Hasenscheisse. © Johanna Kerber

Nach elf Jahren, zig Live-Auftritten und drei Studio-Alben hat sich inzwischen selbst die zunächst skeptische Plattenfirma an den Bandnamen gewöhnt. Also wird das vierte Werk von Hasenscheisse ihrerseits mit professioneller Routine behandelt. Dabei hätte es unbedingt einen Tusch verdient gehabt. Denn „Dampferjazz“ ist die perfekte Songsammlung gegen den Corona-Lockdown-Koller.

Mix aus Swing, Folk, Pop, Akustikpunk und Latin

Suhlten sich bisher diverse Pandemie-Verarbeitungs-Lieder bevorzugt in grauschwarzen Schluchze-Schattierungen, haut diese Potsdamer Combo eine Packung hochpotenter Stimmungsaufheller raus. Der musikalische Mix aus Swing, Folk, Pop, Akustikpunk und Latin würde allein schon nachhaltig wirken; die clever gesetzten, mal offenherzig witzig, mal zwischen Satire und Ironie hüpfenden Texte blasen einem den Blues endgültig aus dem Kopf. Was wiederum gut zum Credo des Quintetts passt. „Oft haben Bands tolle Namen, liefern jedoch musikalische Exkremente. Bei uns ist es eben andersrum“, fasst Bassist André Giese zusammen.

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Das Cover des aktuellen Albums.
Das Cover des aktuellen Albums. © Buschfunk

Er ist so etwas wie der Sprecher des Ganzen und erklärt daher auch die Namensfindung ganz prosaisch: „Zu Beginn waren die heutigen Frontsänger Christian Näthe und Matthias Mengert als Barden-Duo auf mittelalterlichen Rollenspiel-Treffen unterwegs. Eines Tages sollten sie ganz offiziell angekündigt werden. Während sie noch auf einer abseitigen Wiese saßen, um sich einzusingen, kam jemand vorbei und wollte wissen, wie sie sich nennen.“ Als die beiden rumdrucksten, hätte der Passant feixend gefragt: „Ist euch schon aufgefallen, dass ihr hier voll in der Hasenscheiße sitzt?“

Im vereinten Gelächter war der Name des Zwei-Mann-Unternehmens geboren worden, die spätere Band hielt daran fest. Giese: „Marketing-strategisch ist das zugegebenermaßen nicht ganz so brillant gewählt.“

Das kann die Truppe jedoch mit ein bisschen Prominenz ausgleichen. Zum einen sammelten die Musiker in Bands wie Mutabor, Keimzeit oder Renft Erfahrungen, Hauptsänger Christian Näthe wiederum kann auf eine umfangreiche Filmografie verweisen. Der Schauspieler hatte mit 13 seine erste Rolle im 1989 produzierten Defa-Kinderfilm „Feriengewitter“, mischte später in etlichen TV-Serien und -Krimis mit, aber auch in Kinohits wie „Wir sind die Nacht“, „Fack ju Göhte“ oder „Ballon“.

Hasenscheisse ist vor allem eine Live-Band, die Abgehalten-Musik mit originellen Texten verbindet.
Hasenscheisse ist vor allem eine Live-Band, die Abgehalten-Musik mit originellen Texten verbindet.

Für das neue Album schrieb er nun auch einen Song, der etwas aus dem Rahmen fällt: „Kleines sauberes Städtchen“ setzt auf die eher unübliche Kombination aus klingender Melancholie und Versen, die teils zutiefst sarkastisch sind, zudem jedoch Näthes Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Potsdam offenbaren. Eine dunkle Perle zum Schluss, die erste Nummer schillert hingegen in zig Facetten. „Der tapfere Igel“ schlingert zwischen jauchzendem Folk-Pop und Opernbombast, reizt aus, was dramaturgisch mit nur einem Song anzustellen ist. Cäsar, eine Arena, Schaukämpfe gegen monströse Viecher, am Ende eine Parabel auf das renovierungsbedürftige Hier und Jetzt. Das ist mal eine Ansage!

Was schon als Musikkonserve bestens funktioniert, schreit förmlich nach einer Bühnenpräsentation. Die Herren von Hasenscheisse sehen sich schließlich auch unbedingt als Live-Band. „Und wir haben eine besondere Beziehung zu Sachsen“, sagt Bassmann Giese. „2020 gaben wir 40 Prozent unserer Konzerte dort, von uns haben sich die ursächsischen Randfichten den Song ,Bernd am Grill’ geliehen und wir durften das 40-Jahre-MTS-Jubiläumskonzert in der Dresdner Comödie eröffnen.“

Den Job in der Band sieht er dennoch nur als zweiten Beruf, den er wie alle Kollegen der jeweils ersten Tätigkeit unterordnen muss. „Wären die Tantiemen im Streaming-Bereich nicht so miserabel, liefe es vielleicht anders.“ Weil sie es aber sind, hofft er, bald wieder auf eine Bühne zu dürfen. „Live-Musik ist das einzig Wahre!“

Das Album: Hasenscheisse, Dampferjazz. Buschfunk

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