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George Clooney will die Menschheit retten

Der Hollywoodstar über seinen neuen Film, über die drohende Apokalypse, Corona und das Windelwechseln.

Als Schauspieler ist George Clooney mit sich selbst als Regisseur durchaus zufrieden.
Als Schauspieler ist George Clooney mit sich selbst als Regisseur durchaus zufrieden. © dpa/Lehtikuva

Wo stehen wir in 30 Jahren? Was werden wir als Menschheit richtig gemacht haben, was falsch? Womöglich stehen wir sogar vor dem Ende unseres Planeten, sinniert George Clooney im Apokalypse-Szenario seines neuen Films „The Midnight Sky“, der derzeit beim Streamingdienst Netflix zu sehen ist. Gerade, als man dachte, der 59-jährige Schauspieler, Regisseur und Produzent würde sich nur noch um sein privates Glück mit Frau und Zwillingen kümmern, meldet er sich eindrücklich zurück. Per Video-Interview beweist Clooney, dass ihm weder Humor, Haltung noch Hoffnung abhandengekommen sind. Und der Sohn eines Fernsehmoderators gibt bei dieser Gelegenheit extrem seltene und sehr private Einblicke in seine Ansichten über Leben und Tod.

Herr Clooney, Sie zeigen in „Midnight Sky“ das Ende der Welt, jedoch ohne zu verraten, was genau mit unserem Globus passierte. Warum?

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Wir wollten nicht zu spezifisch sein, sondern den Weltuntergang der Vorstellungskraft des Publikums überlassen – die Fantasie ist stärker als alles, was man im Film zeigen kann. Es bleibt daher jedem selbst überlassen, ob die Klimakatastrophe ein Loch in der Atmosphäre verursachte oder ob eine nukleare Krise der Auslöser gewesen sein könnte. Wie wollten nur eines klar machen: Bei all dem Hass und der Spaltung, die wir derzeit in der Welt sehen, vor allem 2020, müssen wir uns eingestehen, dass die Menschheit zerbrechlicher ist, als wir es je für möglich hielten.

Prägen Spaltung und Zorn derzeit nicht vor allem Ihre Heimat?

Die USA hatten definitiv einen Löwenanteil daran! Aber unsere gesamte Gesellschaft ist fragil, wir alle müssen aufpassen. Präsident Jimmy Carter sagte, dass nicht nur Krieg, sondern auch Frieden mit großer Anstrengung erkämpft werden muss. Frieden erhält sich nicht von selbst. Es ist leider gar nicht so abwegig, dass wir in 30 Jahren am Abgrund stehen. „The Midnight Sky“ handelt davon, was Menschen sich selbst als Spezies antun können. Ich habe mich in das Buch verliebt, weil es eine so wichtige Frage stellt: die Frage, ob die Menschheit es wert ist, für sie zu kämpfen. Ich bin überzeugt, dass die Antwort ein klares Ja ist.

Sie inszenierten also eine fiktive Apokalypse, bis dann durch Covid-19 ein reales Endzeit-Szenario Ihre Fiktion einholte?

Ja. Kaum waren wir fertig mit dem Dreh, ging die Pandemie los. Wir hatten noch Glück, wir wurden im Februar fertig. Ich flog nach Hause nach Los Angeles, zusammen mit Grant Heslov, als jemand uns erklärte, dass nun bei der Postproduktion besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich wären. Der Typ sagte wörtlich noch: „Aber keine Sorge, Covid ist nur für alte Leute gefährlich!“ Und ich sagte, na prima, dann gibt’s ja kein Problem. Woraufhin er entgegnete: „Na, alte Leute ab 55 Jahren aufwärts!“ Und ich dachte: „Waaaas? Dann bin ich also alt??? Was für eine Frechheit!“

Gaben Corona und das seltsame Jahr 2020 Ihrem Projekt eine neue Lesart?

Ja, dadurch ergab sich für uns eine übergeordnete Relevanz: die Erkenntnis, wie wichtig ein Zuhause ist und dass man mit den Menschen zusammen sein kann, die man liebt. Sich mit ihnen auszutauschen. Es reicht nicht, wenn man nur über Computer-Bildschirme miteinander kommuniziert. Auch dieses Gespräch ist sicher das seltsamste Interview, das wir je geführt haben. Statt an einem Tisch zusammenzusitzen, starren wir in Bildschirme hinein.

Was haben Sie über sich während des Lockdowns gelernt?

Na ja, wie viele andere habe ich in der Zeit hauptsächlich Wäsche gewaschen, den Boden feucht aufgewischt, Geschirr gespült und Windeln gewechselt – nicht meine Windeln, so alt bin ich noch nicht, sondern die Windeln meiner Kinder. Während der Pandemie fühlte ich mich oft in die Zeit zurückversetzt, als ich noch alleine in einem Appartement wohnte. Ich habe gelernt, dass ich mir vertrauen kann und noch gut klarkomme. Ich bin immer noch ein passabler Handwerker, kann immer noch Lampen neu anschließen, das Waschbecken austauschen und Kleinigkeiten reparieren. Ich war froh zu merken, dass ein einfaches Leben bei mir immer noch gut funktioniert.

George Clooney (Augustine) und Caoilinn Springall (Iris) in einer Szene des Films "The Midnight Sky" .
George Clooney (Augustine) und Caoilinn Springall (Iris) in einer Szene des Films "The Midnight Sky" . © Netflix

Ein Magazin nannte Sie vor Jahren, als Sie noch Single waren, den „einsamsten Mann Hollywoods“. Traf das rückwirkend betrachtet zu?

Für mich war es nie ein Problem, alleine zu sein, dazu kann ich mich zu gut beschäftigen. Ich lese gern in Ruhe oder nehme mir Zeit für etwas anderes. Natürlich möchte ich nicht mehr zu lange allein sein! Aber ich habe mittlerweile Zwillinge, die drei Jahre alt sind und sehr temperamentvoll. Bei uns zu Hause gibt es nicht einen Moment Ruhe! Ich sehne mich gerade unglaublich nach einem winzigen bisschen Einsamkeit. Ich würde mein linkes Bein dafür geben!

Nach einem Jahr mit Pandemie und Lockdown mit zwei Dreijährigen hat die Frage zugegebenermaßen eine andere Relevanz. Eine goldene Regel der Filmbranche lautet ja: „Drehe nie mit Kindern oder Tieren!“ Dieses Gesetz haben Sie nun schon einige Male gebrochen. Was hat Sie die Arbeit mit Kindern gelehrt?

Na, eine Zeit lang habe ich mir gesagt, es ist besser, keine eigenen Kinder zu kriegen. Aber das habe ich ja nun auch gründlich in den Sand gesetzt! Nein, mal im Ernst: Das Spielen mit der achtjährigen Caiolinn hier war fantastisch. Die Kleine hatte noch nie zuvor einen Film gedreht, aber ist ein Naturtalent. Jedes Mal war ihre Szene nach einem einzigen Take im Kasten, wie ein Profi. Ich habe die erwachsenen Kollegen damit gerne getriezt und unter Druck gesetzt: „Heute brauchte sie wieder nur einen einzigen Versuch!“ Die Kollegen, die derweil noch probten, während ich mit Caiolinn auf Island drehte, waren fassungslos. Wenn ich nur sagte: „Mach mal für mich dein trauriges Gesicht“, dann war’s gleich perfekt!

Wie zufrieden war Regisseur Clooney mit seinem Hauptdarsteller Clooney? Im Ernst: Wie bewahrt man sich in der Doppelfunktion vor Fehlern oder Fehleinschätzungen?

Bei dieser Konstellation gab es nur einen einzigen Vorteil: Ich wusste als Schauspieler genau, was der Regisseur von mir erwartet! Für den Rest bekam ich Hilfe von meinem Freund Grant Heslov. Wir kennen uns seit bald 40 Jahren, seit der Schauspielschule. Er hat mir 1982 mal 100 Dollar geliehen, damit ich professionelle Porträtfotos von mir machen konnte. Wir betreiben heute zusammen eine Produktionsfirma, für „Argo“ haben wir gemeinsam den Oscar gewonnen. Als ich vor der Kamera stand, saß er immer neben dem Monitor und behielt alles im Blick. War ich schlecht, kam von ihm sofort: „Noch mal, du Schmock!“ Ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Wenn er zufrieden war, war ich es auch.

Macht es Ihnen keinen Spaß, mal „nur“ für einen normalen Schauspieljob vor der Kamera zu stehen?

Doch, und außerdem kann ich dank dieser Jobs meine Rechnungen bezahlen. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich werde als Regisseur gar nicht gut bezahlt. Ich mache das tatsächlich nur, weil es mir sehr viel bedeutet. Um das nötige Geld zu verdienen, muss ich dagegen weiterhin ab und zu als Schauspieler arbeiten.

Das Interview führte Mariam Schaghaghi.

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