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Hape Kerkeling ist wieder da - mit einem Schlager-Album

Hape Kerkeling meldet sich nach langer Pause mit dem Schlager-Album "Mal unter uns ..." zurück - und sucht auch wieder das Rampenlicht. Ein Interview.

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Hape Kerkeling hat ein Album mit 14 teils sehr persönlichen Songs herausgebracht.
Hape Kerkeling hat ein Album mit 14 teils sehr persönlichen Songs herausgebracht. © Sony Music ; Susie Knoll

Von Steffen Rüth

Er ist wieder voll da. Hape Kerkeling hat ein Buch geschrieben, zwei Fernsehserien gedreht und das charmant-nachdenkliche Schlageralbum „Mal unter uns …“ aufgenommen. Vor sieben Jahren hatte der 56-jährige Wahl-Bonner beschlossen, beruflich kürzerzutreten. Ein Gespräch über die neu erwachte Schaffenslust, seine Katzen, die Großmutter und seine Tanzqualitäten.

Herr Kerkeling, „Ich leb den Traum“ heißt eines Ihrer neuen Lieder. Es fängt ruhig an, um dann förmlich in Euphorie zu explodieren. Fasst dieser Song, die knapp 57 Jahre Ihres irdischen Daseins treffend zusammen?

Ja! Ich komme nicht umhin, festzustellen, dass das, was ich mir als kleiner Junge für mich und mein Leben gewünscht habe, tatsächlich wahr geworden ist. Insofern ist mein Leben ein Traum.

Wäre der junge Hape über den erwachsenen überrascht?

Nein, das glaube ich nicht. Er hätte sich seine ältere Version in etwa so gewünscht. Vielleicht ein bisschen dünner, aber ansonsten kommt das schon hin.

Würden Sie gerne die Zeit anhalten?

Nein, das brauche ich nicht. So, wie es ist, ist es gut. Der liebe Gott regelt das schon.

Auf Ihrem Album „Mal unter uns…“ wechseln sich heitere Momente mit tiefen und ernsten Emotionen ab. Wie war es für Sie, doch so tief in Ihrem Inneren zu graben?

Das war sehr spannend für mich. Ich muss gestehen, dass ich dieses Album ehrlicherweise wohl ohne die Pandemie nicht aufgenommen hätte. Durch Corona hatte ich wirklich viel Zeit, darüber nachzudenken, was ich mir so auf meinem künstlerischen Weg noch wünsche. Und am Horizont entdeckte ich dann die Idee für dieses Album. Sagen wir mal, ich habe mich bei diesen Liedern selbst davon verblüffen lassen, wie weit ich teilweise inhaltlich gehe und wie sehr ich mich öffne.

Der letzte Song „Wenn der Vorhang langsam fällt“ deutet an, dass Sie auch auf Tournee gehen möchten, oder?

Ich kann mir das wirklich gut vorstellen. Ich sehe mich eher nicht in riesigen Hallen, aber auf eine kleine Tournee mit kleinem Besteck hätte ich wirklich Lust. Jeder Künstler, der am Ende den Applaus entgegennimmt, darf sich fühlen wie ein König auf dem Thron. Und ich mag dieses Gefühl schon sehr.

Sie singen in dem Stück, dass Auftritte eine „bittersüße Sucht“ seien. Hat Ihnen das Rampenlicht dann doch zu sehr gefehlt in der Semi-Auszeit?

Tatsächlich hat die Coronazeit diese ganzen Projekte und das Comeback an sich getriggert. Mir ist in den letzten anderthalb Jahren bewusst geworden, dass ich gerne wieder zurückkommen möchte auf die Bühne, auch ins Fernsehen. Ich hatte seinerzeit immer gesagt, ich möchte keine großen Fernsehshows mehr machen, alles andere habe ich gar nicht so ausgeschlossen. Ich habe ja auch weiter Bücher geschrieben, Lesungen gemacht, in Filmen mitgespielt oder Filme synchronisiert und insofern nie ganz losgelassen. Aber die Vorstellung, mal wieder als Sänger auf die Bühne zu gehen, noch dazu mit einem neuen Album, die reizt mich wirklich.

Wenn Sie durch die Corona-Ruhe so kreativ geworden sind, wie stehen Sie dieser Zeit dann insgesamt gegenüber?

Also weder das Buch „Pfoten vom Tisch!“ noch das Album „Mal unter uns…“ oder die Fernsehserie „Hape und die 7 Zwergstaaten“, die ab 21. November bei Vox läuft, und die RTL-Serie, die ich gerade realisiere, hätte ich gemacht, wenn es Corona nicht gegeben hätte. Ich merkte einfach, da ist noch so einiges, was ich gerne angehen möchte. Andererseits war das natürlich eine ganz, ganz schreckliche Zeit. Die vielen Toten sprechen ja für sich. Corona hat mich, wie alle anderen auch, stark geprägt und verändert.

Sie leben mit Ihrem Mann in Bonn und haben auch ein Häuschen in Umbrien. Wo haben Sie die Pandemie verbracht?

In Bonn. Ich war 16 Monate ununterbrochen an einem Ort. Das hatte ich so in meinem Leben noch nie. Selbst als Säugling bin ich mehr unterwegs gewesen, insofern war das eine ganz neue Erfahrung. Es war ja alles geschlossen. Das Leben war reduziert auf Spaziergänge am Rhein und um den Rhein herum.

Auf „Mal unter uns…“ interpretieren Sie Lieder, die in Holland große Hits waren. Manche Ihrer Texte sind nah am Original, bei anderen gehen Sie eigene Wege. Wie kam es zu diesem Konzept?

Ich bin ein großer Freund der niederländischen Musik und ein großer Freund der Holländer als solcher. Ich habe dort verwandtschaftliche und freundschaftliche Bindungen, und ich bin eben auch mit dieser Musik groß geworden. Sie hat mich geprägt. Besonders gut gefallen hat mir immer, dass die Holländer im Schnitt ein bisschen melancholischer sind im Schlager als wir. Mich hat einfach gereizt, diese Lieder ins Deutsche zu übertragen, also durchaus melancholisch zu sein, ohne dass es gleich in Schmalz ausartet.

„Amsterdam“ ist ein explizit schwules Liebeslied. Es geht um eine gemeinsame Nacht mit einem Studenten namens Jan.

Ja. Ich wollte das genau so. Das haben wir mit voller Absicht so geschrieben. Berlin möchte das zwar immer sein, aber ich glaube, in Wahrheit ist Amsterdam die schwule Hauptstadt Europas. Von daher lag es nah, diese Geschichte genau dort zu verorten.

Trifft der Eindruck zu, dass Sie immer selbstverständlicher und entspannter mit Ihrer Sexualität umgehen?

Ehrlich gesagt, war ich persönlich in Bezug auf meine Homosexualität eigentlich immer sehr entspannt. Das Umfeld war vielleicht manchmal nicht ganz so entspannt, und das führte dazu, dass man sich selber das ein oder andere Mal etwas verkrampft hat. Tatsächlich ist es aber so, dass unsere Gesellschaft insgesamt entspannter und offener geworden ist und dadurch auch empfänglicher für ein solches Lied, als das vielleicht noch vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall gewesen wäre.

In „Glaub an dich“ singen Sie über Ihre Oma. Wie wichtig war sie für Sie?

Ich bin bei meiner Großmutter groß geworden, insofern hat sie mich mindestens genauso geprägt wie meine Mutter. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, was meine Oma da vollbracht hat, als damals über 70-jährige Frau ein kleines Kind zu erziehen, sich das überhaupt zuzutrauen und es auch noch halbwegs ordentlich gemacht zu haben. Das finde ich äußerst beeindruckend, und so ist meine Liebe zu ihr sogar nochmal gewachsen.

Ein weiteres Lied heißt „Sexy, wenn ich tanz“. Ist Tanzen Ihr einziger Sport?

Neben einem bisschen Yoga ist es das. Es sei denn, auch das tägliche Einkaufen fällt unter die Rubrik „Sport“.

Was gefällt Ihnen am Tanzen?

Im Tanz äußert sich der Mensch auf ganz authentische Weise. Da sieht man, was das für eine Person ist, ob sie zum Beispiel eher forsch ist oder eher zurückhaltend. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, zu tanzen und sich dabei ganz selbstbewusst auch sexy zu fühlen. Und zwar unabhängig davon, ob man wirklich sexy ist oder nicht. Denn das ist egal, es zählt beim Tanzen das eigene gute Gefühl.

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Der Entertainer Hape Kerkeling will nach sieben Jahren Bühnenabstinenz zurück ins Rampenlicht. © dpa