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Indischer Ökonom erhält Friedenspreis

Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020 ausgezeichnet.

Karin Schmidt-Friderichs (l), Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, verleiht Amartya Sen, indischer Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Nobelpreisträger, der aus den USA zugeschaltet ist, in der Frankfurter Paulskirche den Fried
Karin Schmidt-Friderichs (l), Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, verleiht Amartya Sen, indischer Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Nobelpreisträger, der aus den USA zugeschaltet ist, in der Frankfurter Paulskirche den Fried © dpa

Frankfurt a. M. Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen ist am Sonntag in Frankfurt am Main mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. "Amartya Sen schreibt an gegen die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Laudatio, die in der Paulskirche von Schauspieler Burghart Klaußner verlesen wurde. Sen sei eine "moralische Instanz". Seine Überzeugungen "sind Kernüberzeugungen, die mir aus dem Herzen sprechen", bekannte der Bundespräsident.
Weder der Laudator noch der Preisträger konnten wegen der Corona-Pandemie anwesend sein.

Steinmeier ist wegen der Corona-Infektion eines seiner Personenschützer seit Samstag in Quarantäne. Sen war per Video aus Boston zugeschaltet. Die Veranstaltung fand fast ohne Gäste in der Paulskirche statt, wurde aber in der ARD übertragen.

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In seiner Rede hob der Bundespräsident hervor, Amartya Sen sei "wie kein anderer verbunden mit der Idee der globalen Gerechtigkeit". Er sei zwar "durch und durch Akademiker", aber sein Werk bleibe nicht akademisch. Er wolle verstanden werden, und er wolle die Welt nicht nur begreifen, er wolle sie verändern. "Amartya Sen hat sie verändert", lobte Steinmeier.

Der in Boston lebende Preisträger Sen beklagte in seiner Dankesrede repressive Tendenzen in vielen Staaten Asiens, Europas, Lateinamerikas und in den USA. Dabei konzentrierte er sich auf die politischen Verhältnisse in seinem Heimatland Indien. Von der Regierungslinie abweichende Meinungen würden dort als "Aufwiegelung" angesehen. "Missliebige Menschen können einseitig zu Terroristen erklärt und ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen werden", klagte Sen. Vorbeugehaft sei unter der hindu-nationalistischen Regierung üblich wie einst während der britischen Kolonialherrschaft.

Staatlicher "Autoritarismus" sei eine weltweite Pandemie

Muslime würden in Indien systematisch unterdrückt und von Hindu-Nationalisten "wie Ausländer" behandelt, kritisierte Sen, der selbst Hindu ist. Auch die heute als Dalits bezeichnete einstige "Kaste der Unberührbaren" werde trotz formaler Antidiskriminierungsmaßnahmen weiter unterdrückt.

Weltweit erschwere soziale Spaltung den gesellschaftlichen Fortschritt, klagte der international renommierte Wirtschaftsphilosoph. Dabei erwähnte er namentlich Polen und Brasilien wegen ihrer homophoben Regierungen, die Philippinen wegen ihrer repressiven Drogenpolitik und die USA angesichts der noch immer "zementierten Ungleichheit" von Schwarzen und Weißen. Staatlicher "Autoritarismus" sei eine weltweite Pandemie, vergleichbar der Verbreitung des Coronavirus.

Sen wurde 1933 in der indischen Region Westbengalen geboren. Er forscht seit Jahrzehnten über die Folgen der Globalisierung und die Ursachen von Armut und Hunger. Für seine Theorien zur Wohlfahrtsökonomik in Entwicklungsländern erhielt er 1998 den Wirtschaftsnobelpreis.

Der Friedenspreis wird traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse verliehen. Er wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr erhielt der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado den Preis. (epd)

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