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James Bond im Anflug: das Bangen um den neuen Film

Reißt er es raus? James Bond "Keine Zeit zu sterben" kommt zwei Jahre verspätet am Donnerstag ins Kino. Die Erwartungen daran könnten nicht höher sein.

Wer will mich denn da schreddern? Zum 25. Mal kommt James Bond ins Kino, zum letzten Mal mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Zum Thema "Wird der neue 007 eine Frau?" sagt der Brite: Bloß nicht!
Wer will mich denn da schreddern? Zum 25. Mal kommt James Bond ins Kino, zum letzten Mal mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Zum Thema "Wird der neue 007 eine Frau?" sagt der Brite: Bloß nicht! © EON Productions/Metro-Goldwyn-Ma

Die Filmbranche gleicht in diesen Tagen noch mehr als zuvor einer Gemeinschaft von Gläubigen, die mit aus Bangigkeit und Hoffnung zusammengerührten und geschüttelten Gefühlen dem Messias entgegenblicken: Mit fast zwei Jahren Verspätung kommt am Donnerstag „der neue James Bond“ ins Kino. Immer wieder war das neueste Agentenspektakel aus der berühmtesten und ältesten Actionfilmreihe der Welt wegen der an- und ab- und wieder anschwellenden Corona-Krise verschoben und neu terminiert und wieder verschoben worden. Jetzt soll „Keine Zeit zu sterben“ zwei Missionen auf einmal erfüllen: dem schwächelnden Kinomarkt den ersehnten Kassenknüller bescheren und zeigen, wie gut ein hoch magnetischer Film überhaupt laufen kann in anhaltenden Zeiten der Einschränkungen.

Wenn Bond das Kino nicht zu retten vermag – wer dann? Erst recht bei einer Gesamt-Investition in Höhe von geschätzten 400 Millionen Euro ... Zugleich verhält es sich mit dem Agenten Ihrer Majestät ein wenig wie mit dem verhassten Onkel beim Familienfest: Wenn er kommt, bleiben die anderen fern. Weil kein Filmverleih aufwendige Großproduktionen zur selben Zeit wie Bond an den Start schickt; gegen ihn können sie nur verlieren und am Rande untergehen. Das wäre ökonomischer Selbstmord.

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Für seine Darstellung des Queen-Sänger Freddie Mercury in "We Will Rock You" gewann Rami Malik den Oscar. Nun spielt der den neuen Bond-Bösewicht Safin - ohne künstliche Schneidezähne.
Für seine Darstellung des Queen-Sänger Freddie Mercury in "We Will Rock You" gewann Rami Malik den Oscar. Nun spielt der den neuen Bond-Bösewicht Safin - ohne künstliche Schneidezähne. ©  AP/dpa

Sag niemals nein: Der "alte Bond" war ein Vergewaltiger

So wird „Keine Zeit zu sterben“ das Feld der Blockbuster-Debüts ab Donnerstag für eine Woche fast ganz alleine beackern. Tatsächlich dürfte James Bond den Start des Jahres hinlegen. Das liegt natürlich an seiner unveränderten Popularität, aber ebenso an der langen Wartezeit und am großen Gewese, das um den 25. Film entstanden ist. Schließlich will der in dieser Rolle extrem beliebt gewordene Brite Daniel Craig den Job nun wirklich und ganz bestimmt zum allerletzten Mal machen. Und schließlich gab und gibt es um die Nachfolge endlose äußerst unterhaltsame Debatten. Wird der neue Bond von einer Frau verkörpert werden? Oder von einem schwarzen Schauspieler? Oder gleich von einer schwarzen Schauspielerin?

Freilich war es der Aufmerksamkeit nicht unzuträglich, dass Daniel Craig sich unlängst gegen einen weiblichen Bond ausgesprochen hat, unter wohleinkalkulierten Empörungsrufen – „Wie kann er nur?!“ Fast zeitgleich bezeichnete Regisseur Cary Fukunaga in einem Interview den „alten Bond“, namentlich den aus Filmen mit Sean Connery, als einen faktischen Vergewaltiger. Was durchaus zutrifft.

Jetzt ist er auch noch treu geworden ...

Aber die Zeiten des schwer erträglichen Chauvinisten mit der Lizenz zum Löten sind ohnehin vorbei, seit Craig die Figur in die Gegenwart herübergerettet hat. Vom Anfang namens „Casino Royale“ an waren neben Bonds äußeren dessen innere Verletzungen sichtbar, ebenso wie bei Oberbösewicht Raoul Silva in „Skyfall“. Nicht anders als seelisch porös ist in „Keine Zeit zu sterben“ Finsterling Safin, gespielt von „We Will Rock You“-Star Rami Malik, diesmal ohne Mercury-Schneidezähne.

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Und die Frauen? Verlocken 007 nur noch in Maßen. Denn neben Christoph Waltz, der noch einmal „Spectre“ (und dabei wohl wieder vor allem sich selbst) spielen wird, kehrt Lea Seydoux als James’ große Liebe Madeleine Swann auf die Leinwand zurück; jetzt ist Bond auch noch treu geworden! Wie die Sache ausgeht? Auch da setzt „Keine Zeit zu sterben“ Maßstäbe für das Trommelrühren: Der Trailer deutet aufs Perfekteste ein in mehrerer Hinsicht spektakuläres Ende an. Mehr als bei diesem Bond kann man für den Erfolg eines Filmes wirklich nicht tun.

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