merken
PLUS Feuilleton

Kate Winslet brilliert als Polizistin

Die ehemalige "Titanic"-Heldin spielt in der neuen Serie „Mare Of Easttown“ eine Ermittlerin, die Serienmorde an Mädchen aufklären muss.

Cop Mare Sheehan (Kate Winslet) geht auf Verbrecherjagd und wird bald selbst zum Opfer.
Cop Mare Sheehan (Kate Winslet) geht auf Verbrecherjagd und wird bald selbst zum Opfer. © Sky

Von Andreas Körner

Im weltumspannenden Unterhaltungskino ist Kate Winslet eine der wirklich angstfreien Schauspielerinnen. Spätestens seit sie 1997 mit ausgebreiteten Armen vor Leonardo DiCaprio auf dem Bug der „Titanic“ stand und hernach mit ihm zu Wasser ging, hat sie durch künstlerische Engstirnigkeiten wohl so gut wie keinen Regisseur und keine Regisseurin verprellt. Sie sollte nackt sein? Sie war nackt. Sie sollte zicken? Sie zickte. Eine Mörderin gleich im ersten Film? Und ob! Literarische Vorlagen von Shakespeare, Jane Austen, Yates und Reza, Thriller, Drama, sperrige Kunst, Action, Tanzen, Singen, Herumalbern – die Britin hat es mit unbändiger Lust getan. Kein Wandelröschen in der Sonne ist die 45-Jährige, sondern eine aufrecht gewachsene Wandelrose, die es gern auch schattig mag.

DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal

Unser DDV-Lokal-Shop ist der Ort, an dem wir für Sie das Besondere großschreiben. Egal ob als Überraschung für Ihre Liebsten oder für Sie selbst: Unsere Geschenke und Manufakturwaren vereinen Tradition, Qualität und Handwerkskunst vom Feinsten. Denn Sachsens Händler, Dienstleister und Manufakturen haben sehr viel zu geben – und wir bringen es in unserem Online-Shop für Sie zusammen. Dabei hält unser Name, was er verspricht: „Bestes für Sachsen“. Denn der überwiegende Teil der bei DDV Lokal angebotenen Produkte und Dienstleistungen trägt das Gütesiegel „Made in Saxony“. Waren aus heimischen Manufakturen und original sächsische Innovationen bringen wir in enger Kooperation

Vor allem Schatten jeglicher Art wirft Polizistin Mare Sheehan, die Kate Winslet jetzt in der siebenteiligen Miniserie „Mare Of Easttown“ fulminant verkörpert. Auch das Lächeln steht ihr gut, doch die Gelegenheiten sind selten. Da brennt sich eine Szene wie jene regelrecht ein, in der Mare mit ihrer Mutter im Auto sitzt und herzig losprustet, weil kurz zuvor eine geheime Affäre der betagten Frau Mama öffentlich gelüftet worden war. Auf einer Trauerfeier.

Wenn die Wut der Bürger wächst ...

Ansonsten ist der Kleinstadtalltag im Osten der USA eher trist bis ernüchternd mit leichter Steigerung ins Hoffnungslose hinein. Denn jugendliche Mädchen verschwinden. Eines ist seit einem Jahr noch nicht wieder aufgetaucht, ein nächstes liegt bald ermordet im Waldbach, das Kidnapping des dritten sorgt dafür, dass man von einer Serie spricht dort in Easttown nahe Philadelphia. Kein Philly-Sound, nichts zum Tanzen, die Klänge wabern dunkel. Und Mare Sheehan bekommt die Wut der Bürger zu spüren.

Sie ist eine von hier, war vor 25 Jahren eine glitzernde Heldin des lokalen Basketball-Teams, blieb da, heiratete, bekam zwei Kinder, ließ sich scheiden, wurde Großmutter. Der Ex wohnt gleich nebenan. Man sieht sich auch ansonsten gegenseitig in die Fenster, weit mehr als nur im übertragenen Sinne. Man schmeißt auch schon mal Scheiben ein, wenn man mit dem Fortgang der Ermittlungen oder falschen Verdächtigungen nicht einverstanden ist.

Gute Nacht, Alptraum!

Mare wird im Supermarkt angeblafft oder beim Tanken. Freundinnen könnten bald ehemalige sein, sie steht permanent unter Strom, privat und dienstlich entwickelt sich alles mehr und mehr in Richtung Katastrophe. Es reicht also nicht, dass sich ihr drogenabhängiger Sohn vor Jahren das Leben genommen und einen eigenen, jetzt vierjährigen Jungen hinterlassen hat, der unter einem engen Dach mit Oma Mare und deren Teenie-Tochter Siobhan (Angourie Rice) samt Mutter Helen (Jean Smart) die größtmögliche Fürsorge bekommt.

Mare raucht E-Zigarette in Kette, trinkt Bier, wo immer es eines gibt. Sie kocht nicht, weil es Pizza und Burger gibt im Land, ihren Haaren verweigert sie die turnusmäßige Färbung, Braun dominiert ihre zünftig schlabbernde Kleidung, die Mares nach oben offenes Körpergewicht nur notdürftig kaschiert. An der Bar stolpert sie am liebsten über sich selbst, traut dem Verlieben längst nicht mehr und wenn es ein Mann wie Richard (Guy Pearce) in ihre Nähe schafft, dann soll es bestenfalls für eine Nacht sein. Dass der smarte Autor an ihr dranbleibt, verwundert. Mare weiß es ruppig zu unterlaufen. Einmal sagt ein Kollege den wunderbar doppeldeutigen Satz, der allerdings nur im Englischen funktioniert: „Good Night, Mare!“ - Gute Nacht, Alptraum.

Als Nächstes wieder: Liebe

Diese Polizistin ist nicht vorsätzlich erdacht, die ganze Szenerie der Serie wurde aus Alltag gebaut und braucht keine heftigen Handlungsüberraschungen. Regisseur Craig Zobel hat sie auch nicht vorgesehen. „Mare Of Easttown“ nährt sich weniger vom Thriller-Plot, vom Ermitteln und Jagen eines Täters. Da sind die Episoden sogar eher beliebig, verzichten nicht auf gängige falsche Fährten, eher müde Wendungen und nicht mal auf Kirchendiener, die sich ins Visier von Mutmaßungen bringen.

Diese am Ende knapp sieben Stunden leben stimmig und intensiv von stickiger Atmosphäre. Mit Charakteren, die gescheite Konturen haben und vom Privaten ins Gesellschaftliche weisen. Mit Scheu, Scham, Lügen, Zweifeln, entladenem Hass, Familie als Leim, der alles zusammenhält und sei es notdürftig. Gedreht wurde im echten Easttown, mit dabei waren auch Einwohner der Stadt. „Einmal mit Profis arbeiten“ wurde für sie Motto und Ereignis.„Mare Of Easttown“ überbrückt Zeit. Denn im Herbst soll endlich „Ammonite“ im Kino starten, der die unerschrockene Kate Winslet in einer packenden Liebesgeschichte zweier Frauen im 19. Jahrhundert zeigt. Es ist das nächste Kapitel ihrer nicht vorhandenen Angst.

„Mare Of Easttown“ läuft ab 21. Mai auf Sky.

Mehr zum Thema Feuilleton