merken
Feuilleton

Katharina Wagner freut sich auf Bayreuth

Die Chefin der Festspiele über einen ungewöhnlichen Jahrgang, Frauen am Pult und Gespräche mit Christian Thielemann.

Die Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele, war schwer krank.
Die Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele, war schwer krank. © Foto: Nicolas Armer/dpa

Katharina Wagner hat schwere Zeiten hinter sich. Erst mussten die Festspiele 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, dann erkrankte sie selbst – Lungenprobleme, die aber nichts mit Corona zu tun hatten – so schwer, dass sie wochenlang im Koma lag.

Das werden Bayreuther Festspiele, wie es sie so wohl noch nie gegeben hat. Auf was freuen Sie sich nach einem Jahr Pause besonders?

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Auf höchstwahrscheinlich 911 Personen im Saal und auf den einzigartigen Wagnerklang unseres Orchesters live aus dem Orchestergraben. Wieder vor echtem Publikum spielen zu können freut mich am allermeisten. Ich bin sehr zufrieden mit unserer künstlerischen Aufstellung und freue mich besonders auf die Konzerte mit Andris Nelsons, Christian Thielemann und die Walküre unter Pietari Inkinen. Unser diesjähriger Diskurs „Ring 20.21“ verspricht szenisch und musikalisch sehr spannend zu werden.

Im vergangenen Jahr waren Sie schwer krank – wie geht es Ihnen heute?

Sehr gut, ich fühle mich gut und bin auch wieder vollständig genesen.

Was war für die Festspiele die größte Herausforderung in der Krise?

Den Mut nicht zu verlieren und alles dafür zu tun, damit Festspiele in diesem Jahr wieder möglich sind.

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Spielpläne der kommenden Jahre?

Es mussten Neuproduktionen verschoben werden. Ursprünglich hätte es bereits im letzten Jahr den neuen Ring geben sollen. Auch die Neuproduktionen „Parsifal“ und „Tristan und Isolde“ mussten verschoben werden.

Erste Dirigentin seit 145 Jahren

Glauben Sie, dass die Corona-Pandemie auch dauerhaft Auswirkungen auf die Festspiele und die Opernszene insgesamt haben wird?

Das hoffe ich nicht, da das Live-Erlebnis durch nichts zu ersetzen ist, auch nicht durch Streamings.

Die Gesellschafter nehmen in diesem Jahr deutlich mehr Steuergeld in die Hand, um Festspiele zu ermöglichen, die aber noch weniger Menschen vor Ort erleben können als üblicherweise schon. Ist das gerechtfertigt?

Wir sind den Gesellschaftern sehr dankbar für dieses wichtige Zeichen. Hätten die Festspiele erneut abgesagt werden müssen, wäre dies ein auch kulturpolitisch bedenkliches Signal gewesen. Nun haben wir nahezu die halbe Auslastung, insoweit werden sich auch die Mehraufwendungen im Verhältnis reduzieren, ursprünglich hätten nur etwas mehr als 200 Zuschauer zugelassen werden sollen.

Mit Oksana Lyniv steht in diesem Jahr zum allerersten Mal in der Festspielgeschichte eine Frau am Dirigentenpult. Warum hat das 145 Jahre gedauert?

Weil es offenkundig nicht genug Dirigentinnen gab. Ich bin gespannt, wie Frau Lyniv die herausfordernde Aufgabe hier im besonderen Bayreuther Orchestergraben meistern wird.

Bei den letzten Festspielen im Jahr 2019 gab es Buhrufe für die schwarze Drag-Queen Le Gateau Chocolat. Muss die Opernszene diverser werden? Was kann Bayreuth dazu beitragen?

Die Inszenierung von Tobias Kratzer regt zum Nachdenken an und ruft vielfältige Reaktionen hervor, so soll es auch sein. Ich finde die Inszenierung hervorragend und ja, Oper muss und soll divers sein.

Nach der Coronapause öffnet das Festspielhaus in Bayreuth dieses Jahr wieder seine Türen.
Nach der Coronapause öffnet das Festspielhaus in Bayreuth dieses Jahr wieder seine Türen. © Daniel Karmann/dpa

Sie haben den als „Blutkünstler“ bekannt gewordenen Hermann Nitsch in diesem Jahr für die „Walküre“ engagiert – warum?

Weil ich Hermann Nitsch für einen herausragenden bildenden Künstler halte, dessen Lebenstraum sich mit dem Engagement in Bayreuth erfüllt. Es war unser Wunsch, in diesem pandemiebedingt ringfreien Jahr dennoch nicht nur auf einen Ring zu verzichten. Durch Auftragswerke in verschiedenen Kunstrichtungen werden alle Teile des „Ring des Nibelungen“ gespiegelt, kommentiert, fortgeschrieben oder neuartig erlebbar gemacht.

Wann werden Sie selbst mal wieder in Bayreuth inszenieren?

Die kommenden Jahre dürfen erst einmal andere bestreiten.

Weiterführende Artikel

Von Dresden nach Bayreuth - als erste Dirigentin

Von Dresden nach Bayreuth - als erste Dirigentin

Die Ukrainerin Oksana Lyniv ist die erste Frau am Pult der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele – in 145 Jahren Geschichte. Studiert hat sie in Dresden.

Sie gehen ohne einen Musikdirektor Christian Thielemann in die Festspiele 2021, weil sein Vertrag zum Jahresbeginn ausgelaufen ist. Wird es einen neuen Vertrag mit ihm als Musikdirektor geben?

Wir befinden uns dazu gerade in guten Gesprächen, des Titels Musikdirektor bedarf es dabei nicht.

Gespräch: Britta Schultejans (dpa)

Mehr zum Thema Feuilleton