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Kein Muttertag ist auch keine Lösung

Nein, Blumen helfen Müttern nicht, die unter der Mehrbelastung in der Pandemie leiden. Aber diskutieren kann man ja auch mit Blumen.

Von Blumen wird Mama nicht glücklich - aber ihne auch nicht.
Von Blumen wird Mama nicht glücklich - aber ihne auch nicht. © dpa/Annette Riedl

Es gehört ja ein bisschen zum guten Ton, alle nicht offiziellen „Sondertage“, tja, man muss es so sagen: zu verteufeln. Sie seien uns nur von den Amerikanern oder wahlweise der Blumenindustrie aufgezwungen worden, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und so fristen Halloween oder der Valentinstag ein trauriges Leben, niemand will sie mehr haben. Dem Muttertag geht es ähnlich: Immer, wenn er naht, regen sich die wütenden Geister, die finden, man solle den Müttern ständig dankbar sein und nicht nur an diesem Sonntag. Anerkennung jeden Tag statt Blumen einmal im Jahr!

Man kann dem nicht widersprechen, gerade nicht im Corona-Jahr. Während der Pandemie hat sich die Arbeit, die Mütter in Familien tun, um ein Vielfaches erhöht. Zwar sind Väter wie Mütter mehr Zeit zu Hause, aber wer räumt am häufigsten die Spülmaschine aus und bestellt Kindersocken in der nächsten Größe? Richtig, Mutti macht’s. Der Punkt ist nur: Kein Muttertag ist auch keine Lösung.

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Klar, der Tag erinnert an den Mutter-Kult der NS-Zeit und basiert auf der überkommenen Vorstellung, dass Müttern einmal im Jahr für die Dienste gedankt werden muss, die sie qua ihres Geschlechtes nun mal zu erledigen haben. Aber anstatt den Muttertag zu verteufeln: Wie wäre es, wenn er zum Anlass genommen würde, über die Nöte und Bedürfnisse von Müttern zu sprechen? Wie wäre es, über verschnarchte Mutterbilder zu diskutieren, die gerade wieder aufploppen? Über die Studien, die belegen, dass Mütter unter dem Lockdown besonders leiden, weil sie die meiste Betreuungsarbeit leisten und sich mehr um die Zukunft sorgen? Über die Tatsache, dass Alleinerziehende (die meistens Frauen sind) in der Impffolge keine Priorität haben, obwohl niemand sagt, wer sich um die Kinder kümmert, sollte Mama an Corona erkranken?

Für all diese Diskussionen wäre der bevorstehende Muttertag ein prima Anlass, oder? Wie wäre es, wenn Sie diese am Sonntag mal anzetteln? Aber nicht vergessen: Ein Kaffee am Bett ist nie eine schlechte Sache. Und die Blumenhändlerinnen können sowieso nichts dafür.

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