Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Feuilleton
Merken

Nach Kannibalismus-Performance: Künstlerin erhält Morddrohungen

Eine Ausstellung in der Osnabrücker Kunsthalle erregt die Gemüter. Die CDU wollte die Performance von Künstlerin Sophia Süßmilch verbieten lassen. Sie selbst erhält Morddrohungen.

 3 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Die Künstlerin Sophia Süßmilch steht halbnackt in ihrer Installation "Then I·ll huff and I·ll puff and I·ll blow your house in". Die Kunsthalle Osnabrück zeigt drei Einzel-Ausstellungen unter dem Motto "Kinder, hört mal alle her!".
Die Künstlerin Sophia Süßmilch steht halbnackt in ihrer Installation "Then I·ll huff and I·ll puff and I·ll blow your house in". Die Kunsthalle Osnabrück zeigt drei Einzel-Ausstellungen unter dem Motto "Kinder, hört mal alle her!". © dpa

Osnabrück. Die Künstlerin Sophia Süßmilch sieht sich nach der Kritik der CDU an ihrer Performance zum Thema Kannibalismus in der Osnabrücker Kunsthalle massenhaft Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt. Sie erhalte über die sozialen Medien und per Mail sogar Morddrohungen, sagte die 40-Jährige in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Dagegen werde sie juristisch vorgehen.

Weil sie feministische Positionen vertrete und ihren nackten Körper häufig als Leinwand nutze, werde sie immer wieder angefeindet, sagte Süßmilch. Jetzt sei aber eine neue Dimension erreicht. "Das ist Kulturkampf. Ich kann froh sein, dass keine Selbstjustiz herrscht." Sie finde es schade, dass ihre Kunst so skandalisiert werde, obwohl Kannibalismus in der Kunst kein neues Phänomen sei. Schon in Märchen gebe es kannibalistische Fantasien.

Die von der CDU Osnabrück geäußerte Kritik samt Boykottaufruf könne sie nicht ernst nehmen, sagte die Künstlerin, die in Berlin, München und Wien lebt. Kein CDU-Mitglied habe sich zuvor die Ausstellung angesehen oder mit ihr gesprochen. Sie sehe sich eher als Spielball einer kulturpolitischen Auseinandersetzung. Die CDU wolle bereits seit zwei Jahren die Kunsthalle schließen.

Die Künstlerin Sophia Süßmilch
Die Künstlerin Sophia Süßmilch © dpa

Die CDU Osnabrück hatte am Samstag kurz vor der Eröffnung des Jahresprogramms "Kinder, hört mal alle her" in der Kunsthalle vor allem die kannibalistischen Fantasien in der Süßmilch-Ausstellung und der zur Eröffnung gezeigten Performance scharf kritisiert. Sie seien unzumutbar und "entbehren jeglichen Respekts vor menschlichen Werten und Würde". Die CDU rief die Menschen auf, die Schau zu boykottieren und forderte, die Ausstellung umgehend zu schließen.

In der Performance, die als Video in der Ausstellung gezeigt wird, waren Süßmilch, ihre Mutter und weitere Performerinnen nackt aufgetreten. Die Kunsthalle hatte davor gewarnt, dass einzelne Werke bei Besucherinnen und Besuchern starke Emotionen provozieren könnten. Ausstellung und Performance eigneten sich nicht für Kinder unter 16 Jahren.

Kannibalismus als Metapher

Süßmilch betonte, sie wolle unter anderem auf die Vielschichtigkeit des Themas Kannibalismus aufmerksam machen. Zugleich spielten das Kinderkriegen und die Machtausübung der Männer für sie eine große Rolle. Sie habe daraus die Fantasie eines Gebärstreiks entwickelt: "Wir drehen die Machtverhältnisse um und sagen, wir gebären nicht mehr. Denn nur Frauen haben die Macht zu gebären."

Sie gehe sogar noch einen Schritt weiter und fantasiere, wie Frauen ihre Kinder verspeisten, um sie in ihrem Bauch vor dem Weltuntergang zu bewahren, sagte die Künstlerin. In der Performance könne dies in Kombination mit Worten wie "Torten, Torten aus unseren toten Töchtern" durchaus starke Emotionen hervorrufen. Kannibalismus sei für sie auch eine Metapher für die Grausamkeit und die Liebe, die den Menschen gleichermaßen zu eigen sei. (epd)