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Parkwaves Festival in Dresden: Nach Wolkenbruch ins Festival-Glück

Zwischen Bühnendonner und Platzregen – ein verkürztes Parkwaves Festival am Dresdner Elbufer hinterlässt tausende glückliche Fans harter Musik.

Von Tom Vörös
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Die Band Parkway Drive mit Sänger Winston McCall kommt trotz des Wetters beim Parkwaves Festival in Dresden auf die Bühne.
Die Band Parkway Drive mit Sänger Winston McCall kommt trotz des Wetters beim Parkwaves Festival in Dresden auf die Bühne. © Björn Jansen (Archiv)

Auf der Bühne donnert es gewaltig. Es ist 17.30 Uhr, als die Band Erra aufhört zu spielen. Sogleich übernimmt die Natur: Blitze, Donner, Platzregen – die Musik ist erst mal aus. Tausende Besucher des Parkwaves Festival bei den Filmnächten am Elbufer singen feucht-fröhlich weiter. Schließlich ist Sonnabend, man will feiern und vier weitere Bands sollen noch spielen. Allerdings bläst der Wind mal eben die gesamte Rückwand-Plane der großen Bühne weg. Gut für die Sicht auf die Altstadt, doch man ahnt nichts Gutes für das Festival.

17.48 Uhr, plötzlich ist Schluss mit Unwetter. Und während man auf der Bühne eifrig über das weitere Vorgehen berät, lässt man in der Sonne die Blicke schweifen: Schwarze T-Shirts vom Wacken-Festival oder mit Bandnamen, die man nicht lesen kann. Andere setzen auf markante Textil-Sprüche: „Manchmal ist es besser tot zu sein“ oder, in etwa übersetzt: „Sch... auf Ruhm und Popmusik. Metal ist meine Religion.“

Einer trägt sowohl das Wort „Hass“ auf seiner Mütze als auch ein Dauerlächeln im Gesicht. Andere tanzen bierselig Discofox mit freiem Oberkörper. Und man ahnt, Fans des Genres Metalcore stehen zwar auf Härte und Aggressivität in der Musik, sind aber sonst ganz dufte Typen. Der schroffe Bühnenton lässt sich gar in eine sportliche Ohr-Trophäe ummünzen: Das EM-Aus am Vortag scheint wie weggedrückt.

Nach Unwetter: „Die Rückwand ist im Arsch"

Circa 18.30 Uhr melden sich endlich die Veranstalter zu Wort: „Die Rückwand ist im Arsch. Und wenn es von hinten draufregnet, dann geht die Technik kaputt und das Konzert ist vorbei.“ Man erfährt, dass zwei von sechs Bands nicht spielen. Aber zumindest Thy Art Is Murder und der Headliner Parkway Drive halten ihr Wort vor dem nächsten Wolkenbruch.

Die durchnässten Fans sind froh, denn die 72 Euro-Tickets wollen ja nicht nur mit Bier aufgestockt, sondern auch musikalisch ausgekostet werden. Und so spielt zunächst die australische Deathcore-Band Thy Art Is Murder ihre aggressive, fast kriegerische Art von Musik. Durchaus kunstvoll arrangiert, mit destruktiver Energie vorgetragen, genießt man dabei den sonnigen Blick auf die Kunstakademie und die Frauenkirche.

Im Publikum lassen sich nach wenigen Minuten die ersten Fans auf Händen tragen. Und Sänger Tyler Miller fordert die Menge schlachtrufartig zum „Circle Pit“ auf – prompt bildet sich ein Kreis der Willigen, die im harten aber herzlichen Strudel der Glückseligkeit verschwinden. Und man fragt sich, was wohl der Inhalt der unsanft gebrüllten, unverständlichen Texte ist.

Punkt 19.45 Uhr ist es dann endlich soweit: Parkway Drive, zugleich Erfinder des Parkwaves Festivals, kommen auf die Bühne und fegen mit ihren Klängen jegliche Unannehmlichkeiten weg. Vor allem ein gewisser Winston McCall, Sänger der australischen Band, schafft es mit seiner hünenhaften Präsenz und seiner bloßen Energie, die Masse zu begeistern.

Dazu kommen dicke Feuersalven und punktgenau gesetzte, akustische Knallbonbons. Und man wundert sich nun nicht mehr über vermeintlich gestählte, tätowierte Fans, die brav ihre Ohrstöpsel tragen. „Prey, we are all prey for the sorrow“ singen alle mit, die sich an diesem Unwetterabend nicht nur als „Beute für den Kummer“ betrachten, sondern auch Kämpferinnen und Kämpfer gegen widrige Umstände. Umso ausgiebiger werden die Randale im Elbe-Sperrbezirk.

Eine Überraschung bietet ein Damen-Streicher-Trio, die wie zu Ehren der offengelegten Altstadt-Kulisse spielt. Die Ballade „Darker Still“ weicht auch die härtesten Konzertgänger auf. Und bevor der nächste Regen nach 21 Uhr einsetzt, sind die meisten Gemüter besänftigt.