merken
PLUS Feuilleton

Open-Air-Kultur wäre möglich

Die anhaltenden Veranstaltungs-Verbote werden den Anstrengungen der Kultur nicht gerecht. Ein Kommentar.

© Sylvio Dittrich/SZ

Die Kultur bleibt zu – das ist, um es so hart zu sagen, das Ergebnis der neuesten Infektionsschutz-Beschlüsse der Bundesregierung. Selbst wenn einzelne Kreise in Sachsen unter die 100er-Inzidenz rutschen und zeitweise die Kultur öffnen dürften, wäre es für viele Veranstalter zu riskant, darauf zu setzen. Wir werden uns also wohl auf einen Sommer weitgehend ohne Theater, Lesungen und Konzerte einstellen müssen.

Aus der Kulturbranche kommt verständlicherweise Kritik. Für viel Geld wurden Entlüftungssysteme angeschafft und Hygienekonzepte gebastelt. Vor allem aber wurden Freiluftveranstaltungen geplant. Draußen, so die allgemeine Überzeugung, kann man sich schließlich eher nicht anstecken. Auf der Basis vieler wissenschaftlicher Studien, die diese These bestätigen, fordern Kulturverbände, Theaterchefinnen und Veranstalter nun, Open-Air-Veranstaltungen von dem Verbot auszunehmen.

Anzeige
Die Tamanduas freuen sich über Daria
Die Tamanduas freuen sich über Daria

Mutter Kiwi brachte ihr drittes gesundes Jungtier im Februar zur Welt.

Und wie sehr wir uns das alle wünschen: Wenigstens unter freiem Himmel mal wieder Live-Musik lauschen! Das wird doch wohl möglich sein?!Leider ist es nicht ganz so einfach. Forscherinnen und Forscher betonen: Es kommt darauf an, wie genau sich die Menschen im Freien verhalten. Ist es windstill, stehen die Besucher nah und lang ohne Maske beieinander, erhöht sich die Ansteckungsgefahr. Lautes Mitsingen, wie es etwa bei Popkonzerten passiert, erhöht die Dichte der Aerosole noch mehr.

Eben weil das alles von so vielen Parametern abhängt, ist es schwierig, Freiluft-Veranstaltungen pauschal zu erlauben. Und die Veranstalter müssen ehrlich sein: Nicht alle von ihnen haben konkrete Vorschläge gemacht, wie sie Abstände auch draußen sicher gewährleisten oder Drängelei an sanitären Anlagen regeln wollen.

Weiterführende Artikel

Corona-Notbremse: Was sich ab Samstag ändert

Corona-Notbremse: Was sich ab Samstag ändert

Der Bundesrat hat das geänderte Infektionsschutzgesetz passieren lassen. Nun müssen vielerorts in Sachsen Schulen schließen. Auch Baumärkte machen dicht.

Ein Sommer mit Kultur – oder doch nicht?

Ein Sommer mit Kultur – oder doch nicht?

Sachsens Kultureinrichtungen planen ihre Freiluft-Saison, obwohl die neue Notbremse diese eher nicht erlaubt.

Merkel verteidigt Corona-Notbremse

Merkel verteidigt Corona-Notbremse

Der Bundespräsident hat das neue Infektionsschutzgesetz mit der Bundes-Notbremse unterzeichnet. Kanzlerin Merkel verteidigte das Gesetz gegen Kritik.

Bundestag beschließt Corona-Notbremse

Bundestag beschließt Corona-Notbremse

Neue Regelungen sollen die dritte Corona-Welle in Deutschland brechen. Das hat der Bundestag am Mittwoch beschlossen. Wie es jetzt weiter geht.

Auf der anderen Seite wären all das Situationen, die sich lösen ließen, um den coronamüden Menschen wenigstens einen Lichtblick zu geben. Die Politik hätte bei der Notbremse zumindest Veranstaltungen unter freiem Himmel unter bestimmten, strengen Bedingungen tolerieren können. Die jetzige pauschale Regelung wird den Anstrengungen der Kultur in den letzten Monaten nicht gerecht.

Mehr zum Thema Feuilleton