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„Es war eine verträumte Idee, nach Dresden zu kommen.“

Anastasiya Taratorkina studiert an der Elbe Gesang. Die junge Deutsch-Russin ist so talentiert, dass sie nun den ARD-Musikpreis gewonnen hat.

Anastasiya Taratorkina hat im September 2021 in München den ARD-Musikwettbewerb gewonnen.
Anastasiya Taratorkina hat im September 2021 in München den ARD-Musikwettbewerb gewonnen. © ARD

Die Opernsängerin Anastasiya Taratorkina hat vor zwei Wochen in München den weltweit renommierten ARD-Musikwettbewerb gewonnen. Daraus sind bereits Weltkarrieren hervorgegangen wie die der Cellistin Sol Gabetta und der Sängerin Jessye Norman. Im Fach Gesang hat die junge Sopranistin den ersten Platz gemacht und in einer Online-Abstimmung hat sie zusätzlich den Publikumspreis erhalten.

Die aus dem russischen Nowosibirsk stammende Anastasiya Taratorkina studiert seit einem Jahr an der Dresdner Musikhochschule – und schon ist Deutschland für sie eine Heimat. Im Interview spricht sie über Konkurrenz in der Musik und gefundene Heimaten.

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Frau Taratorkina, wie würden Sie Ihre eigene Stimme charakterisieren?

Meine Stimme klingt so wie ich, glücklich und froh. Und meine Stimme ist sehr emotional und voll.

Kam der Erfolg beim ARD-Musikwettbewerb sehr unerwartet oder haben Sie darauf gehofft?

Am Anfang war es eine Überraschung. Bereits an diesem Wettbewerb teilzunehmen, und dann von der ersten in die zweite Runde zu kommen, hatte ich nicht erwartet. Aber ab dem Halbfinale habe ich wirklich gehofft, im Finale zu sein, und ehrlich gesagt, habe ich es dann auch erwartet. Beim Finale hatte ich ein wirklich gutes, ein tolles Gefühl.

Mögen Sie Wettbewerbe?

Nach diesem Wettbewerb kann ich sagen: ja. Aber vorher habe ich nicht oft an Wettbewerben teilgenommen. Ich dachte, dass ich nicht bereit dafür bin, besonders für so Wettbewerbe wie den der ARD oder den Belvedere-Gesangwettbewerb, solche wichtigen und renommierten Wettbewerbe. Aber ich war 2019 bei der Großen Oper in Russland, und in diesem Juni kam Belvedere. Das war sehr wichtig für mich.

Warum sind Sie zum Studium nach Dresden gekommen?

Vielleicht klingt das lächerlich, aber es war eine verträumte Idee von mir, nach Dresden zu kommen, als ich noch im Konservatorium studierte. Um ehrlich zu sein mochte ich die Stadt einfach auf den Bildern im Internet. Und dazu kommt der schöne Name der Stadt, Dresden. Die Architektur gefällt mir sehr gut hier, die Theater, die Semperoper. Natürlich habe ich mir auch die Modulbeschreibung meines Masterstudiums angeschaut und die Kooperation mit der Semperoper entdeckt – das hat mich angezogen.

Warum überhaupt Deutschland?

Ich habe hier viele Verwandte und auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Ich wollte gerne auf Deutsch studieren, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. In Russland, in Nowosibirsk, habe ich Deutsch gelernt. Zuerst in der Schule, und später am Konservatorium habe ich einen Deutschkurs besucht.

Vermissen Sie denn manchmal nicht Ihre Heimat und Ihre Familie?

Natürlich. Aber mit meiner Mutter telefoniere ich jeden Tag, wir sehen uns jeden Tag. Ein großer Teil meiner Familie ist in Russland, aber der noch größere Teil ist hier. Jetzt gerade bin ich hier in München bei meiner Oma. Sie spielt Klavier und wenn ich zu ihr komme, spielen wir immer zusammen und singen. Und meine Heimat ist auch Deutschland. Dresden ist meine Stadt.

Auf ihrem Instagram-Account posten Sie sehr viele Zitate, die etwas mit dem Thema „Glück“ zu tun haben. Sind Sie glücklich in Ihrer derzeitigen Lebensphase, und wollen Sie dieses Gefühl gerne weitergeben?

Natürlich braucht man in diesem Beruf viel Fleiß und Disziplin, Geduld und Talent. Aber auch Glück. Ich kann sagen, dass ich glücklich ich bin und ich versuche jeden Tag, glücklich zu sein. Das Leben ist Glück, Familie ist Glück. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist Glück, die richtigen Leute zu treffen. Und ich poste das, um allen zu sagen: Seid glücklich!

Was haben Sie Ihrer Dozentin Frau Wangemann zu verdanken?

Sie unterstützt mich. Jetzt, als ich beim Wettbewerb war, haben wir jeden Tag telefoniert und sie hat mich gefragt, wie es mir geht. Im Laufe dieses Jahres, in dem wir jetzt zusammenarbeiten, hat sie viel in mich investiert. Ich habe mit ihr ein großes neues Programm erarbeitet und neue Arien gelernt. Dank ihr konnte ich endlich an mich selbst glauben. Ich habe vorher nicht an mich geglaubt, aber jetzt bin ich sicherer geworden. Ich erinnere mich an meinen ersten Unterricht bei ihr, am 12. Oktober, an meinem Geburtstag. An dem Tag hat das Semester angefangen. Ich war nach dem Unterricht sehr glücklich, wir haben uns sehr gut verstanden.

Was ist Ihr nächstes Ziel, was haben Sie in der Wintersaison vor?

Ich würde gerne noch an weiteren Wettbewerben teilnehmen und sie vielleicht gewinnen. Ich möchte mich vielen Intendanten und Gastdirektoren vorstellen, das ist sehr wichtig. Im Oktober wird es ein Stipendiaten-Konzert geben und im November eine Opern-Gala. Wir beginnen auch mit der Inszenierung von „Street Scenes“ von Kurt Weill, die Premiere wird im April im Schauspielhaus in Dresden sein. Ich werde Anna Maurrant singen.

Das Gespräch führte Hannah Küppers

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