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Taugt der neue Kanzler Olaf Scholz als Parodie?

Kabarettist Thomas Schuch, Leiter des Dresdner Friedrichstatt Palasts, über die „Nullnummer“ Olaf Scholz und den nicht ganz so unbescholtenen Karl Lauterbach.

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Emotionslos und sachlich: Kanzler Olaf Scholz (r.) zu parodieren, ist für den Dresdner Kabarettisten Thomas Schuch (l.) eine harte Nuss.
Emotionslos und sachlich: Kanzler Olaf Scholz (r.) zu parodieren, ist für den Dresdner Kabarettisten Thomas Schuch (l.) eine harte Nuss. © Elisa Schuch-Wiens/Getty Images

Thomas Schuch parodiert in seinen Aufführungen im Dresdner Friedrichstatt Palast ehemals Breschke & Schuch immer wieder bedeutende politische Persönlichkeiten. So auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. An der Parodie ihres Nachfolgers arbeitet er bereits, doch das ist gar nicht so einfach.

Herr Schuch, über welchen Politiker mussten Sie zuletzt herzhaft lachen?

Karl Lauterbach, klarer Fall. Der bietet immer etliche Vorlagen. Satire soll ja angeblich am besten sein, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Das geht einem bei politischen Botschaften häufig so. Bei Annalena Bearbock als Außenministerin frage ich mich, was sie mit dem Unterschied zwischen einer von Interessen und einer von Werten geleiteten Außenpolitik meint und was die Werte da genau sein sollen.

Und darüber haben Sie gelacht?

Es war mehr so ein „He, mal gucken, was da kommt.“ Das Handwerk des Satirikers ist ja, das anzupacken, was einem auf den Nägeln brennt. Da versucht man die Pointen so zu setzen, dass das, was eigentlich schmerzt, Komik erzeugt.

Wie lässt sich Annalena Baerbock parodieren?

Annalena Baerbock hat so eine hochatmige Stimmlage. Sie verwendet bestimmte Ausdrucksweisen, wie „wärden“ statt „werden“. Und ihr „Ich wärde Bundeskanzlerin wärden“ steht ja auch noch im Raum. Das Kanzleramt ist ja als Kanzlei eigentlich eine Urkundenbehörde, deshalb ist das Urheberrecht ganz fest mit dem Kanzleramt verbunden. So würde sie eines Tages die politische Urkundin sein und als Außenministerin zumindest schonmal für einen politischen Urknall sorgen.

Sie haben bereits Gerhard Schröder parodiert, Hans-Dietrich Genscher, Angela Merkel. Welche Parodie hat Ihnen am besten gefallen?

Genscher war natürlich sehr dankbar mit seiner heiseren Stimme und seinem sachsen-anhaltinischem Dialekt. Das bietet einen leichten Zugang. Bei Schröder war dieser Druck auf der Stimme, der sich gut nachahmen ließ. Bei Merkel habe ich neben den heruntergezogenen Mundwinkeln gerne ihr Augenspiel auf die Spitze getrieben. Sie schien mit den Augen irgendwo da oben beim lieben Gott eine Botschaft zu suchen. Es gibt aber auch Personen, die schwerer zu parodieren sind, weil sie ihre Eigenheiten nicht so offensichtlich präsentieren. Herr Drosten hat zwar seinen Kussmund, wodurch so etwas Unbedarftes entsteht. Aber er ist nicht so charakteristisch, dass man sich da einfach draufsetzen kann.

Wie ist es mit Olaf Scholz? Der Kabarettist Reiner Kröhnert hat ihn aus parodistischer Sicht als „absolute Null“ bezeichnet.

Da widerspreche ich ihm absolut, Olaf Scholz ist großartig zu parodieren. Ich kann es noch nicht, aber ich arbeite daran. Genau diese „Nullnummer“ von Herrn Scholz ist das, was man parodieren kann. Dass also jemand politisch so dasteht, als sei er ein absolutes Schaf.

Bieten sich bei ihm eher die Äußerlichkeiten oder die Inhalte an?

Olaf Scholz bewegt sich sehr sicher auf dem öffentlichen Parkett, allerdings auch sehr unprätentiös, das macht die Darstellung seiner Äußerlichkeiten erst einmal schwierig. Es ist aber nicht so, dass es nichts gibt. Sehr interessant war zuletzt eine Presserklärung, die er abgelesen hat. Und Lesen kann tückisch sein. Nämlich wenn er während des Lesens noch eigene Gedanken einzuflechten versucht. Da besteht die Gefahr, sich im weiteren Lesetext nicht mehr zurecht zu finden. Man merkt, wie seine Gedanken abschweifen, er letztlich den Text aber doch noch zusammenbekommt.

Ich habe mich aber erst einmal auf seinen norddeutschen Dialekt fokussiert, weil das eine sichere Bank ist. Er hat seine eigene Denkweise: Dieses Überlegte, keine Schnellschlüsse, keine Ähs. Er ist da ganz straight unterwegs und bringt die Sachen auf den Punkt.

Merkels Markenzeichen war die Raute. Was wird Olaf Scholzs Markenzeichen werden?

Er hat bestimmte Gesten: Wie er die Hand ans Kinn legt oder die spezielle Art, wie er sich mit dem Ringfinger den Kopf kratzt. Manchmal hat er zusammengekniffene Augen, als ob er sich geblendet fühlt. Und er hat diesen Seitenblick: Er dreht den Kopf nach rechts und schielt dabei nach links. Wenn er aus dem Augenwinkel blickt, hat das etwas Beobachtendes, etwas Listiges.

Mit dem Ringfinger am Kopf kratzen: Der Dresdner Kabarettist Thomas Schuch (l.) übt bereits an seiner Parodie von Kanzler Olaf Scholz (r.)
Mit dem Ringfinger am Kopf kratzen: Der Dresdner Kabarettist Thomas Schuch (l.) übt bereits an seiner Parodie von Kanzler Olaf Scholz (r.) © Elisa Schuch-Wiens/picture alliance/dpa/Sputnik

Warum macht er das?

Das hat sicher etwas mit seinem Wesen zu tun. Er soll schon als Kind gesagt haben, dass er Kanzler werden will. Genau das hat er auch im Frühjahr gesagt, als die Aussichten der SPD noch im Keller waren. Er ist wohl sehr zielgerichtet vorgegangen, und dabei ganz still und leise. Herr Laschet dagegen hat versucht, ein Bild von sich zu produzieren, was ihm bei seinem Flutbesuch gehörig auf die Füße gefallen ist. Bei ihm hatte man immer das Gefühl, er spielt Theater. Scholz dagegen hat gar nichts gemacht. Im Wirecard-Ausschuss wurden seine Antworten immer leiser, bis sie schließlich dem Vergessen anheimfielen. Das ist natürlich zwiespältig. Auf der einen Seite sagen die Leute: Das ist genauso ein Schlitzohr wie alle anderen auch. Aber auf der anderen Seite: Wie er da souverän durchmarschiert ist, das muss man erst einmal bringen. Solche Fähigkeiten werden auf dem internationalen Parkett gebraucht.

Stehen Sie zu Hause vor dem Spiegel und beobachten Ihre eigene Scholz-Parodie?

Ja, auch. Aber eigentlich ist es das Hören. Wenn man irgendwann die Denkweise dieser Figur erfasst und nachahmen kann, bekommt man das Gefühl, in dieser Figur zu leben. Ich habe einmal auf der Bühne gesagt: "Ich habe zehn Jahre Angela Merkel parodiert, inzwischen halte ich es nicht mehr aus, so zu denken wie sie. Denn das bleibt doch nicht ohne Folgen!" Von Olaf Scholz bin ich noch ein Stückchen entfernt. Die Genscher-Parodie fiel mir beim Abwaschen zu. Bei Scholz ist es Arbeit.