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Rarität für den Tenor der Streichinstrumente

Ekkehard Klemm und seine Ebland-Musiker begeistern im Theater Meißen mit einem besonderen Programm.

Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen.
Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen. © Klaus-Dieter Brühl

Von Karsten Blüthgen

Zu Lebzeiten des Komponisten populär, heute ein Geheimtipp – diese alte, so rätselhafte wie folgerichtige Aufführungsgeschichte lässt sich auch am Cellokonzert von Robert Volkmann erzählen. Der in Lommatzsch bei Meißen Geborene schrieb es Anfang der 1850er-Jahre einem Solocellisten der Wiener Philharmoniker auf den Leib. Das 19. Jahrhundert bietet wenig konzertante Musik für den Tenor der Streichinstrumente. Sollte dieses Opus 33 nicht umso dankbarer bedacht werden?

Die Elbland Philharmonie Sachsen tut dies jetzt in ihrer ersten Konzertstaffel der Saison. Gemeinsam mit Solist Isang Enders ließ es diesen Volkmann-Wurf am Samstag im Theater Meißen in klassisch-romantischer Schönheit aufleben. Enders, 33, Sohn deutsch-koreanischer Eltern, rückte im Alter von 20 Jahren auf die renommierte Position des 1. Konzertmeisters der Celli der Sächsischen Staatskapelle. 2012 verließ er Dresden, um sich einer Laufbahn als freier Künstler zu widmen.

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Der Solist und Kammermusiker ist weltweit sehr erfolgreich, etwa im Sitkovetsky Trio. Wer im Concertgebouw Amsterdam und im Wiener Musikverein gefeiert wird, kann als Gast im Dresdner Umland nur ein Geschenk sein.

Unprätentiöser Auftritt

An Enders gefällt bereits der unprätentiöse Auftritt. Der Star macht sich nicht wichtig. Er lacht herzlich, fast jungenhaft, und stellt sein Können in den Dienst der Sache. Volkmanns 17-minütiges Konzert in einem Satz macht es dem Solisten da nicht einfach. Permanent ist er auf Sendung und schöpft aus dem großen Ambitus des Cellos. Das Orchester muss ihn ausreden lassen, kann sich selten mit starker Stimme einbringen, darf in mehreren Kadenzen still zuhören. Enders musizierte herzerfrischend, genoss den Reichtum an Passagen, meisterte sie lauffreudig und traumwandlerisch sicher, schwelgte in luftiger Höhe und ließ sein Cello in der Tiefe sonor schwingen. Doch all dies passierte fern jeglicher Selbstdarstellung. Enders diente ganz dem Werk.

Damit harmonierte er bestens mit Chefdirigent Ekkehard Klemm, der um diesen Volkmann eine Mozart-Klammer spannte. Die seltener zu hörende Sinfonie C-Dur KV 338 fungierte als Ouvertüre in drei Sätzen: gepfeffert im Ausdruck, scharf in den Konturen und Kontrasten.

Nicht Mozart selbst, sondern ein Londoner Konzertagent erfand für die letzte Sinfonie den Beinamen „Jupiter“. Gemeint sein könnte der Glanz des C-Dur, auch die Satzgestaltung der Sinfonie KV 551, die an die Verwandlungskunst des obersten römischen Gotts erinnert. Klemm übersah freilich nicht das Doppelbödige in Mozarts Spätwerk. Im Andante cantabile pochten unter samtigen Streichern die Akzente schicksalhaft. Im Finale bündelten sich die Energien berauschend und optimistisch. Langer, herzlicher Applaus.

Wieder: 30. 9., Marienkirche Pirna, 2. 10., Stadthalle „stern“ Riesa und am 3. 0., Landesbühnen Radebeul

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