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Das wird die neue Felsenbühne Rathen

Der Umbau verbessert bis Juni 2022 für Zuschauer und Akteure alles bei Stücken wie „Kaltes Herz“ und „Fliegender Holländer“. Karl May muss warten.

Hausherr“ Manuel Schöbel (Mitte) erklärt  bei einem Rundgang die neue Felsenbühne mit dem überdachten Musikpavillon. Sichtachsen und Felsen bleiben vom Umbau unberührt
Hausherr“ Manuel Schöbel (Mitte) erklärt bei einem Rundgang die neue Felsenbühne mit dem überdachten Musikpavillon. Sichtachsen und Felsen bleiben vom Umbau unberührt © Thomas Kretschel

Auf der Felsenbühne Rathen wird alles anders. Wenn Anfang Juni 2022 im Wehlgrund der Spielbetrieb losgeht, wird das Publikum nicht nur ein neues Theater zwischen den Elbsandsteinfelsen in Besitz nehmen können. Auch das Konzept ist ein anderes als in den vergangenen Jahrzehnten. Möglich macht das der seit Frühjahr 2020 laufende Komplettumbau der Bühne. „Der liegt im Zeit- und Finanzplan, wir sind zutiefst beglückt“, sagte Manuel Schöbel, als Intendant der Landesbühnen Sachsen quasi Hausherr der Felsenbühne. Sein Theater bespielt seit 1954 diesen Ort. Schöbel stellte am Donnerstag mit dem Architekten Lür Meyer-Bassi und seinem Kunstteam das Objekt und die Vorhaben für die erste Sommerspielzeit 2022 vor. Künftig wird es von Juni bis September Vorstellungen unter dem neuen Label „Felsenbühne Festspiele“ geben.

Auch Regen ist kein Problem mehr

Der beliebte Ort wird sich bis dahin wahrlich festspielreif präsentieren. Nach gut zehnjährigen, hoch komplizierten Planungen im Naturschutzgebiet wird sich für 15 Millionen Euro vom Land faktisch alles an dem 1936 eingerichteten und seit Jahrzehnten verschlissenen Naturtheater für Publikum wie Akteure verbessern. Ein neues, zweistöckiges Funktionsgebäude anstelle des alten ist errichtet worden, bietet neben den Garderoben, Lagern, Technikräumen und Waffenkammer auch neuerdings Probenmöglichkeiten und ansprechende Sanitärmöglichkeiten. Zudem gibt es erstmals fürs Publikum Unterstellmöglichkeiten bei schlechtem Wetter. Die Voraussetzungen für bessere kulinarische Angebote werden geschaffen, ob der Pächter diese dann auch nutzt, wird man erleben.

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Architekten Lür Meyer-Bassin erläutert das Bauvorhaben des Musikpavillon.
Architekten Lür Meyer-Bassin erläutert das Bauvorhaben des Musikpavillon. © Steffen Unger

Wohl bleiben die 1.800 Sitzplätze unverändert. Aber die Farbe der Bänke soll sich der Natur ringsum besser anpassen. Noch ist nicht entschieden, ob eher waldgrün oder felsengraubraun. „Wir sind ja auf dem Weg zu einem grünen Theater“, so Schöbel. Die Bauten haben schon oder werden jedenfalls alle Gründächer erhalten.

Die Musik aus dem miesen Graben geholt

Die Größe der Bühne ist annähernd gleich, aber diese selbst und ihre Zu- und Abgänge sind erheblich verändert. Der nicht bespielbare alte Orchestergraben ist verschwunden. Dafür entstand im hinteren Bühnenteil ein Orchesterpavillon. Dieser schützt das dann erstmals sichtbare Orchester nicht nur. Durch Rückwand und Decke wird man erstmals von einer akzeptablen Akustik in Rathen reden können. „Im Graben konnten wir nur akustisch verstärkt agieren“, so Ekkehard Klemm als Chefdirigent der hier spielenden Elbland Philharmonie Sachsen. „Das wird unter den neuen, fantastischen Bedingungen künftig wohl nicht mehr nötig sein, was speziell den hier hingehörenden romantischen Werken guttut.“

Auch gut gelungen: Die Auftrittswege für die Reiter und Kutschen, wie sie speziell bei Karl-May-Stücken zum Einsatz kommen, wurden deutlich verbessert. Winnetou könnte also kommen – doch der pausiert zunächst. Mit ambitionierten Vorhaben wollen die Landesbühnen die neuen Möglichkeiten des Podiums ausprobieren und demonstrieren. Zum Start wird es am 5. Juni eine große Gala geben, teilweise auch Vorabaufführungen, sogenannte Previews, um das Publikumsverhalten zu testen. Drei Premieren, eine Wiederaufnahme und zum Saisonabschluss am 3. September den Rathener Klassiker „Carmina burana“ kündigte Schöbel an.

Kinderproduktionen in Planung

Er selbst wird zunächst Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“ inszenieren. Dass er die Aufführungsrechte für das wohl beste Musical aller Zeiten aus Amerika erhalten hat, ist schon ein Wunder. Dass er die komplexen Charaktere weitgehend aus dem eigenen Ensemble besetzen will, ist das nächste, weil alle gleich gut spielen, singen und tanzen können müssen – und das teils rasant.

Schauspieldirektor Peter Kube will im Juli Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ als Familien-, aber keineswegs Kindervorstellung inszenieren. Als Wiederaufnahme einer Inszenierung der Burgfestspiele Meißen kommt Anfang August Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ heraus – ebenfalls von Kube eingerichtet.

Und dann der Paukenschlag: Mitte August stellt sich die neue Operndirektorin Kai Anne Schumacher mit Richard Wagners romantischer Oper „Der fliegende Holländer“ erstmals vor. Spannend wird, wie sie das Schiff des Holländers zwischen die Felsen wuchtet. Die Elbland Philharmonie Sachen unter Ekkehard Klemm musiziert jeweils.

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Erstmals also kein Karl May und kein „Freischütz“. Die sind ab 2023 wieder dran, versprach Schöbel. Der Vorverkauf für 2022 beginnt am 15. Oktober. „Sobald spruchreif“ sollen ein, zwei Kinderproduktionen den ersten Spielplan der neuen Felsenbühne bereichern.

Infos und Karten online, telefonisch oder an der Kasse über die Landesbühnen Sachsen.

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