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„So war mein Jahr – traurig und zugleich aufbauend“

„Nicht in Agonie verfallen“, sagt Robbie Williams und ist mit neuen Projekten am Start.

Robbie Williams bei der diesjährigen ZDF-Benefizgala „Ein Herz für Kinder“. Sein neuer Song „Can’t Stop Christmas“ weckt Festtagsgefühle und ist Kampfansage an die Pandemie.
Robbie Williams bei der diesjährigen ZDF-Benefizgala „Ein Herz für Kinder“. Sein neuer Song „Can’t Stop Christmas“ weckt Festtagsgefühle und ist Kampfansage an die Pandemie. © Jens Meyer/AP/Pool/dpa

Robbie Williams sitzt daheim in London im holzgetäfelten Herrenzimmer, hinter ihm erblickt das videokonferenz-geschulte Auge ein herrlich altmodisches Gemälde mit einem Springreiter drauf. Der 46 Jahre alte Superstar trägt ein schwarzes Sweatshirt und eine silberne Kette, die Haare sind wieder länger als zuletzt und auch schwärzer wirkend. Überhaupt sieht Williams, der gerade sein letztjähriges Weihnachtsalbum „The Christmas Present“ mit dem zusätzlichen neuen Song „Can’t Stop Christmas“ wiederveröffentlicht hat, fit und gesund aus. Ein Gespräch über sein Corona-Jahr, die Weihnachtsgewohnheiten im Hause Williams, die Familie und Pläne.

Herr Williams, wie läuft es bei Ihnen in dieser verrückten Zeit?

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Ganz gut. Ich bin seit ein paar Tagen wieder in England, zelebriere meine Quarantäne. Ich darf jetzt zwei Wochen lang nicht vor die Tür. Für mich ist das gar nicht schlimm. Mein Leben in England ist doch sowieso wie ein einziger, ewiger Lockdown. Immer, wenn ich hier bin, halte ich mich hinter verschlossenen Türen auf. Insofern ist das Leben für mich im Moment so wie immer. Ich fand es mal ganz angenehm, kein Teil des Showgeschäfts sein zu müssen.

Sie wirken ungewöhnlich gesund und ausgeruht – wie das?

Wenn du zu Hause bist, ist jeder Tag derselbe, und damit ist auch dein Tagesablauf in jeder Hinsicht normaler und planbarer. Ich habe sehr regelmäßig Sport gemacht und viel besser gegessen. Wenn ich arbeite, dann geht mir meine Arbeit immer sehr nah, es wird für mich schnell sehr emotional. Und ich neige dazu, meine Emotionen mit Essen zu spiegeln. Oder ich falle erst um 5 Uhr morgens ins Bett, weil der Abend voll ist mit Arbeit. Während Covid ist es mir definitiv deutlich leichter gefallen, ein normaler Mensch zu sein und wie ein normaler Mensch zu leben.

Anfang des Jahres sind Sie zum vierten Mal Vater geworden. Wie lebt es sich mit dem Quartett?

Wir haben die Kinder jetzt quasi in zwei Teams aufgeteilt. Die beiden Älteren, Teddy und Charly, sind unser „Team A“, Colette und Beau sind „Team B“. „Team A“ kann schon Sachen machen, Mist bauen, lachen und mit uns reden bis zum Umfallen. Team A bekommt eine Menge persönlicher Zeit mit seinen Eltern. Team B wiederum hat noch einiges aufzuholen.

Wird Team A langsam neugierig, was das Leben des Vaters angeht?

Meine Tochter ist irgendwie elektrisiert von dem Umstand, dass sie einen berühmten Vater hat. Sie versucht zu verstehen, was dieser Ruhm genau bedeutet. Sie kapiert langsam, dass Leute wegen mir mit ihr sprechen wollen, dass sie also wegen mir interessant ist. Sie ist acht. Sie ist da gleichzeitig geschmeichelt, aber auch ein bisschen misstrauisch und skeptisch, was die Leute von ihr wollen könnten.

Ihre Tochter singt ja mit beim Song „Home“ auf Ihrem Weihnachtsalbum „The Christmas Present“. Wie stolz ist sie über Ihr Duett?

Teddy wollte unbedingt dabei sein. Aber das war vor über einem Jahr. Jetzt will sie lieber ihr eigenes Ding machen, nicht bloß einen Song singen. Sie will mehr. Sie will alles mit ihrem Teddy-Ding garnieren. Es macht Spaß, ihr dabei zuzuschauen.

Ihre neue Single „Can’t Stop Christmas“ dreht sich textlich ums Corona-Jahr: Sie singen, dass sich das Leben anfühle wie im Krieg – etwas übertrieben?

Schwarzer Humor ist einfach Teil meiner Persönlichkeit. Mit sehr ernsten Themen gehe ich so um, dass ich versuche, auch darüber zu lachen. Ich liebe dunkle, finstere Witze. Und doch steckt in dem Song viel Aufrichtigkeit. So war mein Jahr – traurig und zugleich aufbauend. Tragisch und doch auch lustig.

Hatten Sie geglaubt, dass „The Christmas Present“ das Zeug zum echten Weihnachtsklassiker hat?

Das Album hat den Job gemacht, den ich mir von ihm versprochen habe. Für mich war diese Platte eine richtige Wohltat. Ich hatte keinen Druck dabei wie bei einem herkömmlichen Robbie-Williams-Studioalbum. Bei denen heißt es ja jedes Mal: „Wenn es kein Erfolg wird, ist seine Karriere im Eimer“.

Arbeiten Sie an neuen Sachen?

Ja! Ich habe ein Projekt, das im Frühjahr passieren soll. Ich will frische Sachen machen. Es kommen zwei Alben, ich bin Teil einer Band, mache Dance Music und will auch als DJ auftreten.

Weihnachten ist das Fest der Exzesse. Alkohol und Essen, wohin das Auge blickt. Sie trinken seit zwanzig Jahren nicht mehr und haben sich auch die Drogen abgewöhnt. Ist es Weihnachten schwer, nüchtern zu bleiben?

Nein, überhaupt nicht. Mein Verlangen nach Rauschmitteln ist verflogen und einfach nicht mehr da. Aber, was das Essen angeht, okay, ich werde nichts kochen, aber ich will mir alles reinhauen, was da ist. Einmal im Jahr darf man das.

Interview: Steffen Rüth

Das Album: „The Christmas Present“ (Sony Music)

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