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Schleifer macht Kunst aus Holz und Glas-Lava

Der Schleifer Holzkünstler Thomas Schwarz experimentiert mit flüssigem Glas. Mit überraschendem Ergebnis.

Der neue Kalender ist da. Die „Skulpturen 2021“ sind schon zum vierten Mal ein Gemeinschaftswerk der beiden Schleifer Künstler Thomas Schwarz und Frank Stein.
Der neue Kalender ist da. Die „Skulpturen 2021“ sind schon zum vierten Mal ein Gemeinschaftswerk der beiden Schleifer Künstler Thomas Schwarz und Frank Stein. © Constanze Knappe

Schleife. Holz brennt wie Zunder, wenn es mit 1.200 Grad heißem Glas übergossen wird. Um das zu verhindern, bedarf es einigen handwerklichen Geschicks mit kalter Druckluft. Wie das Glas so den schwarzen, scheinbar verkohlten Buchenstamm aus dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau herunterläuft, gleicht es einer glühend heißen Lava. Das Experiment ist geglückt.

Familie mit Glas-Traditionen

Ungewöhnliche Materialkombinationen haben den Schleifer Holzkünstler Thomas Schwarz schon immer fasziniert – und herausgefordert. Seit einigen Jahren arbeitet mit Edelstahl. Nun also mit Glas. So abwegig sei das gar nicht, schließlich sei Glas in der Region verwurzelt, sagt er. In seiner Familie ebenfalls. Seine Mutter war Glasschleiferin, der Großvater seiner Frau ein Musterschleifer. Da lag der Gedanke nahe, Glas mit Holz zu verbinden. Dabei habe er immer das Bild eines glühenden Lavastroms vor Augen gehabt. Doch wie setzt man das am besten um?

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Bei Borowski Glas in Polen ist das gelungen. Die vor über 40 Jahren in einer Garage gegründete Glasmanufaktur von Stanislaw Borowski ist heute eine weltweit renommierte Marke. Zusammen mit den Söhnen Pawel und Wiktor gründete er 1990 in Bonn die Glasstudio Borowski GmbH, die 1992 nach Polen umzog. In Pawel Borowski, der das Künstleratelier leitet, fand Thomas Schwarz genau den Partner, den er suchte, und mit dessen Team auch einen Weg, das 1.200 Grad heiße Glas mit Holz zu verbinden. Und zwar so, dass beide Materialien quasi miteinander verschmelzen, ohne dass das Holz bei den hohen Temperaturen zu Schaden kommt.

Zwölf Holzarten aus aller Welt

Im Atelier von Thomas Schwarz in Schleife sind mehrere Skulpturen aus Buchenholz mit einem symbolisierten Lavastrom zu bewundern. „Eruption“ nennt er die Serie. Bei Borowski Glas wurde noch mit zwölf anderen Holzarten aus aller Welt experimentiert. Denn, und darin sind sich Holz- und Glaskünstler einig: Das Buchenholz war nur der Anfang. Die Inspiration dazu, so räumt Thomas Schwarz ein, sei von außen gekommen. Er hatte die Holzfiguren nahezu fertig. Da schien ihm, als fehle noch irgendetwas. Zunächst dachte er an Edelstahl. Im Gespräch mit Besuchern seines Ateliers habe sich dann jedoch die Idee mit dem Glas verdichtet. Eine Woche, nachdem Polen die wegen Corona geschlossenen Grenzen wieder öffnete, war Thomas Schwarz bei Borowski Glas in der Nähe von Boleslawiec.

Der Schleifer Holzkünstler Thomas Schwarz experimentiert mit ungewöhnlichen Materialkombinationen. In seiner neuesten Arbeit verbindet er Buchenholz aus dem Pückler-Park mit Glas und Edelstahl.
Der Schleifer Holzkünstler Thomas Schwarz experimentiert mit ungewöhnlichen Materialkombinationen. In seiner neuesten Arbeit verbindet er Buchenholz aus dem Pückler-Park mit Glas und Edelstahl. © Constanze Knappe

Diesmal Herbst des offenen Ateliers

Eigentlich hätte Thomas Schwarz seine neuesten Arbeiten zum „Tag des offenen Ateliers“ am 15. November präsentieren wollen. Doch wie schon sein Atelierkonzert und die Tage des sächsischen Kunsthandwerks wegen der Corona-Beschränkungen ausfallen mussten, ist auch jetzt an keinen Aktionstag zu denken. Bei 300 bis 400 Besuchern, die er dazu in jedem Herbst begrüßt, könnte er kaum irgendwelche Hygienevorgaben umsetzen. Also hat er sich zu einem „Herbst des offenen Ateliers“ entschlossen. Bei den Führungen für kleine Gruppen sei der Abstand gewährleistet – und dennoch der von ihm geliebte individuelle Austausch möglich.

Alles in allem kam der Holzkünstler vergleichsweise gut durch die Corona-Krise. Er ist froh, dass er „kaum Umsatzeinbußen“ hinnehmen musste. Das habe er Sammlern zu verdanken wie auch diversen Auftragsarbeiten. Aktuell arbeitet Thomas Schwarz an zwei Skulpturen in wendischer Tracht für das Heimatmuseum Dissen.
Zusammen mit dem Schleifer Künstler Frank Stein bereitet er eine Ausstellung im Besucherzentrum des Geoparks Muskauer Faltenbogen in Klein Kölzig vor. Bis Ende September hatten beide im Rosengarten in Forst ausgestellt und dort von über 30.000 Besuchern „eine tolle Resonanz“ bekommen. Impressionen der Ausstellung in Forst vermittelt im A2-Format der Kalender „Skulpturen 2021“. Die Fotos und Gestaltung steuerte erneut Frank Stein bei.

Ein bewegtes Jahr

Für Thomas Schwarz ist 2020 ein bewegtes Jahr. Seit Februar drückt der 52-Jährige noch einmal die Schulbank – an der Universität der Künste in Berlin. Der Autodidakt aus der Oberlausitz möchte sein Metier noch besser verstehen lernen. Die Referenten kommen aus großen Museen und Galerien. „Alles hochkreative Menschen“, aus deren Erfahrungsschatz er schöpfen möchte. Beispielsweise in der Frage, wie man Objekte für eine Ausstellung am günstigsten positioniert, um die eindrucksvollste Wirkung auf den Betrachter zu erzielen. Noch vor Weihnachten steht die Abschlussprüfung an. Thomas Schwarz hofft, dass Corona nicht dazwischengrätscht.

Der Kalender im A2-Format ist für 25 Euro zu haben im SKC Schleife, in der Buchhandlung Hugendubel in Weißwasser, im Rosengarten und in der Tourist-Info in Forst.

Anmeldungen zu Führungen durchs Atelier sind möglich unter 0162 1607325.

www.der-holzkuenstler.de

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