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Schostakowitsch-Festival geht fremd

Statt Gohrisch nun Hellerau: Die Musik-Tage bieten aber auch am Ausweichspielort prominente Künstler und zahlen kein Honorar.

In diesem Jahr gibt es in der Konzertscheune von Gohrisch kein Konzert. Das Festival zieht ins Festspielhaus Hellerau.
In diesem Jahr gibt es in der Konzertscheune von Gohrisch kein Konzert. Das Festival zieht ins Festspielhaus Hellerau. © Arne Walther

Nach einem virtuellen Festival-Jahrgang im vergangenen Jahr wegen Corona sollen diesen Juni wieder richtige Internationale Schostakowitsch-Tage stattfinden. Allerdings werden sie vom 24. bis 27. Juni nicht im beschaulichen und mit dem Komponisten eng verbundenen Gohrisch in der Sächsischen Schweiz stattfinden, sondern im Festspielhaus Hellerau.

„Nach Abwägung aller Szenarien erwies sich die Verlegung in das Europäische Zentrum der Künste als sichere Alternative, um das Festival 2021 stattfinden lassen zu können“, so Festival-Chef Tobias Niederschlag am Dienstag bei der Programm-Präsentation. Der Grund: Der Umbau der Konzertscheune in Gohrisch, wo unweit der Komponist 1960 sein berühmtes 8. Streichquartett komponiert hatte, sei jedes Jahr mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Denen hätte in diesem Jahr – bei coronabedingt eingeschränkter Platzkapazität – noch ein großes finanzielles Defizit gegenübergestanden. Zudem seien die Hotels in der Sächsischen Schweiz noch nicht geöffnet, was die Planungssicherheit für die überwiegend von außerhalb anreisenden Besucher nicht gewährleistet hätte.

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„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem großartigen Team und auf die ideale Infrastruktur des Festspielhauses. Aber, es bleibt ein einmaliger Ausflug nach Hellerau“, so Niederschlag. 2022 soll das Festival wieder in Gohrisch stattfinden – dem Ort, „der durch seine Authentizität und seine einzigartige Atmosphäre die Legitimität für unser Festival darstellt“.

Komponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch ist Namengeber des Festivals.
Komponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch ist Namengeber des Festivals. © Foto: Association internationale

Wieder ist es dem Team gelungen, Spitzeninterpreten zu gewinnen, die ohne Honorar auftreten – was für die Zugkraft des Festivals spricht. So reisen unter anderem der Geiger Gidon Kremer, der Pianist Dmitry Masleev und das Borodin Quartet an. Die kooperierende Staatskapelle Dresden ist mit einem Vorab-Sonderkonzert im Kulturpalast und mit der auf die Moderne spezialisierten Formation „kapelle21“ bei einer Hellerau-Matinee beteiligt.

Mehrere Uraufführungen und Deutsche Erstaufführungen wird es geben. Der Fokus dabei ist stärker als zuletzt auf den Namensgeber des Festivals gerichtet: So stehen etliche Werke wie die Streichquartette Nr. 2 und Nr. 5 auf dem Programm, die bislang nie in den Tagen erklungen sind. Wieder kann Niederschlag mehrere, erst in jüngster Vergangenheit in Moskau entdeckte Uraufführungen sowie Deutsche Erstaufführungen von Schostakowitsch präsentieren, darunter jetzt live jene neun Klavierkompositionen, die 2020 nur im transkontinentalen Stream-Projekt des Festivals gespielt worden waren.

Wichtig zu wissen: Sämtliche Konzerte dauern zwischen 60 und 90 Minuten und finden ohne Pause statt. Auf Konzerteinführungen wird aufgrund der aktuellen Situation verzichtet. Wegen zahlreicher Festivalpass-Vorbestellungen und der coronabedingt begrenzten Kapazität im Festspielhaus mit maximal 120 Plätzen werden nur wenige Restkarten in den freien Verkauf gehen.

Der Vorverkauf beginnt am 10. Juni 2021. Aktuelle Infos zum Konzertbesuch unter Corona- Bedingungen unter www.schostakowitsch-tage.de

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